Kommentar Vergangenheit gehäckselt

Warum die Debatte um NS-belastete Straßennamen in Fürstenfeldbruck längst zur Farce geworden ist

Von Peter Bierl

Die Debatte um NS-belastete Straßennamen in Fürstenfeldbruck ist längst eine Farce. Seit vier Jahren wird das Thema wie eine heiße Kartoffel im Stadtrat behandelt. Schuld daran sind nicht Hardliner wie Oberbürgermeister Erich Raff (CSU), der nichts an einem Julius Langbehn findet, der mit seinen Gewalt- und Mordphantasien zu den geistigen Wegbereitern der Shoa zählt, und schuld sind schon gar nicht jene Stadträte, die darauf beharren, dass Antisemiten und Nationalsozialisten keine Ehrung in Form von Straßennamen verdient haben. Schuld sind die Wetterfahnen, die bei jedem Gedenktag vor dem Mahnmal für die Opfer des Todesmarsches mit betroffenen Mienen aufmarschieren, aber keine Konsequenzen ziehen: Die NS-Verbrechen waren möglich, weil eine Mehrheit der Deutschen das Regime von Anfang bis zum Ende unterstützte, die Straßennamen symbolisieren die trotzige Weigerung der Nachgeborenen, sich damit auseinanderzusetzen.

Nach der Kommunalwahl von 2014 hätte man annehmen können, dass eine satte Mehrheit aus aufgeklärten Kräften in der CSU zusammen mit BBV, Grünen und SPD die Schilder ohne viel Federlesen abhängen würde. Stattdessen entdeckten einige BBV-Stadträte, dass nicht alles schlecht war an den Nazis: Hatte Wernher von Braun nicht die Apollo-Rakete gebaut und Willy Messerschmitt den Kabinenroller? Andere kuschten vor dem Zorn der Anwohner.

Der im Nachgang verklärte damalige OB Klaus Pleil duckte sich weg und reichte die Frage an die Anwohner weiter. Der Kulturausschuss und dessen Arbeitskreis schieben die Verantwortung seit Jahren hin und her und häckseln dabei das Problem klein. Nur noch sechs von 17 Namen sollen überhaupt ausgewechselt werden. Die Mitgliedschaft in der NSDAP ist längst kein Kriterium mehr. Weil dafür aber niemand so recht die Verantwortung übernehmen mag, sollen nun die Bürger Vorschläge machen, hinter denen sich der hohe Rat verstecken kann. Eigentlich sollten alle Schilder hängen bleiben, weil sie den Zeitgeist dokumentieren und aufgeklärten Menschen zur Warnung dienen können.