Musikkabarett Echte Wirtshausretter

Weil es in Bayern kaum noch echte Wirtshäuser gibt, haben "Knedl & Kraut" einfach immer ihr eigenes dabei. Es ist eine Bretterbude, die dafür besonders gemütlich eingerichtet ist.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Trio "Knedl & Kraut" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wichtigste bayerische Institution zu erhalten - mit viel Humor. Die Besucher auf dem Mammendorfer Volksfest sind begeistert

Von Manfred Amann

Mammendorf - Der bayerische Defiliermarsch erklingt im Mammendorfer Volksfestzelt und etwa 600 Besucher klatschen, jubeln, pfeifen und geben damit zu erkennen, dass sie bereit sind für ordentliche Lachmuskelstrapazen und für exzellente, manchmal recht schräge musikalisch-gesangliche Raritäten und Experimente. Doch statt des Aufmarsches von "Knedl & Kraut" verkündet pathetisch eine nahezu himmlische Stimme aus dem Hintergrund, was die Musikkabarettisten an diesem Abend vorhaben: "Wir wollen bayerisches Kulturgut erhalten, das sich im Absterben befindet". Und dann kommen sie, der Juri (Lex), der Viel-Instrumenten-Virtuose aus Niederbayern, der Sprach- und Stimmakrobat Daniel (Neuner) aus Garmisch und der Toni aus Partenkirchen, der 1996 auf der Diatonischen die Weltmeisterschaft gewann und seitdem "international musikalisch unterwegs" ist.

Noch recht bedächtig ziehen die drei in der "Kleidung der Urväter" in ihr ländliches "Wirtshaus to go" auf der Bühne ein. Im Prinzip ist dies eine einfache Bretterbude, aber eine "sau-gemütlich" eingerichtete, mit Reh-Gwichtl und Schützenscheiben an den Wänden und einem Jogl-Tisch, an dem meistens nur zwei sitzen, weil der dritte gerade Possen und Witze reißt und mit nicht nachsprechbaren Wortspielen Verwirrung stiftet, oder landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten wie der Sense, der Säge oder einem nahezu zahnlosen "Paradontose-Rechen" harmonische bis ohrenbetäubende Melodien entlockt. Auf dem Holzverschlag beruht auch der Werbespruch von Knedel & Kraut, die einzige Musikgruppe zu sein, die ihr Wirtshaus dabei hat, weil schon ein alter Spruch sagt: "Im Wirtshaus bin i wia z'Haus".

Daniel erinnert an frühere Zeiten, "als der Cheeseburger noch ein Kasbrot und das Bier noch ein Grundnahrungsmittel war, es keine Scheidungen gab, weil der Mann eh die meiste Zeit im Wirtshaus saß, und politische Entscheidungen am Biertisch ausgefochten wurden". Damit waren die Richtig vorgegeben und das Eis gebrochen für nahezu drei Stunden anspruchsvolle bis abstruse Unterhaltung, die das alltägliche Leben sowie das Verhalten der Menschen auf die Schippe nahm, stets mit Niveau und ohne Anstandsverletzung.

Es sind die vielen kleinen Spitzfindigkeiten und offensichtlich selbstverständlichen Handlungen und Reaktionen, die immer wieder zum lachen hinreißen, zum Beispiel, wenn Daniel beim Lied über die Liebe zum Schmalzler, ganz so, als wäre es ein Selbstverständlichkeit, sich den Tabak mit dem rot-weißen Fenstervorhang aus dem Bart wischt. Und natürlich begeistern auch Aussagen wie die, dass die bei einem Schweizbesuch entdeckten "Alpenkastagnetten" aus Holz sind, nämlich "aus Kirchbaum und Erdbeere".

Wichtig ist den drei Stammtischbrüdern, "des oide boarische Wirtshaus" so zu bewahren, wie man es von früher kennt. Vor nicht allzu lange habe es noch kein Wirtshaus- und auch kein Brauereisterben gegeben, "weil die Leute noch hineingegangen und auch lange geblieben sind", klärte Daniel auf. Für viele Junge seien die Burger-Tempel die einzigen Räume, in denen sie sich längere Zeit aufhalten. "Und weil ma im Wirtshaus über ois had redn kenna und ma beim Bier guat sinniern ko, hods a koane Depressionen ned gebn".

In Hochstimmung brachten die Musikkabarettisten das Zelt auch mit eigenwilligen Interpretationen bekannter Lieder wie "Lambada", urkomisch verzerrt" oder "The Typewriter", bei dem Daniel auf eine "Vorkriegs-Schreibmaschine" einhämmerte, dass die Bretterbude wackelte.

Volksfestreferent Manfred Heimerl war begeistert von der Stimmung und darüber, mit "Knedl & Kraut" eine gute Wahl getroffen zu haben. Man müsse sich immer wieder was einfallen lassen, um möglichst viele Menschen ins Festzelt zu bekommen, "dies ist auch diesmal wieder bestens gelungen", befand Heimerl zufrieden.