Neuer Verbund macht's möglich Direkter Draht zur Bücherei

Die Bibliotheken in Fürstenfeldbruck, Puchheim und Eichenau bieten über ein gemeinsames Internetportal eine Online-Ausleihe an. Bücher oder Filme werden bei Erreichen der Nutzungsfrist automatisch deaktiviert

Von Peter Schelling

Für drei öffentliche Bibliotheken im Landkreis hat vor wenigen Tagen ein neues Zeitalter begonnen. Bei den Stadtbüchereien in Fürstenfeldbruck und Puchheim sowie der Gemeindebücherei in Eichenau ist seit dem vergangenen Donnerstag über das Internetportal www.digibobb.de die Online-Ausleihe von digitalen Büchern, Hörbüchern, Zeitschriften, Zeitungen und Filmen möglich. Insgesamt neun kommunale Bibliotheken - neben den drei genannten auch noch Gauting, Gräfelfing, Neubiberg, Oberhaching, Unterhaching und Ottobrunn - haben sich dafür zu einem Verbund zusammengeschlossen. Nächstes Jahr im Sommer wird die Stadtbibliothek Germering dazustoßen, sofern der Stadtrat zustimmt.

Auf die wachsende Zahl von E-Book-Besitzern reagieren die kommunalen Büchereien und bieten nun auch die Ausleihe online an.

(Foto: dpa)

Die Online-Ausleihe von Medien, darüber sind sich die Leiter und Mitarbeiter in den Bibliotheken seit langem einig, wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. "In Bayern ist das etwas zögerlich angelaufen, andere Bundesländer sind da oft schon viel weiter", sagte Ute Palmer-Horn, die Leiterin der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in München, bei der Vorstellung des neuen Projekts in der Aumühle, wo seit vielen Jahren die Fürstenfeldbrucker Stadtbibliothek untergebracht ist. Deren Leiterin Diana Rupprecht warnte ausdrücklich davor, hier den Anschluss zu verlieren: "Die Bibliotheken müssen auf die einschneidenden Veränderungen im Medienmarkt reagieren, um ihren Stellenwert als kompetente Mediendienstleister vor Ort zu sichern." Die Stadtbibliothek in Fürstenfeldbruck verfügt derzeit über rund 64 000 Medien, weitere 2500 stehen ab sofort auch noch online zur Verfügung. Auch Gisela Lehner, Leiterin der Bücherei in Eichenau, nennt gute Gründe dafür, bei dem Projekt mitzuwirken. "Gerade für uns als kleine Bücherei", sagte Lehner, "ist es eine Chance, das Angebot deutlich zu erweitern und auch noch den Service zu verbessern. Neue Räume und mehr Personal für längere Öffnungszeiten könnten wir kaum finanzieren."

Nutzen kann das Angebot der Digitalen Bibliothek Oberbayern (Digibobb) jeder, der bei einer der beteiligten Büchereien registriert ist. Er muss nur die Nummer seines Benutzerausweises und ein Passwort eingeben und kann dann auf das gesamte Angebot zugreifen - sofern es gerade verfügbar ist. Denn ähnlich wie bei einer konventionellen Ausleihe können auch die digitalen Medien gerade an einen anderen Nutzer verliehen sein. Dann besteht immerhin die Möglichkeit, sich kostenlos vormerken zu lassen. Der große Vorteil der Online-Ausleihe: Nach Ablauf der Ausleihfrist, die zwischen vierzehn Tage für Bücher und einer Stunde für Zeitungen betragen kann, verfällt die Lizenz automatisch. Der Bibliothekskunde muss sich um keine Rückgabe mehr kümmern. Genutzt werden kann das Angebot mit den meisten E-Book-Readern, Smartphones, Tablet-Computern und ganz normalen PCs.

Rund 60 000 Euro haben die Träger der neun Bibliotheken, die an dem Verbund beteiligt sind, bislang für die Einrichtung der "Onleihe", für den Medien-Erstbestand und für die Öffentlichkeitsarbeit investiert. Mit mindestens 25 000 Euro jährlich soll das digitale Medienangebot in den nächsten Jahren laufend aktualisiert und erweitert werden. Zuständig dafür ist die Firma DiViBib GmbH, die neben der Einrichtung der Onleihe und der Pflege der Internetseite auch die Lizenzverhandlungen führt - was nicht ganz einfach ist, weil viele Verlage fürchten, dass sie durch das nahezu kostenlose Online-Angebot der Büchereien zwar Lizenzgebühren erhalten, selbst aber auch weniger Medien verkaufen. Dennoch gehen die Leiter der Bibliotheken davon aus, dass ihr Online-Sortiment rasant wachsen wird. "Jährlich kommen etwa 9000 Titel hinzu, aus denen wir auswählen", sagte Diana Rupprecht.

Dass die Nachfrage nach digitalem Lesestoff ständig größer wird, davon ist ohnehin auszugehen. Rund elf Prozent der Bundesbürger, also mehr als acht Millionen Menschen, geben schon jetzt an, regelmäßig zum E-Book zu greifen, auch wenn es, im Gegensatz zu einem richtigen Buch, nicht wirklich greifbar ist. Das sind doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Eine Bedrohung für die Printmedien sehen die Bibliothekare darin nicht - obwohl die Ausleihzahlen in den Büchereien derzeit stagnieren, wie Ute Palmer-Horn von der Landesfachstelle bestätigt. Vor allem im Bereich der Geisteswissenschaften bleibt das gebundene Buch nach wie vor gefragt. "Nietzsche geht elektronisch nicht so gut", so eine Münchner Bibliothekarin, die schon Erfahrungen mit der Online-Ausleihe gemacht hat.