Ortsgeschichte Historisches Erbe mit Flügeln

Kreisstadt bekundet beim Bund grundsätzliches Interesse an bis zu sechs demilitarisierten Düsenjägern und Propellerflugzeugen. Die Exponate könnten nach Abzug der Luftwaffe an die Geschichte des Fliegerhorsts erinnern

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Sie heben längst nicht mehr ab, die auf Grünflächen im Fliegerhorst ausgestellten historischen Flugzeuge. Gleichwohl bieten die demilitarisierten Maschinen reichlich Zündstoff. Soll die Stadt bis zu sechs von ihnen nach dem Abzug der Bundeswehr erwerben - um mit ihnen auch in einer künftigen Siedlung an die Geschichte des Standorts zu erinnern? Oder handelt es sich bei ihnen um Relikte aus Zeiten des kalten Kriegs, die man lieber möglichst schnell verschrotten sollte?

CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Lohde hatte bereits im Juni 2015 eine Prüfung beantragt, ob Bruck zumindest für bis zu sechs dieser auf Sockeln aufgeständerten Flugzeuge ein Kaufinteresse beim zuständigen Bundesamt vorbringen sollte und sich dabei auf die von mehreren Teilnehmern einer CSU-geführten Fahrradexkursion durch den Fliegerhorst vorgebrachten Wünsche berufen. Weil der endgültige Abzug der Luftwaffe vom Standort Fürstenfeldbruck immer wieder nach hinten verschobenen wurde und mit ihm wohl vor 2023 nicht zu rechnen ist, kam die Sache mit dem an verschiedenen Standorten aufgestellten "historischen Erbe" erst jetzt wieder auf die Agenda des Konversionsausschusses. Der entschied mehrheitlich, bei den zuständigen Stelle ein "grundsätzliches Interesse" zu bekunden und auszuloten, was die Exponate sowie der laufende Unterhalt denn kosten würden. Völlig offen ist, ob die Stadt sich in der Folge dann wirklich für einen Erwerb entscheidet. Mit dem Vorstoß soll vermieden werden, dass die Flugzeuge bereits anderweitig veräußert oder auch verschrottet werden. Ulrich Schmetz (SPD) und Christian Stangl stimmten dagegen, weil sie Details über eine Einbindung in ein mögliches Museumsgesamtkonzept sowie eine Folgekostenabschätzung vermissen.

Den Düsenjäger Alpha-Jet setzten die Piloten des Jagdbombergeschwaders 49 in Bruck als Trainingsflugzeug ein. Dieses Exemplar steht seit 2002 neben der Durchfahrt zum Fahnensaal. Im Hingergrund links ist das weiß-blau gestrichene Mehrzweckflugzeug Fiat G.91 R/3 "Gina" zu sehen.

(Foto: Johannes Simon)

Früheren Schätzungen zufolge haben die ausgedienten Flugzeuge einen Materialwert von bis zu 30 000 Euro. Der Unterhaltsaufwand hängt maßgeblich davon ab, ob die Exponate weiter unter freiem Himmel stehen oder gemeinsam in einer Halle ausgestellt werden, was noch zu prüfen ist. Lohde sprach von einem sehr überschaubaren Aufwand und widersprach damit den von Klaus Wollenberg (FDP) vorgebrachten Bedenken, dies könne die Stadt in erheblichem Maße finanziell belasten.

Im Fokus stehen Flugzeugmodelle wie der Düsenjäger Alpha-Jet, der 2002 neben der Durchfahrt zum Fahnensaal seinen letzten Landeplatz auf einer Wiese gefunden hat und der von den Piloten des Jagdbombergeschwaders 49 früher in Bruck vornehmlich als Trainingsflugzeug eingesetzt worden war. Eng mit der Historie des Fliegerhorsts verbunden sind auch zwei Fiat-Flugzeug, darunter die G.91 R/3, die für die Waffenschule der Luftwaffe 50 eingesetzt worden war und mit einer weiß-blauen Sonderlackierung nebst Konterfei des einstigen Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß ausstaffiert worden ist. Bedeutsam sein dürften auch die Lockheed T-33 A, das erste Flugzeug der Bundesluftwaffe, sowie die Piaggio P 149D und die Republic F-84F. Ob diese über das Gelände verteilt bleiben oder zentral in einer Halle oder einem der vorhandenen Hangars abgestellt werden könnten, ist noch zu prüfen. Weitgehend als verzichtbar eingestuft werden hingegen Exponate wie die US-Jets Phantom oder Tornado sowie die entkernten Mittelstreckenraketen und Hubschrauber, die in Fursty gar nicht eingesetzt wurden.

CSU-Fraktionschef Andreas Lohde (Zweiter von rechts) und Fritz Aneder vom Historischen Verein (mit Fahrradhelm) im Juni 2015 vor der Republic RF-84 F, die seit 1967 an der großen Kreuzung im Fliegerhorst steht.

(Foto: OH)

Die von Lohde ins Gespräch gebrachten sechs Exponate stellen die Obergrenze dar, Andreas Ströhle (BBV) könnte auch gut damit leben, lediglich den in Bruck oft eingesetzten Alpha-Jet auszustellen. Ströhles Fraktionskollege Willi Dräxler hingegen wirbt durchaus dafür, mehr Flugzeuge zu erhalten: "Die gehören zur Brucker Geschichte." Erörtert werden soll nun auch das von Wollenberg angemahnte museale Gesamtkonzept für den Fliegerhorst sowie die mögliche Gründung eines Trägervereins. Dafür hatten sich am Rande der damaligen Fahrradexkursion auch Helmut Predeschly von der Interessengemeinschaft Fursty und Fritz Aneder vom Historischen Verein ausgesprochen. Predeschly hatte dafür geworben, die "Wiege der Luftwaffe" nicht nur in militärhistorischer, sondern auch in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht zu würdigen und ihre Bedeutung für die Stadt zu dokumentieren.