Gröbenzell Schäfer will kein "Gestöpsel"

Etwa 120 Gröbenzeller waren ins Freizeitzentrum gekommen, um sich über die Rathaus-Planung zu informieren.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bürgermeister Martin Schäfer erläutert das Vorgehen beim Rathausneubau. Die Bürger wollen dabei mehr mitreden

Von Karl-Wilhelm Götte, Gröbenzell

Ganz schön ins Schwitzen haben etwa 120 Besucher Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer gebracht. Bei seiner Informationsveranstaltung zum Rathausneubau ließen ihn Fragen, wie etwa "Was machen Sie, wenn das neue Rathaus mehr kostet, so wie beim Berliner Flughafen?", leicht ungehalten reagieren. "Veranschlagter Baupreis mal drei wie beim Berliner Flughafen wird es nicht geben", bekam Gabriele Koch von Schäfer zur Antwort. Die Finanzierung hatte Schäfer als durch die Rücklagen gesichert dargestellt, man werde keinen Kredit benötigen. Neben dem Finanzaufwand für das Rathaus ging es auch um das notwendige Maß an Bürgerbeteiligung.

Verkündet wurde bei der Veranstaltung, dass sich 44 Architektenbüros um die Teilnahme am Architektenwettbewerb beworben hatten. Fünf Planungsbüros waren von den Fraktionen im Gemeinderat gesetzt worden, weitere 25 hat Projektsteuerer Peter Kellerer nach der europaweiten Ausschreibung ausgewählt. Alle erhalten den Wettbewerbstext, der am 17. März vom Gemeinderat beschlossen werden soll. Wenn die Entwürfe eingereicht sind, tagt im Juli ein Preisgericht, dem sieben Architekten als Fachpreisrichter und sechs Gemeinderäte als Sachpreisrichter angehören und das zunächst fünf Vorschläge auswählt. Aus diesen geht der Sieger hervor.

Die 30 nun beteiligten Wettbewerber mussten ihre Tauglichkeit zunächst mit Referenzobjekten nachweisen. "Sie sollen einen Umbau des alten Rathauses oder einen Neubau in ihre Ideen miteinbeziehen", sagte Kellerer zu den Vorgaben. Die beinhalten auch 47 Büroräume und 380 Quadratmeter für den Sitzungsbereich samt Trauungszimmer. Gebaut werden soll, so der Zeitplan, am bisherigen Standort in den Jahren 2018 und 2019.

"Man könnte doch den benachbarten Kindergarten verlegen", schlug Monika Baumgartner in der Diskussion eine Erweiterung der Planungsfläche vor. "Das kommt nicht zum Tragen", antwortete Schäfer prompt. Es bestünden langfristige Verträge mit der Evangelischen Kirche, die man einhalten müsse. Klaus Martin bemängelte das Raumkonzept, dass nicht zulasse, dass die VHS ins Gebäude einziehe. "Wir können froh sein, wenn wir unsere gesamte Rathausverwaltung dort unterbringen", erwiderte Schäfer und lehnte ein "Gestöpsel" mit zusätzlichen hundert Quadratmetern ab.

"Wir planen zwei Stockwerke, vielleicht in einem Trakt drei", antwortete Bauamtschef Günter Pauly auf die Frage von Klaus Müller, der scherzhaft meinte, dass vielleicht über die nahe Kirchturmspitze hinaus geplant werde. Edeltraud Mierau-Bähr (Agenda 21) und Thomas Decker (Freie Wähler) kritisierten, dass dem Realisierungswettbewerb kein städtebaulicher Ideenwettbewerb vorangegangen ist. "Man vergaloppiert sich", so Decker. "Das Rathaus soll an dieser Stelle bleiben", trug Pauly die einhellige Meinung des Gemeinderates vor.

Als Baumgartner aus dem Wahlprogramm von Schäfers Partei UWG aus dem Jahre 2008 zitierte und die dort erwähnte und die jetzt angeblich fehlende Demokratie und öffentliche Kontrolle einklagte, musste der Bürgermeister spürbar die Contenance wahren. "Natürlich werden die Bürger miteinbezogen. Keiner weiß was, stimmt nicht", erwiderte Schäfer und fügte noch hinzu: "Auch Gemeinderäte sind Bürger."