Fremdenfeindliche Parolen Ausländerhass, aber auch Solidarität

Auch wenn sie nachträglich durchgestrichen wurde, ist die Aussage "Wollen kein Asylantenheim" eindeutig.

(Foto: oh)

Unbekannte reagieren auf die Unterbringung von Flüchtlingen in Puchheimer Schulturnhallen mit rassistischen Parolen, was zu einer Anzeige wegen Volksverhetzung führt. Asylhelfer und das Bündnis "Fürstenfeldbruck ist bunt statt braun" heißen die Bewohner dagegen willkommen

Von Peter Bierl, Puchheim

Die Unterbringung von Asylbewerbern in Turnhallen bringt den Puchheimern weiter Aufregung. Anwohner und Eltern sind empört. Auf Gehwege und Mauern wurden Parolen gesprüht. Das Bündnis "Fürstenfeldbruck ist bunt nicht braun" will die ersten Flüchtlinge empfangen, die vielleicht am Donnerstag eintreffen. Die Kommune sucht mit den Schulleitern weiter nach Lösungen für den Sportunterricht. Landrat Thomas Karmasin (CSU) musste im Stadtrat erklären, warum er die Hallen kurzfristig belegt hat.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Landrat, weil er auf der Sonderbürgerversammlung vor eineinhalb Wochen kein Wort dazu sagte, dass die Turnhallen von Gymnasium und Realschulen gebraucht würden, obwohl seine Mitarbeiter bereits an entsprechenden Pläne arbeiteten. Karmasin wies die Vorwürfe im Stadtrat zurück. Er möchte möglichst schnell Traglufthallen im Landkreis aufstellen. "Die Voraussetzung ist, dass wir Grundstücke kriegen, aber die Begeisterung über solche Hallen schießt nicht in den Himmel", sagte er.

Mancher Stadtrat möchte die Flüchtlinge am liebsten zu den Nachbarn abschieben. "Im Fliegerhorst sind doch viele Hallen von der Bundeswehr gar nicht belegt", meinte Michael Burkart (FW). Karmasin verwies darauf, dass die Kreisstadt ihre Aufnahmequote bereit übererfüllt und er keinen Einblick in die Verhältnisse der Bundeswehr habe. Günther Hoiss (CSU) fragte, ob man die Puchheimer Hallen, deren Dächer undicht sind, nicht wie in Olching zu Baustellen deklarieren könnte.

Der Puchheimer Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) erklärte, dass die Stadt mit der Aufnahme von 160 Menschen in einer Unterkunft im Gewerbegebiet ebenfalls ihre Quote erfülle. Der Helferkreis werde überfordert, wenn weitere bis zu 190 Menschen kämen. Die Situation schätzt Seidl als "extrem schwierig" ein. Karmasin argumentierte mit Terminschwierigkeiten, als es um eine Anwohnerversammlung ging. Die Kreisbehörde werde einen Brief an die Anwohner verteilen, erklärte er. Die Stadt Puchheim wird in der nächsten Woche selbst eine solche Versammlung organisieren, kündigte der Bürgermeister an.

Unterdessen schrieben Unbekannte in Puchheim auf Gehwege und Mauern Parolen gegen Asylbewerber. Auf dem Gehweg des Kreisverkehrs an FFB 11 und Nordendstraße stand "Asylantenflut stoppen" und "Wir wollen kein Asylantenheim" mit Kreide geschrieben, darunter der Hinweis auf die Neonazipartei "Dritter Weg", von der einige Aktivisten in Puchheim wohnen. Eine Bürgerin fotografierte Schmierereien, überschrieb sie mit "Nazis raus!" und "Refugees welcome!" und erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen Volksverhetzung.

Sowohl der Asylhelferkreis von Puchheim, als auch das Bündnis "Fürstenfeldbruck ist bunt statt braun" und der Kreisverband der Linken wollen die ersten Flüchtlinge begrüßen, die vielleicht an diesem Donnerstag oder erst am Montag eintreffen. "Wir werden wachsam sein, fremdenfeindliche Äußerungen nicht zulassen, übertönen und uns im Falle eines Falles den Rechten entgegenstellen", kündigte Margot Simoneit, die Kreisvorsitzende der GEW und Sprecherin des Bündnisses an.

Unterdessen gehen die Vorbereitungen weiter. Der geschäftsleitende Beamte im Rathaus, Jens Tönjes, berichtete dem Stadtrat von Ortsbesichtigungen mit Polizei und Feuerwehr. Der Asylhelferkreis bereitet sich auf die Ankunft vor. Ein Bürger wollte wissen, ob die Pausenhöfe abgeschirmt werden. Das sei Sache des Landratsamts, antwortete Tönjes. Von dem Vorschlag, einen Bauzaun aufzustellen, hält im Rathaus niemand etwas. "Das ist Ausgrenzung und hätte Gefängnischarakter", warnte Tönjes. Ein anderer Bürger wollte wissen, wie die Flüchtlinge vor Angriffen von Rechten geschützt werden. Ein Sicherheitsdienst mit jeweils sechs Personen werde rund um die Uhr im Einsatz sein, erklärte Seidl. "Lassen Sie uns ans Werk gehen und das gut hinkriegen" appellierte Tönjes an die Runde.