S-Bahnlinie 4 Breites Bündnis für den Ausbau

Vertreter von Parteien, Bürgervereinigungen und Verbänden kämpfen für eine rasche Ertüchtigung der S 4.

Von Peter Bierl

S-4-Ausbau jetzt" heißt die neue Bürgerinitiative, die Vertreter von Parteien und Verbänden am Mittwoch im Puchheimer Kulturzentrum gegründet haben. Die erste gemeinsame Aktion wird eine Unterschriftensammlung sein. Staatsregierung und Landtag sollen aufgefordert werden, die Strecke "schnellstmöglich" auszubauen sowie für störungsfreien Betrieb und dichteren S-Bahn-Takt zu sorgen.

Mehr als 30Teilnehmer kamen zur Gründungsversammlung, darunter Vertreter von CSU, FW, Grünen, SPD und Unabhängigen Bürgervereinigungen, dem Brucker Verkehrsforum, Bund Naturschutz, Verkehrsclub Deutschland und Pro Bahn. Von den Parteien fehlte lediglich die FDP.

Einigkeit bestand in dem Wunsch nach einem Ausbau der S4 und einem organisierten Bündnis, um auf die Staatsregierung Druck auszuüben. "Ich sage mal, wir sind bisher geblendet worden, könnte es aber auch anders ausdrücken", sagte der Zweite Bürgermeister von Fürstenfeldbruck, Hans Schilling (CSU). Differenzen zwischen Grünen und Verbandsvertretern einerseits und CSU und SPD andererseits traten bei der Einschätzung des geplanten zweiten Tunnels in München auf. Während der Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne) erklärte, "der viergleisige Ausbau der Strecke wird der zweiten Röhre geopfert", fand der SPD-Kreisvorsitzende Michael Schrodi, Geld sei kein Problem, sondern eine Frage politischer Entscheidungen. "Wenn man will, sind auch die Mittel vorhanden."

Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) sieht bis 2019 pro Jahr 330Millionen Euro für den Bahnausbau vor, davon gehen 253Millionen an die alten Bundesländer. Bis 2018, wenn der zweite Tunnel fertig werden soll, wären das um die zwei Milliarden, von denen 40Prozent in die Münchner Röhre gesteckt werden müssten. Das hieße, dass für andere Bundesländer und Nordbayern wenig bliebe. "Es ist ein Fakt, dass alle anderen Projekte hinten anstehen müssen", sagte darum der Puchheimer Grünen-Vorsitzende Manfred Sengl.

Die Runde folgte Schrodi, der für einen Kompromiss plädiert hatte. Die Begründung zum Petitionstext mit der Passage zur zweiten Röhre entfiel komplett. Die kurze Resolution wurde einstimmig verabschiedet und entspricht weitgehend einem Vorschlag Runges. Darin heißt es, der Stopp des überfälligen Ausbaus der S4 durch die Staatsregierung sei "nicht hinnehmbar".

Die Linie S 4 sei bereits jetzt eine der am stärksten genutzten Strecken im S-Bahnnetz, die Züge zu Hauptverkehrszeiten seien ständig überfüllt und permanent verspätet. "Wir fordern deshalb Landtag und Staatsregierung auf, schnellstmöglich bauliche Maßnahmen planen und realisieren zu lassen, die den S-Bahn-Verkehr der S 4 vom Fern-, Regional- und Güterverkehr trennen, um dichteren und störungsfreien S-Bahn-Verkehr zu fahren. Kurzfristig fordern wir den Einsatz von Verstärker- und Langzügen", heißt es in der Resolution. Der Vorschlag, die Forderung nach einem Zehn-Minuten-Takt aufzunehmen, wurde fallen gelassen, nachdem sowohl Runge, als auch der Bürgermeister von Grafrath, Hartwig Hagenguth (BfG), und der Brucker Verkehrsreferent Mirko Pötzsch (SPD) davor gewarnt hatten, etwas zu verlangen, was als zu teuer oder überflüssig kritisiert werden könnte.

Die Runde bestimmte ein Sprecher-Gremium, dem Vertreter aus verschiedenen Parteien und Gruppen wie Grüne, SPD, UBV und Bund Naturschutz sowie den Anlieger-Kommunen angehören, darunter eine Vertreterin aus Aubing sowie Schilling für die CSU. Puchheim und Eichenau sind noch nicht vertreten.

Runge erwähnte den Vorschlag eines neuen Gleises von Eichenau nach Gröbenzell, mit dem die Strecke entlastet werden könnte. Die Bürgermeister von Gröbenzell und Olching, Dieter Rubenbauer (CSU) und Andreas Magg (SPD) lehnen die Idee rundweg ab. (Kommentar und Seite 3)