Löwen, Tiger, Elefanten Geprüfter Manegenzauber

Die Zirkusfamilie Frank und der Raubtier-Dompteur Christian Walliser hoffen auf ein erfolgreiches und möglichst von Protesten ungestörtes Gastspiel in Puchheim

Von Anna Blazek

Stefan Frank vom Zirkus Luna führt seine Elefantendame aus.

(Foto: Günther Reger)

Puchheim - Ein riesiges blaues Zelt steht seit Mittwochabend auf dem Puchheimer Volksfestplatz und wenn man die Ponys und Dromedare, das Lama und das Alpaka grasen sieht, meint man, dass ein ganz normaler Zirkus hier gastiert. Doch wenige Meter weiter zupft ein afrikanischer Elefant Blätter von einem Ast, zwei Bären tapsen durch ihr Gehege und neun sibirische Tiger und fünf Löwen streifen nervös durch ihre vergitterten Wägen. Bald ist Fütterungszeit, das wissen die Tiere genau. Die Familie Frank ist mit ihrem Zirkus Luna seit mehr als 40 Jahren auf Tour und bleibt bis einschließlich Montag in Puchheim. Dabei ist auch Christian Wallisers Raubtiershow, die Löwen und Tiger zeigt. Die Zusammenarbeit ist einmalig, nur in Puchheim treffen sich die Schausteller und gestalten eine gemeinsame Vorstellung.

Der Zirkus Luna wurde in der Vergangenheit von Tierschützern scharf kritisiert. Vor allem die Einzelhaltung der Elefantenkuh Benjamin und die zwei Bären waren verschiedenen Organisationen ein Dorn im Auge. Die Familie Frank kann die Anschuldigungen nicht verstehen, für sie ist die negative Berichterstattung mit Rufmord gleichzusetzen. Die Elefantenkuh sei nicht immer alleine gewesen, ihre Artgenossin vor einigen Jahren verstorben. Ihr "einfach einen neuen Elefanten dazuzustellen, ohne zu wissen ob dieser sich mit Benjamin verträgt" käme für die Franks nicht infrage. "Wir lieben unsere Tiere und behandeln sie gut", sagt Fernando Frank, Enkel des Zirkusgründers Walter Frank, der das Unternehmen noch immer führt. "Wir könnten die Tiere vom Gesetz her in viel kleineren Ställen unterbringen, aber das wollen wir nicht. Sie haben bei uns viel mehr Platz als vorgeschrieben."

Auch Christian Walliser versteht nicht, wieso die Haltung der Zirkustiere so harscher Kritik ausgesetzt ist. Kein Unternehmen der Welt würde so streng kontrolliert werden wie ein Zirkus, erklärt der 32-Jährige. Wenn etwas nicht stimme, würde der Zirkus zur Verantwortung gezogen werden. Vor allem Wanderzirkusse werden besonders oft kontrolliert, weil sie in verschiedenen Landkreisen unterwegs sind. Hans Werner Merk, Amtstierarzt für den Landkreis Fürstenfeldbruck, kann noch nicht sagen, ob das Veterinäramt den Zirkus kontrollieren wird. Es könne allerdings gut sein, dass jemand vorbeigeschickt werde. Ankündigen würden sie sich aber nie. Laut dem "Zentralen Zirkusregister", einer internen Plattform, in der die Amtsveterinäre einsehen können, wie die Kontrollen der Zirkusse in anderen Landkreisen ausgefallen sind, wurde der Zirkus Luna in diesem Jahr schon häufig kontrolliert. Laut Merk sieht es nicht so aus, als würde es im Fall einer Kontrolle Probleme geben.

Der Raubtierdompteur Walliser hingegen hat vor fast vier Jahren mit einem tragischen Unfall für Schlagzeilen gesorgt. Im Dezember 2009 war er während einer Vorstellung im Tierpark Hagenbeck gestolpert und in seine drei neu gekauften Tiger gestürzt, die ihn anfielen und lebensgefährlich verletzten. Das sei jedoch seine eigene Schuld gewesen, stellt der Dompteur klar, die Tiere hätten nichts dafür gekonnt, sondern reflexartig zugebissen.

Seine "Unfalltiger", wie er sie nennt, hat Walliser noch immer dabei, außerdem einige Jungtiere, die er zusammen mit seinem Ehemann und Showmoderator Jan von Hand aufgezogen hat. Jan Wallisers Unterarm ziert ein tiefschwarzer Schriftzug, "Montecor" steht dort. Das ist eine der Flaschenaufzuchten des Ehepaars. Sie würden ihre Raubkatzen sehr lieben und von klein auf ganz auf den Charakter abgestimmt fördern, sagt Jan Walliser. So sei Tiger Neomi temperamentvoll, ihre ruhige Zwillingsschwester Ashanty hingegen würde in der Manege viel schmusen. Bis Montag kann man die Vorstellung von "Zirkus Luna" und Wallisers Raubkatzen besuchen. Am Premieren- und Familientag an diesem Freitag zahlen Erwachsene in der Vorstellung um 16 Uhr Kinderpreise.