Grüner Wahlkampfauftakt Beschwingt gegen den Stillstand

Die Grünen starten am Aschermittwoch ihren Wahlkampf im Landkreis mit der Vorstellung ihrer Kandidaten und stimmen sich selbstbewusst auf einen Politikwechsel ein.

Von Erich C. Setzwein

Sie wollen im Herbst in die Parlamente: Die Grünen-Kandidaten Jan Halbauer (Bezirkstag), Beate Walter-Rosenheimer (Bundestag), Martin Runge (Landtag), Sylvia Huttenloher (Bezirkstag) und Detlef Däke (Landtag).

(Foto: Günther Reger)

Die einen streben nach 56 Jahren an der Macht erneut die absolute Mehrheit an, die anderen wollen sie daran hindern und glauben an den Politikwechsel. Die einen, das ist die CSU, das Feindbild der Opposition, die anderen, die Opposition, sind Martin Runge und Detlef Däke, Jan Halbauer und Sylvia Huttenloher. Die grünen Kandidaten für Landtag und Bezirkstag fühlen sich - auch aufgrund immer besser werdender Umfrageergebnisse in einer Hochstimmung, in der besten Form ihres schon drei Jahrzehnte dauernden Parteilebens. Zusammen mit der Bundestagskandidatin Beate Walter-Rosenheimer machten die Brucker Grünen und der Landsberger Stimmkreiskandidat Däke am Aschermittwoch in Olching Dampf bei ihrem Wahlkampfauftakt für Land und Bund. Nicht mit protzigen Reden wie am gleichen Tag in Passau, Vilshofen oder Landshut, sondern in der grünen-typischen Event-Art mit knackigen politischen Statements, einer Kabaretteinlage von Josef Brustmann und guten Gesprächen an kleinen Tischen im Saal des Kom.

"Wir sollten Chancen erkennen und nicht verpennen", rief die vor einem Jahr in den Bundestag nachgerückte Beate Walter-Rosenheimer ihren Parteifreunden zu. Die Chancen, wie sie Bezirkstagskandidat Jan Halbauer aufzählte, schauen seiner Ansicht nach auch gar nicht so schlecht aus. In einem der stärksten Wahlkreise der Grünen in Bayern mit "16 Prozent Stimmenanteil und damit nur drei Prozent hinter der SPD" könne und müsse man noch zulegen, sagte Halbauer. Denn nur mit "starken Grünen" oder, wie sich Martin Runge ausdrücke, "grün pur" sei ein Politikwechsel möglich. Die Grünen würden sich dabei mit den "Spezialdemokraten" (Runge) wohl eher auf eine Vernunftehe einlassen, um in Bayern mitregieren zu können. Dazu bräuchten sie nach bisherigen Umfragewerten jedoch auch noch die Freien Wähler, über die aber in Olching am Mittwochabend niemand ein Wort verlor.

Dafür war viel von politischen Inhalten die Rede. Und diese Inhalte sollten die Wähler nicht nur passiv aufnehmen. "Wir sind eine Mitmachpartei", sagte Däke. Bei Themen wie Flächenfraß, der sich laut Halbauer besonders im Landkreis Fürstenfeldbruck bemerkbar mache, könne man ansetzen. In einem so dicht besiedelten Landkreis wie dem Brucker werde es mit den Grünen keine neuen Wohngebiete geben, sagte Halbauer. Die CSU aber, so Runge, überarbeite derzeit den Landesentwicklungsplan, "der nichts mit Landesentwicklung zu tun hat", die schwarz-gelbe Koalition bringe dabei die Energiewende nicht voran, sie lasse Supermärkte auf der grünen Wiese zu und sei für die dritte Startbahn am Münchner Flughafen. Für den Ausbau der S-Bahn aber werde nichts getan, kritisierte Runge und sprach dabei direkt seinen CSU-Gegenkandidaten Reinhold Bocklet an, der sich als "Verteidiger der Röhre" geriere, aber nichts voran bringe. "Das ist ein schwerer Schaden für Steuerzahler und Fahrgäste im Landkreis", sagte Runge, der auch die SPD wegen ihres Festhaltens an der zweiten Stammstrecke und einer neuen U-Bahnlinie von Nord nach Süd nicht ungeschoren ließ.

Im Sozialen steht es nach Ansicht der Grünen ebenfalls nicht zum Besten. Sylvia Huttenloher, die für den Einzug in den Bezirkstag kämpft und dieses Gremium in seiner Bedeutung für verkannt hält, machte deutlich, wie wichtig es sei, die Pflegebedingungen zu verbessern. Gerade weil sie als Sozialpädagogin Einblick habe, müsse sich etwas in den Heimen tun. Das sei aber in den von "schwarzer Übermacht besetzten Gremien" derzeit nicht möglich. "Die müssen weg", sagte Huttenloher.

Beate Walter-Rosenheimer, die vor einem Jahr in den parlamentarischen Betrieb in Berlin eingetaucht ist und seither landauf landab immer wieder auftaucht sowie von ihren politischen Erlebnissen und Ergebnissen berichtet oder es auch online verbreitet, sprach von einem "schwarz-gelben Gestümper", das ihr "unerträglich" sei. Schwarz-Gelb bedeute Stillstand, sie aber wolle in einer gerechten Gesellschaft leben und deshalb kämpfe sie unter anderem für die Lohngleichheit von Frauen und Männern. "Bei den anderen geht es um Kurse und Zahlen, bei uns geht es um Menschen", sagte Walter-Rosenheimer. So wie sie es vorlebt und ihre Arbeit per Internetpräsenz oder in sozialen Netzwerken öffentlich macht, so soll auch die Politik der Zukunft aussehen, findet die Politikerin. Online-Übertragungen aus Gemeinde- und Stadträten würden die junge Generation möglicherweise leichter an politischen Entscheidungsprozessen teilhaben lassen. "Wir wollen die Jugendlichen da abholen, wo sie sich am meisten aufhalten, nämlich im Netz." Und Walter-Rosenheimer erinnerte die Parteimitglieder und Gäste im Kom daran, was die Grünen seit jeher nicht nur in Wahlkämpfen predigen: "Wir wollen einen neuen Politikstil mit mehr Transparenz."