Puchheim Der lange Weg zur Sprache

Mohamed Bakar aus Somalia kann nun Deutsch. Claudia Frodien und Herbert Kränzlein gratulieren.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

20 Puchheimer Asylbewerber haben erfolgreich einen durch Spenden finanzierten Deutsch-Kurs absolviert

Von Felix Reuß, Puchheim

"Ich liebe Deutsch lernen", sagt Destiny Ose, nachdem er sein Kurszertifikat entgegengenommen hat. Damit haben er und 19 andere Asylbewerber, die in Puchheim untergebracht sind, ihren ersten Deutschkurs abgeschlossen, sie beherrschen jetzt das Grundsprachniveau A1.

Dies ist auch offiziell anerkannt, denn der Kurs wurde von einer Dozentin der Volkshochschule geleitet. Anja Giese ist stolz auf ihre Schüler, die sich zwar in Herkunftsland und Alter unterscheiden, jedoch in ihrem Bestreben, Deutsch zu lernen, vereint sind. Da ist ein syrisches Ehepaar, eher zurückhaltend und jeden Satz der Dozentin nachsprechend, oder eine Mutter aus Nigeria, die ihr neun Monate altes Baby mit in den Kurs gebracht hat und bemüht ist, neben der Tafel auch das Kind im Blick zu haben.

Dass sie nun endlich einige Sprachkenntnisse in ihrer vorübergehenden Heimat vorzuweisen haben, ist nicht selbstverständlich. Denn da etwa die nigerianischen Asylbewerber keine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung in Deutschland haben, dürfen sie die ohnehin überfüllten Deutschkurse der Stadt München nicht besuchen. So wurde auf Initiative der Geschäftsführerin Claudia Frodien 2014 eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um Unterricht wie Materialien zu finanzieren. Dabei fand sie Unterstützung in dem ehemaligen Puchheimer Bürgermeister Herbert Kränzlein, der als Schirmherr die Zertifikate übergab. Und der jetzige SPD-Landtagsabgeordnete Kränzlein hält fest: "Die staatlich organisierte Hilfe reicht nicht."

Der Deutschkurs bringe ihnen aber nicht nur Sprachkenntnisse, sondern eine Beschäftigung, meint Ose. Viele der Teilnehmer sind auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildung, doch stehen die Chancen nicht gerade gut. Mit ungewisser Zukunft und fehlenden Deutsch-Kenntnissen finden die Asylbewerber nur sehr schwer eine Stelle, also versuchen sie ihre "ungewollte" Freizeit mit anderen Aktivitäten zu füllen. Ose etwa geht oft spazieren und sieht sich die Gegend an und verbringt sehr viel Zeit mit Lesen und Schlafen. Gerne würde er den Kurs weitermachen, aber die Spendenaktion reichte bisher nur für die ersten sechs Monate. Schließlich muss nicht nur für den Dozenten, sondern auch für die Unterrichtsmaterialien und -räume gesorgt werden. Im umfunktionierten Klassenzimmer der Asylbewerberunterkunft in der Siemensstraße geht es recht lebhaft zu, wenn die 20 Kursteilnehmer sich nicht einig werden, an welche Stelle im Satz das Verb gehört. Die Diskussion dazu wird auf deutsch geführt.