Mangel an bezahlbaren Unterkünften Lösungen über Gemeindegrenzen hinweg

SPD-Bürgermeisterkandidat Martin Eberl regt die Gründung einer interkommunalen Wohnbaugesellschaft an. Der Eichenauer könnte sich dafür Puchheim als Partner vorstellen

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Die Eichenauer Bevölkerung wächst, und das Durchschnittsalter der Bewohner wird immer höher. Dass auch in Zukunft Menschen nach Eichenau ziehen und alte Eichenauer in ihrer Heimatgemeinde bleiben können, das ist angesichts der steigenden Mieten und horrenden Baulandpreise in der etwa 12 000 Einwohner zählenden Kommune nicht so ganz sicher. Denn bezahlbaren Wohnraum zu bekommen oder schaffen zu können, ist besonders schwierig, wie sich bei einer Veranstaltung des SPD-Ortsvereins mit dem wohnungspolitischen Sprecher der SPD im bayerischen Landtag, Andreas Lotte, herausstellte. SPD-Bürgermeisterkandidat Martin Eberl setzt deshalb auf eine interkommunale Wohnbaugesellschaft, die Eichenau zusammen mit der Nachbargemeinde Puchheim gründen könne. Mit einem solchen Schritt würde die Gemeinde in den Wohnungsmarkt eingreifen und günstigere Wohnungen anbieten.

"Man muss sich das Wohnen in Eichenau auch leisten können", sagte Martin Eberl auf der ersten einer Reihe von Veranstaltungen seiner Partei im Bürgermeisterwahljahr. Als Wahlkampfveranstaltung wollte der 41 Jahre alte Ortsvorsitzende und Kandidat den moderierten Vortrag am Montagabend indes nicht verstanden wissen. Allerdings gehört das Thema zu einer der zentralen Forderungen in seinem Programm für die Wahl am 19. Juni.

Eberl weiß aus eigener Erfahrung, wie sich die Preise in Eichenau in den vergangenen Jahren entwickelt haben. In seiner Nachbarschaft, erzählt er, seien die Immobilienpreise um 50 Prozent gestiegen. Weil Eichenau praktisch kein Bauland mehr habe und keines ausgewiesen habe, seien die Preise gestiegen und hätten Spekulanten angelockt. Eberl berichtete von Ackerflächen, die parzellenweise zum Kauf angeboten würden in der Hoffnung, dass dort einmal Baurecht geschaffen werden könnte. "Wer dort investiert, setzt sein Geld in den Sand", sagte Eberl und erklärte, dass die Gemeinde nicht vorhabe, dort Bauland auszuweisen.

Beim Thema Wohnungsbau wird nach gemeinsamen Lösungen gesucht.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Dennoch möchte er als Bürgermeister darauf hinwirken, dass im Ort wieder mehr gebaut wird. "Wir wollen mehr Wohnungen, wollen den grünen Charakter nicht zerstören und auch keine sozialen Brennpunkte schaffen." Nachverdichtung ist dabei das Schlagwort, das Eberl und auch der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Lotte meinen. Große Grundstücke, auf denen nur ein Haus steht, nutzen, um vielleicht noch eins unterzubringen oder komplett neu zu bauen. "Der Trend geht weg vom Einfamilienhaus hin zu Geschosswohnungsbau", stellte Lotte vor den Zuhörern in der Aula der Starzelbachschule fest. Die Menschen wollten beim Wohnen mehr Service: "Sie wollen sich nicht um das Schneeräumen und das Putzen kümmern, wollen, dass ein Hausmeister da ist."

Geschosswohnungsbau ist auch das, was Eichenau nach Ansicht Eberls vertragen würde. Für am besten hält er es, wenn sich die Gemeinden, in denen ähnliche Probleme herrschten, zusammentäten. Das unterstützt auch Andreas Lotte: "Die Gemeinden sollten durch gemeinwohlorientierte Preise die Grundstücke beziehungsweise Wohnungen verkaufen. Oder gleich selbst bauen.

Die Gemeinden, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete und frühere Puchheimer Bürgermeister Herbert Kränzlein, sollten auf dem seiner Meinung nach teilweise nicht mehr funktionierenden Wohnungsmarkt im Großraum München selbst aktiv werden und eine vorausschauende Wohnungsbaupolitik betreiben. Dabei weiß er auch: "Bezahlbarer Wohnraum entsteht nur, wenn er subventioniert wird." Die von der SPD im Kreistag geforderte Wohnbaugesellschaft für den Landkreis sei abgelehnt worden. Landrat Thomas Karmasin (CSU) habe "seine Aufgabe verkannt, wenn er sagt, ich baue doch keine Wohnungen für Münchner".

Einer Meinung mit SPD-Bürgermeisterkandidat Martin Eberl (Mitte) sind die SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Lotte und Herbert Kränzlein.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Gerade wegen des enormen Drucks, der auf dem Großraum München laste, müsse es zu mehr Wohnungsbau in der sogenannten Metropolregion München kommen. Damit sind Städte und Gemeinden gemeint, die wie Augsburg, Ingolstadt oder Bad Aibling außerhalb des Speckgürtels Münchens liegen. Kränzlein rechnet in den kommenden zehn Jahren mit 300 000 neuen Einwohner in dieser Region, für alle müssten schnelle Verbindungen und eine funktionierende Infrastruktur geschaffen werden.