Hilfe für Lehrlinge So tickt der Chef

Die Azubi-Akademie des Bundes der Selbständigen will Soft Skills vermitteln. Die Themen reichen von Streitkultur über den korrekten Kundenkontakt bis zum Umgang mit dem Geschäftsführer

Von Stefan Salger

- Über ausreichende Fachkenntnisse, gutes Deutsch und das Beherrschen der Grundrechenarten hinaus sollten Berufseinsteiger mehr mitbringen. Nur wer auch gut mit Kunden und dem eigenen Chef umgehen kann sowie kritik- und teamfähig ist, der dürfte bestens gerüstet sein für den Job. Und weil für die Vermittlung sogenannter Soft Skills und sozialer Kompetenz an den Berufsschulen in der Regel zu wenig Zeit bleibt, nehmen die Unternehmer die Sache selbst in die Hand: In Fürstenfeldbruck wurde am Donnerstag der Startschuss für eine sogenannte Azubi-Akademie gegeben.

Diese versteht sich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung der Berufsschulen, wie Ingolf Brauner, der Präsident des Bundes der Selbständigen in Bayern (BDS) am Donnerstag bei der Auftaktveranstaltung im Landratsamt erläuterte. Brauner ist selbst Chef einer Firma für Informationsmanagement in Landsberg und hat das Konzept 2006 gemeinsam mit einem befreundeten Unternehmer entwickelt. Mittlerweile gibt es bereits in zwölf Landkreisen solche Azubi-Akademien, die von rund 400 Lehrlingen im ersten, zweiten oder dritten Lehrjahr besucht wird. Landrat Thomas Karmasin sieht in der Initiative ebenfalls eine Möglichkeit, "über den Tellerrand hinauszuschauen", das "kreative Potenzial zu nutzen" und den Wirtschaftsstandort zu stärken. Vor allem die kleinen und mittelständischen Betriebe sollen damit die Möglichkeit erhalten, ihre Auszubildenden noch besser auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Große Unternehmen bieten den sogenannte "Betriebsunterricht" oftmals bereits in Eigenregie an.

Der Grundgedanke ist einfach, wie Markus Droth, BDS-Geschäftsführer und Brucker Stadtrat, erläuterte: Es ist ein Geben und Nehmen der Betriebe, die sich gar nicht erst von öffentlichen Fördermitteln abhängig machen sollen. Etwa zweimal im Monat - abwechselnd bei den teilnehmenden Betrieben - finden zwei- bis vierstündige Schulungen zu ganz verschiedenen Themenbereichen statt. Firmen, die eigene Azubis zur Akademie schicken, stellen im Gegenzug einen eigenen Dozenten für eine andere Schulungseinheit. Die Themen legen die Unternehmer selbst fest. Eine Vorschlagsliste des BDS, der bei der Organisation hilft, Materialien zur Verfügung stellt und auch Zeugnisvordrucke liefert, enthält Kurse wie "Der reklamierende Kunde", "Wie präsentiere ich mein Unternehmen", "Telefonunterhaltung in Englisch", "Körpersprache im Verkauf", "Fair streiten", aber auch Stressbewältigung, "Gefahren im Internet" und "Wie tickt ein Geschäftsführer".

Vor einer Gruppe von Unternehmern, die künftig selbst als Dozent auftreten werden, warb Brauner für die Akademie. Betriebe, die sich daran beteiligen, könnten damit auch ihr Engagement für eine fundierte Ausbildung zum Ausdruck bringen und damit auch bei der Suche nach geeigneten Bewerbern punkten.

Die Fürstenfeldbrucker Azubi-Akademie wird zunächst mit 42 jungen Teilnehmern starten, die aus 14 Unternehmen stammen und auf zwei Klassen aufgeteilt sind. Weiteren interessierten Betrieben soll auch nach dem Start des Schulungsjahres noch eine Teilnahme ermöglicht werden. Koordinatorin der BDS-Azubi-Akademie ist Ingrid Rothfuß aus Gilching, die unter Telefon 089/54056251 oder ingrid.rothfuss@bds-azubiakademie.de zu erreichen ist.