Kommentar Zwei Museen gehen nicht

Das Symposium zum Ort des Erinners an das Olympia-Attentat hat ein Defizit: Die Dauerausstellung der Stadt zur Geschichte des Fliegerhorstes wird komplett ausgeblendet. Dabei muss es beides geben, eine Gedenkstätte und einen Ort der historischen Aufarbeitung

Von Peter Bierl

Es war sinnvoll, zur Gestaltung eines Erinnerungsortes an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 ein Symposium zu veranstalten. Die Beiträge der Referenten waren informativ, anregend bis hervorragend. Sie zeigten, was zu bedenken ist, wenn sowohl eine Gedenkstätte als auch ein Lernort entstehen sollen. Deutlich wurde die Gefahr der Überfrachtung und Überforderung, wie der Verflachung und Legendenbildung.

Entgegen mancher Einlassungen in den politischen Statements zum Auftakt des Symposiums war die Geiselnahme kein Anschlag auf Deutschland. Die palästinensischen Terroristen wollten anderen Ländern nicht schaden, sondern Israel vernichten, wie einer der überlebenden Verbrecher erklärte. Sie haben Juden gemordet. Von einer Attacke auf die "Würde der olympischen Idee" kann obendrein nicht die Rede sein, weil diese zweifelhaft ist: Die Bundesrepublik wollte mit "heiteren Spielen" ihr Image aufpolieren, aber weder der deutsche Sport noch die Olympische Idee wurden entnazifiziert. Fackellauf und Nationalhymnen bei Siegerehrungen sind Erfindungen der Nazis. Avery Brundage wollte 1936 keinen Olympiaboykott, weil in Deutschland Juden verfolgt wurden, und sorgte als IOC-Präsident nach dem Anschlag von 1972 dafür, dass die Spiele weitergingen. Sein Nachfolger Jacques Rogge lehnte 2012 eine Schweigeminute für die Opfer von München bei der Eröffnungsfeier in London ab.

Das große Defizit des Symposiums war, dass das Projekt der Stadt, eine Dokumentation zur Geschichte des Fliegerhorstes zu entwickeln, nicht behandelt wurde. Im Unterschied dazu hat die Stadt im Vorjahr ein Kolloquium abgehalten, das inhaltlich offener und breiter angelegt war, kritische Aspekte nicht aussparte und vor allem die Gedenkstätte einbezog. Zwei Museen nebeneinander gehen nicht, es muss eine Gedenkstätte und einen Ort der historischen Aufarbeitung geben, zumal das blutige Ende der Geiselnahme Teil der Geschichte des Fliegerhorstes ist. Sowohl die militärische Anlage, die dem rassistischen Vernichtungskrieg des NS-Regimes diente, als auch der Anschlag von 1972 hatten internationale Bedeutung. Ein gemeinsamer historischer Bezugspunkt wäre jener Antisemitismus, der einst die Deutschen motivierte, ihre jüdischen Nachbarn zu ermorden und bis heute palästinensische und islamistische Terroristen antreibt.