Mammendorf Zu wenig Platz für Gärreste

Die Biogasanlage beim Weiler Egg versorgt 1800 Haushalte mit Strom und 3500 mit Wärme.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mamendorfer Biogasanlage muss Lagerkapazität erhöhen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Die Groß-Biogasanlage südlich von Mammendorf beim Weiler Egg muss aufgrund der seit einem Jahr gültigen Novellierung der Düngeverordnung die Lagerkapazität für flüssige Gärreste von derzeit sechs auf neun Monate ausweiten. Um der Vorgabe gerecht werden zu können, plant die Betreiberfirma Abel Retec, einen weiteren Gärrestbehälter zu errichten. Da auf dem Betriebsgelände dafür aber kein Platz mehr vorhanden ist, soll das Lagerbehältnis auf der Fläche entstehen, die nördlich der Anlage eigentlich für eine Erweiterung der dort bereits Strom erzeugenden Fotovoltaikanlage reserviert ist. "Um den weiteren Betrieb zu ermöglichen", wie Bürgermeister Heckl (Bürgergemeinschaft) in der jüngsten Ratssitzung begründete, hat der Gemeinderat nun beschlossen, möglichst zügig den Bebauungsplan für das Sondergebiet entsprechend zu ändern.

Im Hinblick auf Fragen, die erfahrungsgemäß wegen der Belastungen mit Lieferverkehr von Grüngut und Abfuhr von Gärresten als Dünger mit großen Transportfahrzeugen zu erwarten sind, weist der Betreiber ausdrücklich darauf hin, dass mit dem Bau des zusätzlichen Lagerbehälters "keine Kapazitätserweiterung der Anlage" verbunden ist, sondern man lediglich der neuen Lagervorschrift nachkommen wolle. Es werde keine zusätzlichen Emissionen und auch nicht mehr Verkehr geben. Der Platz für den etwa 14 Meter hohen Gärrestebehälter wurde laut Antrag so gewählt, dass er möglichst nahe am Waldrand steht und somit "kaum eine Fernwirkung" hat, also das von weitem einsehbare Landschaftsbild ebenso wenig stört wie die bereits bestehenden Lagergebäude der Anlage. "Zur Absicherung", damit wassergefährdende Stoffe nicht in die Umgebung gelangen, wird um den Lagerplatz ein etwa zwei Meter hoher Wall gezogen, der auf Wunsch der Unteren Naturschutzbehörde als "Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in die Natur" und um das Landschaftsbild zu verbessern mit Bäumen bepflanzt werden soll. Ferner wird von den Naturschützern gefordert, Magerrasenbestände zu entwickeln und die bestehenden Ausgleichsmaßnahmen durch die Rodung von Birken, durch eine "weitere Abmagerung durch Oberbodenabtrag" sowie durch die "Anpassung und Verbesserung des Pflegekonzeptes" aufzuwerten.

Die 2010 geplante und 2013 fertiggestellte Biogasanlage an der Gemeindegrenze zu Jesenwang läuft seit etwa vier Jahren im Vollbetrieb. Da Probleme mit der technischen Vorrichtung zur Reinigung des Biogases auf "Erdgasqualität", das man ins Erdgasnetz einspeisen kann, aufgetreten waren, konnte die Anlage zuvor nur begrenzt betrieben werden. Die Produktion von Biogas, das man wie Erdgas verwenden kann, ist das Besondere an der Anlage. Während bei herkömmlichen Anlagen das Biogas vor Ort in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird, um über einen Generator Strom zu erzeugen, wird in Egg das Biogas gereinigt und ins Erdgasnetz abgegeben. So besteht die Möglichkeit, an jeder anderen Stelle, direkt am Ort des Verbrauchs, Strom und Wärme zu erzeugen.

Während bei herkömmlichen Anlagen, die Wärme meist nur bedingt genutzt werden kann, kann die von erdgasähnlichem Biogas stammende Energie optimal verwertet werden. Als bekannt wurde, dass das Biogas aus Egg per Vertrag, also theoretisch, in Herzogenaurach abgezapft wird, um dort neben Strom auch eine Fernwärmeleitung speisen zu können, sorgte dies für Aufregung, da nach Ansicht mancher Bürger, das in Egg erzeugte Gas auch in der Region verwertet werden sollte. Mit dem Biogas aus der Anlage können circa 1800 Haushalte mit Strom und circa 3500 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Damit werden jährlich rund vier Millionen Liter Heizöl eingespart. Die Anlage verbraucht pro Jahr etwa 40000 Tonnen pflanzliche Rohstoffe, die aus einem Umkreis von 15 Kilometer von Landwirten angeliefert werden. Die Gärreste werden von den Lieferanten als Dünger verwendet und ersetzen teuren Kunstdünger.