Puchheim Run auf neunjähriges Gymnasium

Das Gymnasium Puchheim beteiligt sich als einziges Gymnasium im Landkreis an dem Modellversuch.

(Foto: Günther Reger)

In Puchheim startet im Herbst ein Modellversuch mit einem Zusatzjahr in der Mittelstufe. Er stößt auf unerwartet großes Interesse, 57 Prozent der Siebtklässler melden sich dafür an

Von Heike A. Batzer, Puchheim

Die Tendenz ist eindeutig: Viele Gymnasiasten möchten mehr Zeit zum Lernen. Dafür darf ihre Schulzeit am Gymnasium gerne auch wieder neun Jahre dauern. An der Puchheimer Schule wird das jetzt sichtbar. Mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent der Siebtklässler meldeten sich dort für die sogenannte Mittelstufe plus an, eine neue Idee aus dem bayerischen Kultusministerium, die Schülern erlaubt, die Jahrgangsstufen acht, neun und zehn in vier statt in drei Jahren zu absolvieren. Erfahrungen damit gibt es noch nicht. Puchheim beteiligt sich als einziges Gymnasium im Landkreis an dem Modellversuch.

Von Herbst an werden somit in Puchheim drei achte Klassen im neuen Mittelstufenzug gebildet und nur noch zwei in der klassischen G 8-Variante. Von den derzeit 127 Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern werden dann 72 nach dem neuen Modell unterrichtet. Die Schule konnte alle Bewerber für das Pilotprojekt aufnehmen.

Das Interesse habe "deutlich angezogen", erinnert sich Schulleiter Georg Baptist, seit bekannt geworden sei, dass mit der Mittelstufe plus auch eine Reduzierung des Nachmittagsunterrichts einhergehe. Das hatte das bayerische Kultusministerium zunächst so nicht kommuniziert. Baptist nennt das G 8 zwar eine "für eine Reihe von Schülern gute Schulform", doch wer auch noch mit der Pubertät zu kämpfen habe, für den sei die Mittelstufe plus wohl die geeignetere Form. Das Zusatzjahr bringe den Schülern "zusätzliche Reife". Aber auch jenen Schülern, die sprachlich, künstlerisch oder sportlich besonders begabt sind, könnte die Mittelstufe plus mehr Zeit verschaffen, um "sich ihren speziellen Begabungen zu widmen", heißt es in einem Schreiben der Schule.

Das Gymnasium Puchheim wurde als eines von 47 bayerischen Gymnasien für den auf zwei Jahre angelegten Schulversuch ausgewählt. Nach dem Start in diesem Herbst werden dann im darauf folgenden Schuljahr 2016/17 weitere achte Klassen als Mittelstufe plus beginnen. Statt 34 Wochenstunden, wie im G 8 die Regel, haben die Schüler der Jahrgangsstufen acht, neun und neun plus, wie sich das Zusatzjahr nennt, nur 30 Wochenstunden Unterricht, in der zehnten Klasse sind es dann 32. Mit Bestehen der zehnten Klasse erwerben sie die Mittlere Reife und können in die Qualifizierungsphase am Gymnasium eintreten, die dann am Ende der zwölften Klasse zum Abitur führt.

Nach Auskunft von Direktor Baptist kann seine Schule im neuen Schuljahr in der G 8-Mittelstufe als auch in der Mittelstufe plus beide Ausbildungsrichtungen (sprachlich und naturwissenschaftlich-technologisch) mit ihren vier Sprachenfolgen anbieten. Auch der zweisprachige Unterricht in Geografie und Geschichte ist für beide Bereiche sichergestellt. Im Laufe ihrer vier Mittelstufenjahre erhalten die Plus-Schüler gegenüber den G 8-Schülern etwa 20 Wochenstunden mehr Unterricht, die vor allem den Kernfächern Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und auch den Profilfächern des naturwissenschaftlich-technologischen Zweigs (Physik, Chemie, Informatik) zugute kommen sollen. Einige Nebenfächer aus den Klassen acht, neun und zehn werden in die zusätzliche Jahrgangsstufe neun plus verschoben.

Auch im Puchheimer Elternbeirat freut man sich, dass die Schule die neue Variante ausprobieren darf. "In der Unterstufe hat man schon das Gefühl, dass es eine gewisse Unzufriedenheit gibt", sagt Birgit Grimm, die Vorsitzende der Elternvertretung. Organisieren muss die Schule den mit der neuen Alternative verbundenen höheren Bedarf an Lehrerstunden allerdings "mit dem gleichen Budget wie das G 8", bemängelt Baptist.

Kaum Nachfrage gibt es hingegen beim sogenannten Flexibilisierungsjahr, das G 8-Schüler freiwillig in den Mittelstufenjahrgängen einlegen können, auch wenn sie die Klasse eigentlich bestanden hatten. An allen Landkreisgymnasien nutzen maximal eine Hand voll Schüler dieses Angebot. Wohl auch weil die Organisation eines Flexi-Jahres schwierig ist. Die Schüler würden zwar um bis zu sechs Wochenstunden entlastet, erläutert Baptist, diese Stunden lägen aber manchmal so ungünstig, dass betroffene Schüler dann beispielsweise Lücken im Vormittagsstundenplan, aber vollen Nachmittagsunterricht hätten.