Puchheim Salat vom Gemeinschaftsacker

Die Schüler der Schule Süd haben sich schon mal Gedanken über eine "essbare Stadt" gemacht. Ihre Zeichnungen sind zum Auftakt ausgestellt.

(Foto: Günther Reger)

In Puchheim startet das Projekt "Essbare Stadt". Auf öffentlichen Flächen werden Beerensträucher gepflanzt und Gemüse angebaut - ernten darf jeder

Von Heike A. Batzer, Puchheim

Äpfel und Beeren einfach von Bäumen und Sträuchern pflücken, Salat und Kräuter aus dem öffentlichen Hochbeet ernten: Die Idee, in der Stadt Areale zu reservieren, auf denen Lebensmittel gedeihen können, die dann allen zur Verfügung stehen, will Puchheim nun umsetzen. Zur Auftaktveranstaltung des Projekts "Essbare Stadt" kamen am Sonntag mehr als hundert interessierte Bürgerinnen und Bürger ins Kulturzentrum. Zwar fehlte Bürgermeister Norbert Seidl (SPD), der beim Neujahrsempfang 2015 mit den launigen Worten "Grün geht auch mit Rot" für das Projekt geworben hatte, bei der Begrüßung, weil er nebenan in der Auferstehungskirche einen Gastauftritt als Kanzelredner hatte. Doch sein Stellvertreter Walter Zöller (CSU) setzte das Werben fort: "Es ist ein Anfang, den wir machen sollten."

Erste Vorarbeiten sind schon erledigt, eine Projektvorbereitungsgruppe hatte überlegt, mit welchen Aktionen man eine "essbare Stadt" herstellen möchte. Am schnellsten umsetzbar würde das Anpflanzen von Sträuchern mit essbaren Früchten und das Anlegen von Kräuterbeeten sein, erläuterte Manfred Sengl, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat und Mitglied der Projektvorbereitungsgruppe: "Gärtnern muss nicht teuer sein, wenn man Flächen zur Verfügung hat." So wüchsen hinter dem Haus Elisabeth bereits Beerensträucher, weitere sollen im Wäldchen am Büchlweg, am Carl-Spitzweg-Ring und am Libellenweg gepflanzt werden und an der Tannen-/Lagerstraße sollen zwei große Kräuterspiralen entstehen. Die Puchheimer Landwirte wollen einen Selbsternte-Acker am Büchlweg anlegen, von dem jeder Gemüse holen und dieses in einer Box bezahlen kann, ähnlich wie dies bei Blumenfeldern der Fall ist. Auch an das Pflanzen von "Geburts- oder Hochzeitsbäumen" ist gedacht, aus denen später eine Streuobstwiese werden soll. Weitere Ideen sind Bewohnergärten beispielsweise in der Planie, ein Bürgergarten, wie es ihn schon in Gröbenzell gibt, Bürgeräcker, auf denen die Puchheimer ihr Gemüse selbst anbauen und auch selbst ernten, oder sogenannte Big Bags: unterschiedlich große Säcke aus stabilem Kunststoffgewebe, die mit Erde gefüllt und mit Gemüse und Kräutern bepflanzt werden können und, weil sie "sehr schön sichtbar im öffentlichen Raum seien" wie jene drei vor dem Quartiersbüro in der Adenauerstraße, auch als Symbol taugten, erläuterte Sengl weiter. Das Projekt solle allen offen stehen und auch der Integration dienen.

Freilich gab und gibt es Zweifel. Der eine oder andere sei misstrauisch, daran hatte Zweiter Bürgermeister Zöller zuvor erinnert: "Ich stecke Arbeit und Geld rein, und ein anderer erntet meinen Salat". Doch solle das Projekt auch zeigen, "dass eine Gemeinschaft ohne Kontrolle funktionieren kann". Vieles müsse man eben erst ausprobieren, ergänzte Sengl, deshalb sollen nach dem erfolgten Einsetzen erster Beerensträucher in den vergangenen drei Monaten die vielfältigen Aktionen nun mit Beginn der Gartensaison starten. Der Schwerpunkt liegt dabei im städtischeren Puchheim-Bahnhof, in Puchheim-Ort gibt es bereits zwei Sonnenäcker, und "viele Leute haben dort ihre eigenen Gärten", sagte Sengl. Berücksichtigt würde auch, dass manche Altlastenfläche in Puchheim-Süd nicht als Standort in Frage komme. Die Hochschule München wird das Projekt, das jenem der Stadt Andernach am Mittelrhein nachempfunden ist, wissenschaftlich begleiten.