Germering Energie aus heißem Wasser

Germeringer Stadträte holen sich bei einer Besichtigung der Bohrung in Freiham Anregungen für ihr eigenes Geothermieprojekt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Germering greift in Kooperation mit der Technischen Universität seine Geothermie-Pläne wieder auf

Von Andreas Ostermeier, Germering

Nachdem die Landeshauptstadt München das Thema Geothermie in Freiham wieder aufgenommen hat und dort bereits nach heißem Wasser bohrt, kommt auch in die Geothermie-Ideen der Stadt Germering neue Fahrt. Da die Stadt noch keinerlei Pläne hat, wo heißes Wasser gefördert werden könnte, soll eine Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München das Wissen über die Beschaffenheit des Bodens unter der Großen Kreisstadt mehren.

Aus diesem Grund sollen die bereits vorhandenen seismischen Daten auf neuer Grundlage aufbereitet und in einem quadratmetergroßen 3-D-Modell dargestellt werden. Das Modell, in dem die verschiedenen Gesteinsschichten farblich markiert werden, dient dazu, wasserführende Schichten zu erkennen. Inga Moeck, Professorin für Geothermie an der TU, sagte, für das Modell brauche es keine neuen Datenerhebungen, die alten seien ausreichend. Denn auch diese Daten verraten jetzt viel mehr als vor Jahren, weil die Erfahrungen mit der Erdwärme zugenommen haben.

Aufbereitet werden die Daten, die Aufschluss darüber geben, wie es unter Germering aussieht und wo heißes Wasser gefördert werden könnte, von zwei Studenten, die mit Moeck zusammenarbeiten. Aus ihren Abschlussarbeiten entsteht auch das 3-D-Modell. Germerings Oberbürgermeister Andreas Haas verspricht sich von den Arbeiten der Studenten eine bessere Grundlage für Gespräche mit Investoren, die gemeinsam mit der Stadt ein Geothermieprojekt finanzieren könnten. Alleine kann die Stadt - anders als der große Nachbar München - das nicht schaffen, schon wegen der Kosten.

Die Stadt Germering kann bis zum Jahr 2018 innerhalb ihres Gebiets nach Erdwärme suchen. Bis dahin gilt laut der Unterlagen für die Stadträte die Erlaubnis des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Wie die nahe gelegene Bohrung der Stadtwerke München in Freiham zeigt, sind die Aussichten gut, in dieser Gegend auf heißes Wasser zu treffen, das sich zur Gewinnung von Wärme fördern ließe. Um eine Heißwasserquelle genau zu treffen, und damit die Kosten der Bohrung möglichst gering zu halten, arbeitet die Stadt nun mit der TU zusammen.

Vor der Diskussion im Rathaus besuchten Germeringer Kommunalpolitiker die Bohrung der Stadtwerke München in Freiham. 50 Meter ragt der Bohrturm in die Höhe. Die Arbeiten kommen nach Aussage von Christian Pletl, dem Geothermie-Spezialisten der Stadtwerke, gut voran. Das Thermalwasser soll aus etwa 2300 Meter Tiefe gefördert und für Fernwärme genutzt werden. Die Heißwasserschicht will man noch in diesem Jahr an einem Punkt unter der A99 anbohren. Die Verantwortlichen der Stadtwerke erwarten eine Wassertemperatur von 80 bis 85 Grad sowie eine Menge von 80 Litern pro Sekunde. Ist das gelungen, soll der Bohrturm umziehen auf ein Areal nördlich der geplanten Wohnbebauung von Freiham. Dort ist eine zweite Bohrung vorgesehen. Sie ist dafür gedacht, das geförderte Wasser wieder im Boden verschwinden zu lassen, nachdem es durchs Heizkraftwerk gelaufen ist und seine Energie abgegeben hat. Dafür ist eine Stelle nördlich des S-4-Schienenstrangs vorgesehen.