Mitten in Fürstenfeldbruck Wahlkampf der Pragmatiker

Der Wettstreit um das Amt des Oberbürgermeisters hat kaum Aufreger produziert. Ein paar Visionen zur Zukunft der Kreisstadt hätten ihm gut getan

Von Christian Hufnagel

An diesem Samstag geht in Fürstenfeldbruck ein Wahlkampf zu Ende, der thematisch keine großen Gegensätzlichkeiten und damit auch keine Aufreger brachte. Keiner der beiden Kandidaten will etwa auf dem Fliegerhorst-Gelände eine ökologisch-ästhetische Mustersiedlung errichten; einen Tunnel bauen, um den Verkehr aus der Stadt zu bekommen, oder eine multifunktionale Sportarena hinstellen, in der mit Eishockey, Handball und Fußball der professionellen Art die Massen angezogen werden. Nein, solche Träumereien haben die Bewerber um das Bürgermeisteramt nicht verbreitet. Martin Runge für Grüne und BBV sowie der CSU-Mann Erich Raff sind da nach langer kommunalpolitischer Erfahrung Pragmatiker genug, als dass sie der Versuchung erliegen, mit spektakulären Wahlversprechen Stimmung und Stimmen zu machen.

So blieb als kleiner Aufreger nur ein wenig Wahlkampfgetöse übrig, für das ausnahmslos der CSU-Kandidat und derzeit amtierende Rathauschef sorgte: Ob er nun auf einem Plakat als Schiedsrichter das Finale gegen Gröbenzell anpfiff und damit seiner Warnung vor einer Übernahme von Bruck durch einen Fremden ein Bild geben wollte; ob er alle Rentner über 65 namentlich anschrieb und ihnen gegen jede Realität des ersten Wahlergebnisses für ihre Unterstützung dankte; oder ob seine Verwaltung zu Testzwecken über Stunden hinweg ein Balkendiagramm auf die Homepage der Stadt stellte, das unter der Rubrik "Schnellmeldung zur Stichwahl" ihren Chef als eindeutigen Sieger hervorgehen ließ.

All diese Vorfälle kann man als Missgeschicke abtun und ihnen so wenig Interesse schenken, wie es der Kontrahent tat. Aber sie offenbaren letztlich auch den Mangel dieses Wahlkampfes, dem ein wenig Visionäres vielleicht doch gut getan hätte, um der allgemeinen Hoffnung Nahrung geben zu können: Dass am Sonntag mehr Menschen zur Wahl gehen als die 45 Prozent des ersten Durchgangs; und dass die Fürstenfeldbrucker eben kapieren: Sie haben eine Wahl - immerhin zwischen zwei Politikern, die sich beide schon im Amt als stellvertretende Bürgermeister bewährt haben.