Gröbenzell/Olching Der Sommer der Stechmücken

Das Klima fördert in diesem Sommer die Vermehrung der lästigen Plagegeister besonders.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Trotz Beschwerden lehnt es der Gröbenzeller Bürgermeister kategorisch ab, die Blutsauger wie in der Nachbarstadt Olching mit Gift zu bekämpfen. Als bester Schutz vor der Plage gilt eine intakte Umwelt

Von Gerhard Eisenkolb, Gröbenzell/Olching

"Meine Kinder sehen aus wie Streuselkuchen", hat kürzlich Inga-Verena Wiebers (SPD) in der Gemeinderatssitzung geklagt. Was ihre Kinder zu Streuselkuchen macht, sind unzählige Mückenstiche. Auch eine andere Gröbenzeller Mutter hatte sich wegen der Mückenplage an einen Gemeinderat gewandt, weil sie ihre Kinder nach 17 Uhr nicht mehr aus dem Haus lässt, sonst würden sie völlig zerstochen. Wiebers wollte von Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) wissen, ob die Gemeinde nicht etwas gegen die Plagegeister unternehmen könnte. In anderen Gemeinden sei das ja der Fall. So gibt es in Olching die als Bürgerinitiative organisierte "Interessengemeinschaft Schnakenbekämpfung", die mit freiwilligen Helfern den Wirkstoff Bti ausbringt, der aus dem Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) gewonnen wird und den Darm der Tiere zerstört.

Der Bti-Einsatz ist unter Naturschützern umstritten. "Ich werde nicht spritzen", erklärte Schäfer denn auch unbeeindruckt von den Beschwerden kategorisch. Zudem darf das Anti-Stechmücken-Mittel nicht flächendeckend ausgebracht werden. Zulässig ist der Einsatz nur an überschwemmten Mulden und Tümpeln ohne Ablauf. In anderen Gewässern, so die Begründung für die strengen Auflagen, gebe es genügend Tiere, die die Larven einfach fressen. Laut Auskunft aus dem Olchinger Rathaus ist in diesem Jahr bereits einmal eine Sprühaktion der Olchinger Anti-Schnaken-Initiative an Tümpeln und Weihern in den Amperauen erfolgt. Das ist jedoch nur erlaubt, wenn die freiwilligen Helfer der BI, zuvor eine Mindestzahl von gezählten Larven gemeldet hat.

Da die Amper zurzeit relativ wenig Waser führt, und die Brutstätten in den Amperauen kaum überschwemmt sind, hat laut der Olchinger Rathausprecherin Julia Henderichs die Belästigung durch die Blutsauger "noch kein exorbitantes Ausmaß" angenommen. Beschwerden von Bürgern gibt es auch noch keine. "Es gab schon schlimmere Sommer und es gab Sommer, in denen es angenehmer war", umschreibt Peter Andreas Schenk-Crusius, der Mann der Sprecherin der Interessengemeinschaft Schnakenbekämpfung Heidi Crusius, die aktuelle Situation.

In der Gröbenzeller Kreuz-Apotheke sind zurzeit vor allem Mittel gegen Juckreiz nach Mückenstichen der Renner. Wie Inhaberin Angelika Biegholdt am Freitag auf SZ-Anfrage erklärte, sei die Mückenplage Ende Mai, Anfang Juni extrem gewesen. Bis etwa zum Beginn der Pfingstferien seien Abwehrmittel gegen die Insekten sehr stark nachgefragt worden. Mit dem schönen Wetter habe die Plage "plötzlich und stark" eingesetzt, was die Apothekerin auch darauf zurückführt, dass Gröbenzell in einem ehemaligen Moos liegt. Inzwischen sei es wieder etwas besser. Rudolf Summer, der Leiter des Brucker Gesundheitsamts, berichtet denn auch, in diesem Sommer ungewöhnlich häufig von Hausärzten gehört zu haben, dass Patienten nach Mückenstichen ihre Praxen aufgesucht hätten. Bei Menschen, die allergisch gegen Stichen sind, schwelle die Wunde stark an. Summer rät, eine solche Wunde zu desinfizieren und bei allergischen Reaktionen kühlende Umschläge und eine Salbe aufzubringen. Mücken könnten ja alles mögliche übertragen, auch wenn das im Landkreis keine sehr große Rolle spiele. Mücken stürzen sich laut Summer vor allem auf die Menschen, die für sie "angenehm riechen". Auf diesem Prinzip beruhten die Abwehrmittel. Helfen könne es auch, lange Kleider zu tragen, Mückengitter anzubringen und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Ungewöhnlich viele warme Tage mit vergleichbar viel Niederschlag sind ideale Bedingungen für die Vermehrung von Steckmücken. Weshalb Biologen in diesem Juli und August mit besonders vielen der Blutsauger rechnen. Für die Gröbenzeller Umweltreferentin Monika Baumann (Grüne) ist der beste Schutz vor Stichen immer noch eine intakte Umwelt. Die Mücken seien in den Griff zu bekommen, solange es Vögel und Fledermäuse gebe. Mit der Vernichtung der Insekten würden auch Vögel und andere Insektenvernichter sterben, meint die Grüne. Deshalb rät die am Ammersee tätige Initiative "Mückenplage nein danke" dazu, rund ums Haus Brutkästen aufzuhängen.

Ähnlich argumentiert auch Bürgermeister Schäfer. "Ich bin grundsätzlich gegen das Ausbringen von Gift gegen Tiere, die eine Nahrungsquelle für andere Tiere sind", sagt er. Und er verweist darauf, dass jeder Hausbesitzer dazu beitragen kann, dass Mückenbrutplätze verschwinden. Stechmücken legen ihre Eier in jedem Wasserfass wie in einer Pfütze ab. Und der Rathauschef findet, dass in Olching die Situation trotz der Bekämpfungsmaßnahmen auch nicht besser sei als in seiner Gemeinde.