Puchheim Turnhallen bleiben Notunterkünfte

In der Turnhalle des Germeringer Max-Born-Gymnasiums laufen die Vorbereitungen zur Aufnahme von Asylbewerbern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Wie lange der Landkreis die Einrichtungen in Germering, Maisach und Puchheim für Flüchtlinge nutzt, ist offen.Die Sportstätte in Puchheim mit fast 200 Plätzen ist oft halb leer. Das erzeugt Unmut

Von Peter Bierl, Puchheim

Wie lange die Turnhallen in Puchheim, Germering und Maisach vom Landratsamt als Unterkünfte für Flüchtlinge dienen, ist derzeit völlig offen. "So kurz wie möglich, so lange wie nötig", erklärt Martin Schuster, der Asylkoordinator der Kreisbehörde. In Puchheim regt sich Unmut, weil die Halle nicht wirklich ausgelastet ist. "Uns wundert, dass da immer nur sehr wenige Menschen sind", sagt Rosemarie Ehm, Leiterin des Asylhelferkreises. Aktuell sind knapp 90 Plätze von 198 belegt. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) möchte die Halle bis Februar zurückhaben, wenn das zweite Schulhalbjahr beginnt.

Die Halle in Maisach dient seit Sommer als Unterkunft für unbegleitete Minderjährige. Von 50 Plätzen sind derzeit etwa 33 belegt, das Maximum waren 45 Ende August, sagt Franziska Schlosser, Abteilungsleiterin im Jugendamt. Es ist eine Notlösung, weil in Jugendheimen keine Plätze frei sind. Insgesamt halten sich etwa 164 Jugendliche im Landkreis auf, die meisten sind in Schulcontainern in Olching sowie in Einrichtungen in Bruck, Grunertshofen und Kottgeisering untergebracht. Es kämen weniger Jugendliche, weil diese Flüchtlinge jetzt bundesweit verteilt würden. "Aktuell sind keine neuen Zuweisungen angekündigt", sagt Schlosser.

Im Germeringer Max-Born-Gymnasium stehen 108 Plätze zur Verfügung, maximal können dort 120 Menschen einquartiert werden. Im Lauf der nächsten Woche werden die ersten erwartet, sagt Schuster. Für den Notfallplan der Regierung sind zudem die Turnhallen des Gymnasiums Olching und des Viscardi-Gymnasium mit je 150 Plätzen reserviert. Die Halle des Olchinger Gymnasiums war von Anfang September bis Mitte Oktober schon mit Feldbetten ausgestattet und für den Unterricht gesperrt. "Das war prophylaktisch, wir wollten vorbereitet sein", erklärt der Asylkoordinator. Landrat Thomas Karmasin (CSU) räumt ein, dass er bei der Belegung der Olchinger Halle die Lage "falsch eingeschätzt hat". Aus dem Urlaub heraus habe er das damals entschieden, weil so viele Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof angekommen waren.

Die drei Hallen von Gymnasium und Realschule an der Bürgermeister-Ertl-Straße in Puchheim wurden Ende Juli belegt, was für Unmut sorgte, weil im Gewerbegebiet Nord bereits eine Unterkunft für etwa 160 Menschen eingerichtet wurde. "Es geht uns nicht um die Leute, sondern um die Halle. Das ist auch kein guter Platz für Flüchtlinge", betont der Bürgermeister. Das sehen Aktivisten vom Asylhelferkreis, dem etwa 250 Personen angehören, genauso. Übereinstimmend berichten sie, dass die Halle meist eher spärlich belegt sei. Dagegen erklärte der Asylkoordinator, dass die Halle Ende September "nahezu voll" gewesen sei. Allerdings sei die Zahl derer, die tatsächlich dort leben, stets niedriger als die der zugewiesenen Personen, weil niemand verpflichtet sei, dort zu wohnen. So sollten Flüchtlinge aus Olching vorübergehend dort untergebracht werden, weil ihre Unterkunft renoviert wurde, aber einige zogen es vor, anderswo zu nächtigen.

Puchheim sucht derweil nach Flächen und Unterkünften. Es gibt durchaus Angebote von Privatpersonen, darunter zwei größere Objekte im Gewerbegebiet. Im Rathaus ist man allerdings nicht begeistert, weil Grünflächen fehlen und man neben dem Haus für Flüchtlinge in der Siemensstraße in dem Quartier keine weitere Unterkunft möchte. Die Verwaltung wird dem Bauausschuss empfehlen, eine Anfrage abzulehnen, sagt Jens Tönjes, der geschäftsleitende Beamte. Erfolgreicher ist die Suche nach einem Grundstück für eine provisorische Unterkunft für anerkannte Asylbewerber. Die Stadt hat einen Platz in Puchheim-Ort gefunden, wo ein einfacher Komplex in Holzständerbauweise gebaut werden könnte. Allerdings fehlen noch die Richtlinien von der Staatsregierung für die Förderprogramme. Dann könnte die Kommune mit Planung und Bau starten.