Bürgeraktion Puchheim gegen Pegida

Pfarrgemeinden, Vereine, Verbände und Politiker rufen zur Lichterkette am 9. Februar auf. In diesem Sommer sollen die ersten Asylbewerber in die Stadt kommen.

Von Peter Bierl, Puchheim

Die erste Kundgebung im Landkreis gegen die Pegida-Bewegung findet in Puchheim statt. Dort rufen Pfarrgemeinden, Vereine und Kommunalpolitiker am Montag, 9. Februar, zu einer Demonstration für "Offenheit, Toleranz und Gastfreundschaft" auf. Geplant ist eine Auftaktkundgebung um 19 Uhr am Grünen Markt im Zentrum. Anschließend soll eine Lichterkette gebildet werden, die vom Denkmal "Nord-Süd-Durchblick" bis zum Mehrgenerationenhaus ZAP reicht.

Alle Bürger sind aufgerufen, mit Kerzen zu kommen. Die Lichterkette soll den Zusammenhalt auch insofern symbolisieren, als sie unter der Bahn hindurch die getrennten Ortsteile verbindet. Sobald die Kette steht, werden die Glocken der katholischen Pfarrkirche Sankt Josef für einige Minuten läuten. Im Anschluss an die Kundgebung laden die Organisatoren alle Teilnehmer zum Tee in den Pfarrsaal, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Idee entstand vor einigen Wochen, noch vor den islamistischen und antisemitischen Attentaten in Paris. Die Aktion richtet sich zwar gegen die Pegida-Bewegung, soll aber ausdrücklich ein positives Signal für das Miteinander sein. "Wir wollen nicht gegen etwas demonstrieren, sondern ein Zeichen für etwas setzen", betont Helmut Schnieringer, Pastoralreferent der katholischen Gemeinde in Puchheim. "Die schweigende Mehrheit ist gegen Pegida, äußert sich aber nicht. Darum wollen wir als eine pluralistische Gesellschaft in Puchheim zeigen, dass wir zusammengehören", erklärte Heidi Mixl, die frühere Sozial- und Kulturreferentin, der SZ.

Die Initiative geht von den fünf christlichen Gemeinschaften in der Stadt aus, dem katholischen Pfarrverband, der evangelisch-lutherischen Gemeinde, den Baptisten, der Evangelischen Gemeinschaft sowie der Vineyard Gemeinde. Zu den Unterstützern zählen laut Mixl der FC Puchheim, die Werbegemeinschaft Puchheim (WGP), der Kulturverein, das Jugendzentrum sowie die Volkshochschule. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) warb am Dienstag im Stadtrat für die Aktion.

Er erinnerte zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee an die Opfer des Nationalsozialismus und verwies auf die aktuellen Kriege und Bürgerkriege. Der Bürgermeister appellierte an alle Gruppen in der Stadt, sich an der Lichterkette zu beteiligen. "Es ist ein Signal, dass wir uns in Puchheim nicht auseinanderreißen lassen", erklärte Seidl am Mittwoch der SZ. "Ich wünsche mir, dass alle Verbände und Vereine dabei sind. Dass wir nicht nur beim Umzug zum Volksfest alle zusammen auftreten, sondern zeigen, dass uns das soziale Miteinander wichtig ist." Der Bürgermeister hat die Schirmherrschaft übernommen und wird bei der Auftaktkundgebung sprechen.

Seidl rechnet damit, dass im Sommer die ersten Asylbewerber in Puchheim ankommen. Die landkreisinterne Quote für die Kleinstadt liegt bei 160 Menschen, "die wollen wir auch einhalten", betonte der Bürgermeister. Bislang hat die Regierung von Oberbayern jedoch keine geeignete Unterkunft in Puchheim gefunden. Nach Angaben des Bürgermeister verhandelt die Regierung gerade mit den Eigentümern eines Objekts. "Es sieht gut aus", sagte er der SZ. Seidl rechnet damit, dass das Haus umgebaut werden muss und irgendwann zwischen Juli und September die ersten Flüchtlinge einziehen werden.

Die Pressesprecherin der Regierung bestätigte, dass es telefonische Gespräche über eine Immobilie von einem privaten Anbieter gegeben hat. Man habe um nähere Informationen gebeten und geraten, sich von den Bauaufsichtsbehörden die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit einer solchen Nutzung des Gebäudes bestätigen zu lassen.

Der Puchheimer Bürgermeister will im Rahmen seines Vorhabens, günstigeren Wohnraum zu schaffen, eine Unterkunft bauen, in der Flüchtlinge unterkommen können, deren Asylantrag angenommen wird. "Die brauchen schließlich auch eine Bleibe", sagte Seidl. Ein Grundstück habe die Kommune dafür bereits, den Standort wollte er jedoch nicht verraten. Für das Bauwerk lägen bereits erste Skizzen vor, aus denen nun in konkrete Pläne entwickelt werden sollen.