Gröbenzell Homerun in der Wildmooshalle

Zum Baseball-Jugendturnier der "Banditen" kommen namhafte Teams aus ganz Süddeutschland. Den Gastgebern bleibt da nur das Nachsehen. Mit besserer Nachwuchsarbeit und neuem Trainer soll sich das bald ändern

Von Karl-Wilhelm Götte, Gröbenzell

Die kleinsten Baseballer zwischen fünf und sieben Jahren haben das Privileg, dass der Ball dem schlagenden Spieler nicht zugeworfen wird, sondern dass sie ihn von einer festen Auflage in Bauchhöhe herunterschlagen dürfen. Einige der kleinen "T-Baller" haben auch dann noch Mühe, den Ball zu treffen. 400 Kinder und Jugendliche mit 48 Mannschaften haben beim "Golden Ball", einem großen Jugendturnier der heimischen "Bandits" aus Gröbenzell in allen Wildmooshallen zwei Tage lang für ein riesiges Gewusel gesorgt. Insgesamt wurden 230 Spiele ausgetragen.

Die "Banditen" sind in erster Linie gute Gastgeber. 50 Helfer garantieren einen reibungslosen Ablauf, die Wanderpokale für die Turniersiege räumen andere Klubs ab. Das hat auch mit dem momentan spärlichen Zulauf von Gröbenzeller Kindern zum Baseball zu tun. "Da hängen wir zurzeit etwas durch", bestätigt Chris Matern, Abteilungsleiter beim örtlichen Baseballklub. Matern, 29, ist seit 15 Jahren im Verein und spielt in der Herrenmannschaft der "Bandits". Die ersten beiden Turnierspiele bei den Schülern und im Jugendwettbewerb bis 16 Jahre gehen jeweils hoch verloren. Auch danach wird es nicht besser. Am Ende bleiben mit Platz 14 und 18 nur die letzten Ränge für die "Bandits". "Bei der Jugend hatten wir nur fünf Spieler, einer fehlte da", berichtet die Vereinsfunktionärin Eva Schmitz. So mussten einige Kinder aus der Schülermannschaft im Jugendteam aushelfen und doppelt antreten. Trotzdem lässt sich Sonja Kirschner nicht unterkriegen. Die 15-jährige Realschülerin spielt seit drei Jahren leidenschaftlich gerne Baseball. "Da ist immer Action", schwärmt sie über ihren Sport, auch wenn es bei diesem Turnier für die "Bandits" nicht zu gewinnen gibt.

Gefragt sind Treffsicherheit und Durchschlagskraft: Ein Spieler der Bandits Gröbenzell nimmt den Ball ins Visier.

(Foto: Günther Reger)

Allein die Montur der Baseballer ist sehr speziell. Ihre Shirts haben alle dicke Aufschriften ihrer Klubs - häufig mit den martialischen Namen nach US-amerikanischem Vorbild. "Grizzlies" und "Hurricans" oder "Legionärs", "Boars" und "Pirates" ist da zu lesen. Auch die Kleinsten sind nie ohne Baseball-Kappe anzutreffen. Einige Kinder tragen stolz ihren Schläger im Rucksack herum. Tim Rudolph und Max von Homberg gehören den Stuttgart "Reds" an. Die beiden Elfjährigen machen sich nach zwei deutlichen Auftaktsiegen Hoffnung auf den Turnersieg in der Schülerkategorie - den "Golden Ball". Max hat Baseball in den USA gelernt, Tim ist schon seit fünf Jahren bei den "Reds". "Fußball habe ich probiert, hat mir aber keinen Spaß gemacht", sagt Tim Rudolph. Baseball sei sein Sport. In Stuttgart können sie sich über zu wenig Nachwuchs nicht beklagen. "Bei uns spielen etwa hundert Kinder", erzählt Trainer Markus Weil. Jede Altersklasse außer den Junioren ist mit Mannschaften doppelt besetzt.

Die Schüler-"Reds" müssen in den Finalspielen noch die Gauting "Indians" und die Ulm "Falcons" passieren lassen und sich mit Rang drei begnügen. Dafür gewinnen die Stuttgarter den Golden Ball in der Jugendklasse und verweisen zwei Regensburger Teams auf die Plätze. Für den Zuschauer geht es bei den Duellen zweier Teams, die jeweils 20 Minuten dauern, alles rasend schnell. Ziel ist es, den Ball möglichst schnell so in der Ecke der Hallenwände zu platzieren, dass die gegnerische Mannschaft ihn nicht fangen kann und der Batter, der Schläger, ungehindert zum ersten Mal laufen kann. Kommt er ganz herum, gibt es einen Punkt. Einen Punkt gibt es aber auch, wenn der Batter hinten in der Einfachhalle das Basketballbrett trifft. Dieser Treffer wird als Homerun gewertet.

Die Zuschauer in der Wildmooshalle sehen guten Sport jenseits des gewohnten Fußball-Mainstreams.

(Foto: Günther Reger)

Die erfolglosen "Bandits" hoffen mit einem neuen Sportdirektor aus der Nachwuchsmisere herauszukommen. Die Gröbenzeller haben einen ehemaligen US-amerikanischen Profispieler aus Regensburg als Trainer verpflichtet. "Von ihm versprechen wir uns auch bei den Herren einiges", sagt Basketballchef Matern.