Maisach Ein Rind im Dickicht

Mit Handschuhen und Schutzmasken ausgestattet arbeiten die Kinder in der Maisacher Unterführung.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Maisacher Grundschüler verwandeln die Bahnhofsunterführung in ein Wandgemälde

Von Ariane Lindenbach, Maisach

"Du musst immer schauen, dass du den gleichen Abstand hast." Philipp Kurz schüttelt die Spraydose. Klack klack klack. Dann drückt er auf den Sprühkopf, bewegt die Dose langsam waagerecht in gleichmäßigem Abstand zur Wand an der Bahnhofsunterführung in Maisach entlang. An dem Gemäuer erscheint ein gleichmäßiger dicker brauner Strich. Sebastian von der Grundschule Maisach beobachtet den erfahrenen Sprayer genau. Dann ist er an der Reihe. "Gar nicht schlecht", ermuntert Kurz den Schüler nach der ersten Linie. Dann arbeitet Sebastian sich oben und unten weiter. Die Fläche, die er braun grundieren soll, ist vielleicht zwei Quadratmeter groß.

Klack. Klack. Klack. Das typische Geräusch, das beim Schütteln von Spraydosen entsteht, ist an diesem Vormittag permanent in der Unterführung zu hören. Dazu kommen leichte Dämpfe von Lösungsmitteln. Denn Sebastian und Philip sind nicht die einzigen, die dort mit Spraydosen experimentieren. Ein Dutzend Menschen, vor allem Kinder, alle mit Schutzmasken im Gesicht und Gummihandschuhen ausgerüstet, sind voller Eifer dabei, den überdachten Teil des Tunnels auf der Westseite mit Farbe zu verschönern.

Es ist der erste Tag der Projektwoche an der Grundschule Maisach. Das Umgestalten der Bahnhofsunterführung zusammen mit den Estinger Graffitikünstlern Kurz, Gerald Jegal und Benni Knuth sowie dem Kunstmaler Stephan Juttner aus Mammendorf ist ein Teil davon. Insgesamt konnten die 360 Schüler aus 20 verschiedenen Angeboten auswählen, darunter Schattentheater, Nanas aus Pappmaché basteln oder aus einem abgetragenen Schuh ein Insekt. Juttners Frau Bea leitet den Kurs "Rhythmik in Bewegung", die Kunstpädagogin Karin Piede werkelt mit Speckstein. Wie Schulleiterin Christine Jung erläutert, bezahlt der Grundschulverein das Honorar für Karin Piede und das Ehepaar Juttner.

Die drei Graffitikünstler, die aus Esting kommen und dort bereits vor etwa fünf Jahren die S-Bahnunterführung umgestaltet haben, bezahlt die Gemeinde Maisach. Denn im Rathaus hatte man schon seit Längerem überlegt, wie man die Unterführung verschönern und sie zugleich vor Schmierereien bewahren kann. Als Bürgermeister Hans Seidl (CSU) das Projekt - also die Verschönerung der Unterführung durch Graffitikunst - vorstellte, argumentierte er auch mit den Erfahrungen, die andere Kommunen wie zum Beispiel Esting mit Schmierereien haben, seit bunte Graffiti die Wände ziert. "Seitdem ist das kein Problem mehr", hatte der Rathauschef den Gemeinderäten berichtet. Und sie offenbar überzeugt. Denn das Gremium billigte einstimmig den Auftrag an Jegal, Kuhn und Kurz. Knapp 10 000 Euro bezahlt die Gemeinde für diesen ersten, etwa 30 Meter langen Bauabschnitt, wobei mehr als die Hälfte für Material und vorbereitende Arbeiten durch den Bauhof zusammenkommen. Seitens der Gemeinde ist geplant, auch die anderen Teile der Unterführung durch das Trio verschönern zu lassen. Vorausgesetzt, dass der erste Teil gut ankommt und seine Aufgabe erfüllt, nämlich Schmierereien zu verhindern.

Und so kommt es, dass drei Sprayer und ein Kunstmaler gemeinsam mit einem Dutzend Grundschülern in dieser Woche jeden Vormittag von 10.30 Uhr an am S-Bahnhof zugange sind. Wie Kurz und Juttner erklären, geht es zunächst darum, den Kindern die richtige Technik beizubringen und damit dann den Untergrund zu gestalten. "Heute haben sie eine Einführung in die Spraytechnik bekommen", berichtet Juttner. So werde der Strich immer dicker, je weiter man die Dose von der Wand entfernt halte. Um einen möglichst dünnen Strich zu erhalten, sollte man die Dose etwas schräg halten und von oben sprühen, erläutert der Kunstmaler, der es spannend findet, einmal mit Kollegen einer ganz anderen Sparte zusammenzuarbeiten.

Bereits in der vorigen Woche haben die Künstler und die Kinder einen Entwurf erarbeitet. An der Wand links neben den ersten bunten Flächen hängt ein Blatt mit Bleistiftzeichnung. Zu sehen sind laut Juttner im Dickicht ein Heckrind, ein Flöte spielender Junge und ein paar weitere Tiere, etwa ein Hase. Die Tiere werden am Ende mit Schablonen aufgesprayt, Juttner zeigt zum besseren Verständnis einen Papphasen. Derweil hat Sebastian die mit Kreppband abgeteilte Fläche bereits halb eingefärbt. Da gibt ihm Kurz noch einen Tipp: "Du musst immer schauen, dass du locker in den Händen bleibst."