Jugendabteilung In Gefahr

Die Jugendarbeit des SC Fürstenfeldbruck, hier ein Bild von einem Talenttag, muss um ihre Qualität und ihren Fortbestand fürchten.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der SC Fürstenfeldbruck sorgt sich um seine Nachwuchsfußballer, sollte ein Insolvenzverfahren eröffnet werden

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Beim SC Fürstenfeldbruck werden Befürchtungen laut, wonach die Jugendfußballabteilung Opfer der finanziellen Probleme werden könnte. Sobald das Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnet würde, steht die Begleichung der Schulden und damit die Befriedigung der Gläubiger, wie es im Juristendeutsch heißt, im Zentrum. Dass dann noch Geld dafür da sein werde, um die Jugendtrainer zu honorieren, bezweifelt Jakob Ettner, der Vereinspräsident und Jugendleiter in einer Person ist. Oliver Schartl, der vorläufige Insolvenzverwalter, weist auf Anfrage der SZ darauf hin, dass die Zukunft der Jugendabteilung daran gekoppelt sei, wie es mit dem Verein weitergehe und ob der Verein weiter finanziert werden könne.

Der Sportclub Fürstenfeldbruck kämpft ums Überleben. Er hatte am 21. September Insolvenzantrag gestellt. Seither wird geprüft, ob tatsächlich ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden muss oder ob es eine außergerichtliche Lösung über einen Vergleich geben könnte. Diesen hatte Schartl vorigen Donnerstag bei einem Infoabend vor den Mitgliedern skizziert: Die Gläubiger - zuvorderst Finanzamt und Stadt Fürstenfeldbruck - würden dann auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das Geld sollen die ehemaligen Präsidiumsmitglieder der in der Betriebsprüfung beanstandeten Jahre 2010 bis 2013 als Schadenswiedergutmachung aufbringen.

Die Jugendabteilung hatte schon längere Zeit unter den finanziellen Problemen des Vereins zu leiden. Um diese zu lindern, hatte die Jugendabteilung in der Vergangenheit bereits mit 20 000 Euro ausgeholfen. Später wurde ein Treuhandkonto mit Spendengeldern, die in der Jugendabteilung zweckgebunden für den Kunstrasenplatz eingegangen waren, von den Gläubigern gepfändet. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens fürchtet der Verein auch deshalb, weil er zu Beginn des Jahres wieder seine Mitgliedsbeiträge einzieht. Jugendfußballer müssen beim SCF neben dem normalen Vereinsbeitrag zusätzlich 300 Euro im Jahr bezahlen. Dieser Spartenbeitrag, eingeführt Anfang des Jahrtausends, sollte dazu dienen, sich gut ausbildete Jugendfußballtrainer leisten zu können.

Die Jugendabteilung des SCF hatte sich in der Vergangenheit sportlich durchaus einen Namen gemacht und Nachwuchsfußballer aus der ganzen Umgebung angezogen. Sie ist noch immer einer von 45 bayerischen DFB-Stützpunkten. Immer wieder würden ihn Eltern aber jetzt ansprechen, "die sich Sorgen machen", sagt Ettner. Sie fragten auch danach, was denn aus dem Antrag der Mitgliederversammlung geworden sei, der das Finanzamt aufforderte, das frühere Präsidium in Haftung zu nehmen, falls es Pflichten verletzt habe.

Sportlich hat "ein mögliches Insolvenzverfahren für Jugendmannschaften keine Auswirkungen", teilt währendessen die Pressestelle des BFV auf Anfrage mit. Im Gegensatz zur ersten Männermannschaft: Die stünde bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens als erster Absteiger aus der Fußball-Bezirksliga Süd in die Kreisliga fest - ungeachtet ihres tatsächlichen Tabellenplatzes. Das ergibt sich aus § 67 der Spielordnung des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Ein solcher Abstiegsautomatismus "verstößt zwar nach unserer Rechtsauffassung gegen die Insolvenzordnung", erläuterte Oliver Schartl vorige Woche beim Infoabend. Versuche man das aber mit dem BFV zu diskutieren, "stößt man auf taube Ohren".