Fürstenfeldbruck Stadtjugendrat will Straßen umbenennen

Im Streit um NS-belastete Straßennamen hat sich der Brucker Stadtjugendrat für eine Umbenennung ausgesprochen. Eine Straße nach einer Person zu benennen, sei eine "klare Ehrerweisung gegenüber der jeweiligen Person und somit auch ihrer Taten". Es sei nicht akzeptabel, Personen wie Julius Langbehn, einen fanatischen antisemitischen Schriftsteller, den SS-Mann Wernher von Braun, der Massenvernichtungswaffen konstruierte, für deren Bau Tausende von KZ-Sklaven umkamen, oder Piloten der Wehrmacht im 21. Jahrhundert noch auf diese Weise auszuzeichnen. "Sie leisteten einen freiwilligen Beitrag zu unmenschlichen Taten. Ihre Ehrungen sind aus unserer Sicht nicht mit unserem demokratischen und gesellschaftlichen Werteverständnis vereinbar", heißt es in der Erklärung der Jugendvertretung. Zwar wolle der Jugendrat diese Personen und ihre Taten nicht aus dem Bewusstsein der Bürger tilgen, aber bloß Informationstafeln aufzuhängen, sei nicht das Mittel der Wahl.

Der Jugendrat regt an, zusammen mit Schulen, Vereinen und kulturellen Institutionen die Geschichte der betroffenen Personen und ihrer Handlungen zu beleuchten. "Die Diskussion und die endgültige Entscheidung über die belasteten Straßennamen sind längst überfällig. Unabhängig vom Ergebnis begrüßen wir die offene und teils leidenschaftliche Debatte über die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte und ihren Akteuren", teilte das Gremium mit. Seit fünf Jahren wälzen die Brucker Stadträte das Thema NS-belastete Straßennamen, im Frühjahr soll nun eine Entscheidung fallen. Dabei wurden neun von siebzehn Straßenpatrone, darunter NSDAP-Mitglieder und Wehrwirtschaftsführer, bereits rehabilitiert.