Germering Zeit-Seminar für Senioren

Als Rentner kennt Karlheinz Riepl die Probleme seiner Zuhörer aus erster Hand. Weil er lange im Personalmanagement gearbeitet hat, weiß er aber auch, wie man sie lösen kann.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Bei einem Vortrag erklärt ein Experte, warum ältere Menschen trotz freier Tage oft Probleme haben, diese zu strukturieren. Dann zeigt er mit praktischen Tipps, was man dagegen tun kann

Von Sabrina Küspert, Germering

Jeder fünfte Deutsche gehört zur Generation 65+ und ist damit Teil der knapp 17 Millionen deutschen Senioren. Nach dem Ende ihres Arbeitslebens haben etliche Menschen jedoch ein Problem: Sie können sich ihre Zeit nicht mehr richtig einteilen. "Viele stehen in der Früh auf und wissen erst einmal nicht, was sie machen sollen", erklärt Helga Renz, Vorsitzende des Seniorenbeirats Germering. "Dann fällt ihnen etwas Wichtiges ein, aber es ist schon Nachmittag und sie selbst sind dann zu träge, um es umzusetzen." Um hierfür eine Hilfestellung zu geben, hat der Seniorenbeirat die Veranstaltung "Sinnvolle Zeitgestaltung - Ein Vortrag für Senioren" organisiert. Als Gastreferent dieser Veranstaltung war Karlheinz Riepl von den Aktivsenioren Bayern in den Germeringer Zenja-Saal eingeladen.

Riepl selbst ist Senior aus dem Landkreis Starnberg und kennt die möglichen Probleme bei der Zeitplanung. Früher hatte er einen Job im Personalmanagement. Daher beherrscht er methodische Hilfen und praktische Tipps, wie eine richtige Planung den Alltag erleichtern kann. Das Programm, das er in seinem Vortrag vorstellt, hat er speziell auf die Rahmenbedingungen der Senioren zugeschnitten: "Meine Tipps ergeben sich für Normalos, also Berufstätige, meistens von selbst. Aber im Alter ist man eben geistig und körperlich nicht mehr so fit wie früher."

Etwa 20 interessierte Senioren sind gekommen, um Riepls Vortrag zu hören. "Eigentlich ist das Thema ein Widerspruch in sich. Ein Rentner hat ja wirklich ausreichend Zeit", stellt er am Anfang fest. Aber ihm gehe es nicht darum, ein paar Minuten am Tag einzusparen, sondern die Zeit so zu nutzen, dass man als Senior Stress vermeidet. Eine gesunde Zeiteinteilung könne dabei helfen, körperliche und geistige Defizite zu überbrücken. Dazu müsse aber jeder seinen eigenen Biorhythmus kennen. Generell sei man von neun bis elf Uhr am leistungsfähigsten. "Nehmen Sie sich die harten Nüsse, wie ein Gespräch beim Finanzamt, am Vormittag vor", rät er daher. Nach dem Mittagessen käme das "Suppenkoma", weshalb sich viele Senioren dann für einen Mittagsschlaf hinlegen. Am Nachmittag habe man noch ein Zwischenhoch, das man beispielsweise für einen Zahnarztbesuch nutzen könnte. Selbstverständlich habe aber jeder seine individuelle Leistungskurve, nach der er seine Tagesaktivitäten planen sollte.

Mit solchen Beispielen verknüpfte Riepl Theorie und praktische Umsetzung. Er bezog das Publikum ständig in seinen frei gesprochenen Vortrag mit ein. Gut strukturiert stellte Riepl außerdem Methoden vor, die auch für jüngere Generationen hilfreich sind - zum Beispiel das Eisenhower-Prinzip.

Bei diesem ordnet man anstehende Aufgaben in vier Kategorien nach Wichtigkeit und Dringlichkeit ein. Eine Aufgabe, die wichtig und zugleich dringlich ist, wie "zu Abend Essen", sollte man sofort erledigen. Ist "Einkaufen" jedoch nicht dringlich, setzt man es auf die To-Do-Liste. Manche Aufgaben sollte man an andere delegieren, wie etwa eine Fahrt zum Wertstoffhof. Und ist etwas weder dringlich noch wichtig, muss man die Aufgabe gar nicht machen.

Danach endete Riepls Coaching für bessere Zeiteinteilung mit 18 praktischen Tipps. Er gab Empfehlungen wie einen Terminkalender führen, genügend Pausen einplanen und vorbereitet zu Terminen erscheinen. Aber er wies auch noch auf etwas anderes hin: Die Senioren müssten stets die "Abenteuer des Alltags" einplanen. Manchmal erreiche man jemanden telefonisch nicht oder eine Veranstaltung werde kurzfristig abgesagt. Auf solche Situationen müsse man stets vorbereitet sein.