Gedenken am Fliegerhorst Am Ort einer neuen Partnerschaft

Der neue israelische Generalkonsul kommt zur Gedenkfeier für die Opfer des Attentats nach Fürstenfeldbruck und bringt die Botschaft einer Athletin der Olympischen Spiele von 1972 mit. Es dürfe nicht bei der Trauer bleiben

Von Andreas Ostermeier

Der Unterschied zum vergangenen Jahr war frappierend. Vor zwölf Monaten gedachten Hunderte Teilnehmer im Fliegerhorst des Olympia-Attentats - es jährte sich zum 40. Mal. Im Vergleich dazu lief der Gedenktag am Donnerstag sehr still ab. Statt auf dem Gelände des Fliegerhorstes fand die Erinnerungsfeier, wie üblich, am Mahnmal vor dem Eingang statt.

Gemeinsame Trauer um israelische und ein deutsches Opfer (von links): Der israelische Generalkonsul Dan Shaham, Landrat Thomas Karmasin und Maria Niedermeier.

(Foto: Günther Reger)

Olympia-Gedenktag FFGR48436 5.9.2013 FFB Bruck Sparkasse Der israelische Generalkonsul Dan Shaham bei der Gedenkfeier vor dem Brucker Fliegerhorst rechts Witwe Fliegerbauer Foto: Günther Reger

(Foto: Günther Reger)

Landrat Thomas Karmasin kam auf den auf den Unterschied zu sprechen. Der elf getöteten israelischen Sportler sowie des deutschen Polizisten gedenke man nicht nur an besonderen Jahreszahlen, sondern in jedem Jahr, "wie wir es versprochen haben". Auch in einem kleineren Rahmen ist das Gedenken ergreifend, an Intensität dürfte kaum ein Unterschied zum vergangenen Jahr gewesen sein.

Das lag vor allem an Israels neuem Generalkonsul in München, Dan Shaham. Der hatte seinen ersten Besuch in Fürstenfeldbruck damit begonnen, eine Ausstellung über das Olympia-Attentat in der Sparkasse anzusehen. Vor dem Bild des getöteten Polizisten Anton Fliegerbauer umarmte er dessen einstige Ehefrau Maria Niedermeier. Beide standen sie eine Zeitlang so vor einer der Schautafeln und trauerten gemeinsam um die zwölf 1972 in München und Fürstenfeldbruck getöteten jungen Männer. Anschließend setzten sich Shaham und Niedermeier in der Bank zu einem Gespräch zusammen (auch Niedermeiers Ehemann war dabei). Während der Gedenkfeier am Fliegerhorst standen die beiden nebeneinander und in seiner Ansprache begrüßte er Niedermeier als erste.

Shaham zeigte damit, was er später in seiner Rede sagte. Deutsche und Israelis sollten gemeinsam trauern, denn der Anschlag der Terroristen habe sie auch gemeinsam getroffen. Der Generalkonsul appellierte aber an beide Seiten, es dürfe nicht bei der Trauer bleiben. Fürstenfeldbruck solle auch in die Zukunft weisen und ein Ort der Partnerschaft zwischen Israelis und Deutschen werden.

Dabei berief er sich auf die überlebenden Olympia-Teilnehmer von 1972. Eine Athletin, sie war die Sportlehrerin seiner Kinder, habe ihm die Botschaft aufgetragen, dass man trotz aller Erinnerung nach vorne schauen müsse, sagte er. Die Sportlerin, erzählte Shaham, war im Olympischen Dorf nur 200 Meter von der Wohnung entfernt untergebracht, in der die Männer des Teams festgehalten und mit dem Tode bedroht wurden. Sie hätte noch einen Wettkampf absolvieren sollen, doch sie flog wie die übrige Mannschaft am Tag nach dem Überfall und der gescheiterten Geiselbefreiung nach Hause zurück.

Shaham war sieben Jahre alt, als das PLO-Kommando die israelische Mannschaft im Olympischen Dorf überfiel, zwei Sportler sofort tötete und neun weitere als Geiseln nahm. Beim Versuch der Befreiung auf dem Flugplatz in Bruck kamen die Geiseln und ein Polizist ums Leben. Die Bilder der Getöteten und der Geschehnisse vom 5. September 1972 in der Ausstellung hätten ihn "sehr ergriffen", sagte der Generalkonsul.

Dabei hatte er sich nicht nur die Fotos der Opfer angesehen, auch die der Täter. Eines - es zeigt einen der Terroristen mit einer Strumpfmaske über dem Kopf - kommentierte Shaham. Das fehlende Gesicht sei auch Ausdruck für ein Fehlen jeglicher Menschlichkeit. Dagegen setzt der Landkreis jedes Jahr eine Gedenkfeier. Shaham dankte Karmasin und den Bewohnern für die "außerordentlich wichtige Aufgabe", die sie dadurch wahrnehmen.

Die Ausstellung ist aus Anlass des 40. Jahrestages des Massakers zusammengestellt worden. Sie ist derzeit in der Sparkasse zu sehen und kann beim Landratsamt ausgeliehen werden.