Puchheim Schlag auf Schlag

Das Bild trügt: Auch wenn der Puchheimer Uli Dichtl (rechts) hier trifft, musste er am Ende in seinem ersten Boxkampf von Stefan Woelke aus München so viel einstecken, dass er in der dritten Runde aufgab.

(Foto: Günther Reger)

Der FC Puchheim hat Boxen als Breitensport entdeckt. Das erste Turnier stößt auf großes Interesse. Das Publikum erlebt in der Halle des Gymnasiums 19 spannende Kämpfe. So mancher Teilnehmer muss dabei ordentlich Lehrgeld bezahlen

Von Karl-Wilhelm Götte, Puchheim

Uli Dichtl hatte sich schon wieder erholt. Eine Stunde zuvor stand er noch beim Breitensporturnier des FC Puchheim im Boxring. Erstmals hatte der Puchheimer drei Runden in seinem Leben geboxt und gegen Stefan Woelke vom BSC München verloren. "Der hatte hinten raus einfach mehr Power", gestand Dichtl seinem Gegner die Überlegenheit zu. Der Gegner schien auch erfahrener zu sein und war mit mehr Muskelmasse ausgestattet. "Ehe er mich umhaut, habe ich in der dritten Runde aufgegeben", meinte Dichtl, der auch als Abteilungsleiter der Puchheimer Boxer wirkt.

Dichtl ist 35 Jahre alt, sein Gegner war ein Jahr älter. Die Premiere des Breitensportturniers in der Gymnasium Sporthalle war gelungen. Erstaunlich wie viele Boxer und Boxerinnen in der sogenannten Mastersklasse über 35 Jahre in den Ring kletterten und sich einem Gegner oder einer Gegnerin stellten. 19 Wertungs- und Sparringkämpfe standen auf dem Programm. Alles wirkte sehr professionell. Im Boxring in der Mitte der Halle hätte auch ein Klitschko boxen können. Drumherum waren Ring- und Wertungsrichter des Bayerischen Amateur-Boxverbandes (BABV) tätig. Stefan Feldmeier vom BSC München hatte Mastersboxen in den USA beobachtet und einige Jahre beim BABV, in dem er selbst als Lehrwart fungiert, darum geworben, ehe sich Boxen als Breitensport durchgesetzt hat. "Hier in Puchheim haben wir jetzt unser erstes richtiges Turnier", frohlockte Feldmeier und dankte dem FC Puchheim unter dem Applaus der Besucher in der gut gefüllten Halle für die Ausrichtung der Veranstaltung. Feldmeier sicher: "Auch die Verlierer sind glücklich."

Es herrschte überall gute Laune in der Halle. Natürlich war es gewöhnungsbedürftig, wenn sich 50 Jahre alte Männer wie Johannes Lauer (MTV München) und Stefan Schremmer (BSC München) im Ring duellierten. Viele Boxer schnauften in der dritten Runde mächtig, aber auch gleichaltrigen Marathonläufern geht schon mal die Luft aus. Auch die Skepsis von Manfred Kaltenhäuser, dem langjährigen Boxchef von BC Piccolo Fürstenfeldbruck, vor dem Altherren-Boxen ist etwas gewichen. "Mir geht es um die körperliche Verfassung der Boxer", meinte Kaltenhäuser zweifelnd. Doch, was er bisher gesehen hatte, sei in Ordnung gewesen. Zumal die erfahrenen Ringrichter gut entscheiden könnten, wenn jemand körperlich am Ende ist. Er propagiere beim BC Piccolo jedoch das Boxenlernen mit Kindern und Jugendlichen. "Wir haben da ein mehrfaches Sicherheitssystem", erläutert Stojan Janowicz, Boxtrainer beim FC Puchheim. "Da ist zunächst die ärztliche Untersuchung, die sich jeder ältere Boxer für einen Kampfpass unterziehen muss. Dann kann der Ringrichter eingreifen und der Trainer kann das Handtuch werden. Aber auch der Boxer kann sagen, dass er aufhört."

Bernhard Kaul (BSC München) hat für seinen ersten Wertungskampf in seinem Leben in der Woche zuvor fünf Kilo abgenommen. "Da gab es nur noch Magerquark", erzählt der 39-jährige Münchner, der tagsüber sich um die Finanzen in einem Münchner Klinikum kümmert. Er hungerte sich auf exakt 88,7 Kilo runter, um noch im Schwergewicht und nicht im Superschwergewicht über 91 Kilo boxen zu müssen. Gestern hat er noch ein Steak als "Henkersmahlzeit", so Kaul, verdrückt. "Ich will mich mal messen", sagt Kaul vor seinem Kampf. Das technische Boxen findet er sehr interessant. Bisher habe er auch nur faire Kämpfe beobachtet. Thorsten Grimm, der Gegner vom FC Puchheim, ist ebenfalls 39 Jahre alt. Ganz traurig war dagegen Brigitte Fuchs. Für die 38-jährige Münchnerin fand sich in der Gewichtsklasse bis 57 Kilo keine Gegnerin an diesem Nachmittag. "Ich bin so gut vorbereitet", erzählt sie betrübt. Uli Dichtl stand weiterhin im Mittelpunkt des Interesses. Ständig wurde er angesprochen, wie es ihm ergangen ist. Sein Fazit: "Dreimal zwei Minuten waren viel länger als gedacht."