Germering Flashmob gegen Gewalt

Taktgeberinnen: Germeringer Frauen üben für die Anti-Gewalt-Aktion "One Billion Rising".

(Foto: Günther Reger)

In Germering bereiten sich Frauen auf die Tanzaktion "One Billion Rising" vor

Von Heike A. Batzer, Germering

Ja, Köln, natürlich. Die Vorfälle der Silvesternacht haben Gewalt gegen Frauen in den Fokus gerückt. Seit Köln ist dieses Thema tatsächlich ein Thema. "Gewalt gegen Frauen hat jetzt mehr Aufmerksamkeit", sagt Brigitte Breidenbach. Und "es ist gut, dass Frauen dort auch mehr Fälle angezeigt haben" ergänzt Margarete Reifinger. Die beiden Frauen sind schon lange in der Germeringer Fraueninitiative (Gefi) aktiv, haben immer wieder auf die Anliegen von Frauen hingewiesen. Deshalb sind sie an diesem Mittwoch auch ins Germeringer Mehrgenerationenhaus Zenja gekommen. Dort ist Training für die Aktion "One Billion Rising" am 14. Februar, eine Art Flashmob auf der Straße, mit der Frauen weltweit die vorhandene Gewalt gegen Frauen thematisieren wollen.

Denn Gewalt gegen Frauen ist alltäglich. "Köln", sagt Renate Konrad, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Germering, "ist ein Spiegel von Tatsachen, die immer passieren". Gewalt gegen Frauen zeigt sich in vielen Ausprägungen und Eskalationsstufen. In einem dreiminütigen Film hat die US-amerikanische Schriftstellerin und Feministin Eve Ensler ebenso eindrucksvoll wie bedrückend dargestellt, was darunter auf der ganzen Welt zu verstehen ist: Frauen, die sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind, Frauen, die in Büros belästigt werden, junge Frauen, die beschnitten werden, Frauen, die nach einem Säureattentat entstellt sind. Vor vier Jahren rief Ensler die Kampagne "One Billion Rising" ins Leben, die in ihrem Namen Bezug nimmt auf eine Milliarde Frauen, die UN-Angaben zufolge in ihrem Leben Gewalterfahrungen gemacht haben. Die Kampagne, bei der die Frauen weltweit am selben Tag auf den Straßen tanzen, findet in etwa 200 Ländern statt. In Deutschland beteiligen sich 100 Städte, darunter als einzige im Landkreis die Stadt Germering. Dort ist die Aktion am Sonntag, 14. Februar, um 16 Uhr am Kreisverkehr vor der Bahnunterführung beim Therese-Giehse-Platz geplant. Am kommenden Mittwoch, 3. Februar, wird noch einmal dafür geübt (16.30 bis 17.30 Uhr, Zenja, Planegger Straße 9).

Zu sechst waren sie bei der ersten Trainingseinheit. Brigitte Breidenbach trägt dabei ihr Shirt mit dem "One-Billion-Rising"-Aufdruck. Renate Konrad hat auch ihren 13 Jahre alten Sohn dabei. Der macht tapfer mit. Auf die Kommandos der Zumba-Trainerin Sigrun Wegener üben die Frauen die Schrittfolgen für den eigentlichen Auftritt, bei dem sie dann auch im übertragenen Sinne als Schrittmacherinnen agieren und andere zum Mitmachen animieren werden. Je mehr Frauen (und auch Männer) es sind, desto mehr Aufmerksamkeit ist der Botschaft der Aktion garantiert. Und desto wirksamer werden die Bilder davon sein. Getanzt wird zum Song "Break the chain", die Choreografie unterstützt die Worte. Das Tanzen kann man auch im Internet lernen, dort finden sich Videos mit Anleitungen für die Schrittfolgen oder dazu, wie man aus dem Stegreif Menschen zum spontanen Mitmachen animiert. Es gibt das entsprechende Merchandising mit "One-Billion-Rising"-Shirts und -Taschen oder Schablonen zum Selberbasteln des Aktionslogos.

Brauchen sich also nur noch genügend Frauen zu finden, die die Forderung nach einem gewaltfreien Leben auch in die Öffentlichkeit tragen. "Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen", sagt Wegener. "Es ist auch eine emotionale Sache." Noch einmal stellen sich die Frauen im Zenja vor dem großen Spiegel zum Üben auf. Sigrun Wegener variiert Musik und ein bisschen auch den Ablauf. "Ihr könnt das auch durcheinander tanzen", ruft sie den Frauen zu. Perfekt muss der Auftritt ohnehin nicht sein. "Wenn es nicht so perfekt ist, dann trauen sich die Leute eher mitzumachen", meint Margarete Reifinger. Und darum geht es.