Olching Furcht vor dem Verkehrschaos

Bei der ersten öffentlichen Präsentation der Pläne für das neue Bahnhofsviertel zeigen sich viele Bürger kritisch

Von Julia Bergmann, Olching

Ein Projektor wirft das Bild einer modernen urbanen Kulisse an die Wand, im Zentrum steht ein gläserner Turm, dahinter Einkaufsläden, ein kleines Café, ein Spielplatz, geschäftiges Treiben. Während Stefan Strohmayr, der zuständige Planer für das künftige Olchinger Bahnhofsviertel, seine Konzepte am Montagabend zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert, wird es in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal im Kom unruhig. "Olching Arcaden" raunt eine Frau ihrem Begleiter gut hörbar zu. Ein Stichwort, das Bürgermeister Andreas Magg (SPD) anschließend aufgreift. Denn ein riesiger Shoppingkomplex, wie es ihn in Pasing oder Riem gibt, soll auf dem Areal rund um die Paulusgrube nicht entstehen. "Wir sprechen hier von einem Supermarkt mit einer Größe von 2000 Quadratmetern", betont er. Was sich nach viel anhöre, entspricht laut Magg einer Fläche von zwei kleineren Supermärkten. Auf keinen Fall wolle man entlang des S-Bahnhofs eine "Hauptstraße im Kleinformat", wie Magg betont. In dem laut Entwurf vorgesehenen markanten Gebäudekomplex direkt vor dem Zugang zur S-Bahn sollen neben einem Supermarkt noch einige kleinere Läden Platz finden sowie Geschäftsräume und Wohnungen für etwa 250 Menschen.

Es ist, wie der Bürgermeister betont, ein großes Projekt, das nun konkrete Züge annimmt. Eine Vision, die bereits mehrere Generationen alt ist. Dass die Planung für das brachliegende Gebiet um die Paulusgrube sich so lang hingezogen habe, sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Bahnhofstraße lange Zeit im Besitz der Bahn oder einer ihrer Tochterfirmen war. Mittlerweile gehöre nur noch das Bahnhofsgebäude der Bahn, aber auch dieses wolle die Stadt kaufen. Entsprechende Verhandlungen laufen und Magg zeigt sich zuversichtlich. Sollte es der Stadt gelingen, auch das letzte im Besitz der Bahn befindliche Grundstück zu erwerben, könnte die Umsetzung der Planung, wie sie an diesem Abend präsentiert wird, bald in greifbare Nähe rücken. Allerdings, das betonen sowohl Magg als auch Strohmayr, seien die Visualisierungen einzelner Gebäude, Cafés und Einrichtungen, die an den vielen Stellwänden im Raum präsentiert werden, bisher nur vorläufige Ideen. "Wir sind ganz am Anfang einer Entwicklung", sagt Magg. Die Entwürfe sollen lediglich einen Eindruck davon vermitteln, was im künftigen Bahnhofsviertel entstehen könnte.

Flaniermeile: Die neue Bahnhofstraße soll mit Einkaufsmöglichkeiten und Cafés zum Verweilen einladen. Simulation: Stadt Olching

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Neben einem markanten Gebäudekomplex, der mehrere Nutzungen in sich vereinen soll, ist die wohl größte Veränderung, die auf Olching zukommt, die Neuausrichtung der Bahnhofstraße, die künftig parallel zur Wolfstraße verlaufen soll. Die Straße führt künftig also direkt hinter den Häusern entlang, die an der Wolfstraße stehen. Eine bauliche Veränderung, in der Magg großes Potenzial sieht. Immerhin erlaubt sie es, dass sowohl Kolpingheim als auch die evangelische Kirche attraktive Vorplätze bekommen, die sich in Richtung Bahnhofstraße orientieren. Und noch eine Chance sieht der Bürgermeister. "Olching ist eine Stadt am Fluss", sagt Magg. Wahrnehmbar sei das im Alltag aber kaum. Durch neue Wegeverbindungen soll sich das ändern. Denn an den Schillersteg soll sich in Richtung Hauptstraße ein kleiner Park anschließen, der über eine geschwungene, begrünte Landschaftsbrücke mit der Paulusgrube verbunden wird. Kosten soll das Projekt laut Magg rund 100 Millionen Euro. Ausgaben, die die Stadt nicht stemmen kann. Man setzt auf einen Investor; durch städtebauliche Verträge will die Verwaltung sicherstellen, dass das Projekt dennoch nach Vorstellung der Stadt umgesetzt wird, wie Magg auf die Frage eines Besuchers hin erklärt.

Während das Publikum bei der Vorstellung der Pläne größtenteils aufmerksam und sachlich bleibt, entbrennt während der Fragerunde eine hitzige Debatte um die Verkehrsanbindung. Tatsächlich, so erklärt Magg, habe das Thema Verkehr die Verwaltung in der Vorbereitung am meisten Arbeit gekostet. Ein ausgeklügeltes Ampelschaltsystem soll dafür sorgen, dass der erwartete Verkehr optimal abgewickelt wird. Eine Tiefgarageneinfahrt gleich am Anfang der Bahnhofstraße soll Behinderungen durch parkende und haltende Kunden sowie S-Bahnnutzer im weiteren Verlauf der Bahnhofstraße vermeiden helfen. Außerdem soll auch unter dem kleinen Park in der Nähe des Schillerstegs ein Parkdeck entstehen. Neue Straßen, gar Umgehungsstraßen, wie sie einige Besucher sich wünschen, werden im Zuge des Projekts nicht entstehen, wie Magg betont. Baulich ist Olching durch Gewässer und die Bahnlinie dafür zu stark begrenzt. "Mit der bestehenden Kreuzung zwischen Haupt- und Bahnhofstraße muss man den Verkehr sinnvoll abwickeln können", sagt er und löst damit bei einigen Besuchern Unmutsbekundungen aus. Viele klingen aufgeregt, als sie ihre Befürchtung vorbringen, durch den neuen Supermarkt, durch die Läden, die dazugehörigen Kunden und auch noch die Busse könne ein regelrechtes Verkehrschaos entstehen. Eine Mehrbelastung für die Nebenstraßen soll es nicht geben. "Das wird funktionieren, entsprechende Gutachten haben wir vorliegen", verspricht Magg. Die Besucher bleiben skeptisch.

Eine geschwungene Landschaftsbrücke soll die Verbindung zum Mühlbach stärken. Simulation: Rakete GmbH

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Bis das Projekt fertiggestellt sein wird , werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Die Olchinger Stadtverwaltung rechnet aber mit einem Baubeginn bis zum Jahr 2020. Während der einen Monat dauernden frühzeitigen Beteiligung, die mit der Informationsveranstaltung am Montag begonnen hat, wird der Entwurf im Foyer des Rathauses ausgelegt. Anregungen, Kritik oder andere Stellungnahmen können in dieser Zeit eingereicht werden und werden schließlich von der Stadt geprüft.