Legale Graffiti Erfolgreiche Prävention

In Germering haben Schüler Ende 2015 die Tiefgarage unter der Stadthalle gestaltet.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Projekte in Gröbenzell und Germering haben bereits funktioniert

Von Sabrina Küspert, Germering/Gröbenzell

Wer legale Flächen für Graffiti anbietet, nimmt den illegalen Sprayern ihre Motivation. Soweit die Theorie. Nach diesem Konzept finden momentan in Maisach und Eichenau Graffiti-Projekte statt. Doch ob dadurch tatsächlich die Anzahl der Sachbeschädigungen abnimmt, kann keiner der Organisatoren wirklich einschätzen. Erfahrungswerte liefern allerdings bereits umgesetzte Aktionen im Landkreis.

So wurde im Frühjahr 2010 beispielsweise die Fußgängerunterführung an der Olchinger Straße in Gröbenzell verschönert. Der professionellen Graffiti-Künstler Loomit arbeitete hier mit Schülern der Ährenfeldschule zusammen. Initiiert wurde das Projekt vom jetzigen Gröbenzeller Bürgermeister Martin Schäfer, der damals als UWG-Gemeinderat für eine Verbesserung des Stadtbildes sorgen wollte.

Die Unterführung schreckte Fußgänger nämlich nicht nur ab, weil sie dunkel und beklemmend wirkte. Am Boden lagen außerdem regelmäßig Scherben von zerschlagenen Flaschen. Die grauen Betonwände der Unterführung waren mit Schmierereien übersäht. "Schüler, die dort täglich durchgehen mussten, fürchteten sich davor", erzählt Bettina Betz, die mittlerweile Leiterin des Schulamts Fürstenfeldbruck ist. Damals war sie noch Direktorin der Ährenfeldschule und freute sich darüber, dass die Viertklässler in ihrer Freizeit bei der Graffiti-Aktion mitwirken durften.

Dafür wurde die Unterführung zuerst hell grundiert. Dann rückten die freiwilligen Helfer mit Spraydosen und Pinsel an, um ihre Ideen an die Wände zu sprühen. Seitdem ist dort eine strahlend grüne Landschaft zu sehen. Schmetterlinge und Bienen verstecken sich in Blumen und Büschen. "Heute noch erzählt mir mein mittlerweile 17-Jähriger Sohn, dass er damals genau diesen Baum gemalt hat", berichtet Betz. Doch das ist nur möglich, weil die Werke in der Zwischenzeit nicht von anderen Sprayern verunstaltet wurden. Laut Betz seien noch alle Motive erkennbar, sie wurden nicht großflächig übersprüht. "Lediglich kleinere Verschmutzungen sind zu sehen", erklärt sie. "Jedoch nehmen diese kleinen Schriftzüge dem Gesamtwerk nicht die Wirkung."

In Gröbenzell hat das Konzept also gut funktioniert. Und auch in Germering gibt es ein Erfolgsprojekt. Vor zwei Jahren wurden dort die Wände der Tiefgarage unter der Stadthalle besprüht. Schüler der Germeringer Eugen-Papst-Schule hatten dann mit ihrem Lehrer die beschmierten Wände übermalt. Auf über 200 Metern erstrecken sich seitdem dort die bunten Kunstwerke.

Am Anfang befürchtete man noch, alle zwei Monate kontrollieren zu müssen, ob andere Sprayer das Graffiti verunstaltet hätten. Doch tatsächlich musste bisher nichts ausgebessert werden. "Unser Punkt war ja, die Schmierereien in der Tiefgarage mit etwas Ordentlichem zu überdecken", erklärt Christian Jonczyk, der stellvertretende Leiter der Stadthalle. Es habe ihn sehr gefreut, dass die Werke der Schüler nicht übersprüht wurden. "Vielleicht war es auch einfach Glück, dass sich doch nur ein paar Wenige mit Edding dort verewigt haben, anstatt großflächig zu sprayen."

Und weil das Graffiti in der Tiefgarage so gut ankam, wird auch der Bühnenhof der Stadthalle gerade wieder mit bunten Malereien verschönert. Vor zwei Wochen begannen dort die Arbeiten. Jetzt hoffe man natürlich wieder darauf, dass auch diesmal niemand die Werke zerstört, sagt Jonczyk.