Fürstenfeldbruck Sparkassenfusion rückt näher

Bei der Vorstellung des Gutachtens (von links): Experte Sven Enk, Landrat Thomas Karmasin, OB Erich Raff und Sparkassenchef Klaus Knörr.

(Foto: Günther Reger)

Ein Gutachten legt den Schluss nahe, dass das Fürstenfeldbrucker Geldinstitut und mit ihm Stadt und Landkreis vom Zusammenschluss mit Dachau und Landsberg-Dießen profitieren würden. Doch es gibt auch kritische Stimmen

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Von einer Fusion der Sparkasse Fürstenfeldbruck mit den Instituten aus Dachau und Landsberg-Dießen profitieren unterm Strich alle beteiligten Banken, Kunden sowie Träger-Kommunen. Das geht aus einem Gutachten hervor. Möglicherweise bereits nächstes Jahr könnte der Dreierbund unter dem Namen Amper-Lech-Sparkasse starten. Die Spitzen des Verwaltungsrats, Brucks Oberbürgermeister Erich Raff und Landrat Thomas Karmasin (beide CSU), sehen in der Fusion einen Beitrag zur Zukunftssicherung, der Gröbenzeller Kreisrat und Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge hingegen zweifelt "mehr denn je" an ihrem Sinn.

Sven Enk von der Unternehmensberatung ZEB stellte am Mittwoch in der Sparkassenhauptstelle im Beisein der Politiker sowie des Sparkassenchefs Klaus Knörr eine Zusammenfassung des "Mehrwertgutachtens" vor, nachdem zuvor Stadt- und Kreistag sowie Verwaltungsrat in nicht öffentlichen Sitzungen informiert worden waren.

Die Eckpunkte eines Verbunds, der "dritte Kraft" (Knörr) wäre in der Region, hinter der Stadtsparkasse München sowie der Kreissparkasse München, Starnberg, Ebersberg: 8,3 Milliarden Euro Bilanzsumme, 14,5 Milliarden Euro Kundenvolumen, fast 199 000 Kunden, gut 1500 Mitarbeiter, 67 Filialen und 28 Selbstbedienungsstellen auf einer Fläche von gut 1800 Quadratkilometern. Juristisch aufnehmendes Institut wäre die Sparkasse Dachau mit einem Anteil von 40,5 Prozent, vor allem, weil sie über einen wertvollen Immobilienbestand verfügt. Folgen würden die neue handelsrechtliche Zentrale Fürstenfeldbruck (37,5 Prozent) sowie Landsberg mit 22 Prozent. Alle drei Standorte blieben erhalten. Von einem Zusammenschluss erhoffen sich die Sparkassen eine Steigerung des Betriebsergebnisses von jährlich etwa 33 Millionen Euro im Vergleich zur Variante mit drei weiterhin eigenständig operierenden Instituten - bei einem unabhängig davon in jedem Fall eher rückläufigen Geschäftsvolumen. Auf Fürstenfeldbruck entfällt etwa ein Drittel des Betrags.

Lediglich ein Viertel des "Mehrwerts" soll durch Synergieeffekte realisiert werden - etwa durch die Zusammenlegung von Abteilungen, die auf Digitalisierung oder die Implementierung gesetzlicher Anforderungen spezialisiert sind. Nach SZ-Informationen soll die Zahl der Mitarbeiter in den drei Landkreisen insgesamt um etwa hundert sinken. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Klaus Knörr aus - es würden lediglich Stellen, die durch Erreichen der Ruhestandsgrenze frei werden, nicht mehr besetzt. Etwa drei Viertel Mehrwert wollen die Sparkassen nicht durch Kosteneinsparung erschließen, sondern durch Vorteile, die sich aus der Größe ergeben. So können sich dadurch beispielsweise die Konditionen und die Gewinnspannen bei der Kreditvergabe verbessern. Eine Garantie für den Erhalt aller Filialen gibt es zwar auch im Fall einer Fusion nicht, wie Knörr einräumt. Wäre Bruck weiterhin solo unterwegs, dann wäre es aber angeblich noch schwerer, das in diesem Jahr bereits von 25 auf 19 Geschäftsstellen geschrumpfte Netz zu sichern. Die Präsenz in der Fläche soll möglichst erhalten werden, ist die regionale Verankerung in Kundennähe doch ein zentrales Wesensmerkmal der Sparkasse. So sehen das auch Karmasin und Raff.

Großen Verhandlungsbedarf gibt es noch bei der Aufteilung der Gewerbesteuer auf die beteiligten Landkreise, Städte sowie Gemeinden. Und offen ist, wer neuer Sparkassenchef wird. Klaus Knörr geht 2018 in Ruhestand, kommt für diesen Posten also nicht in Frage. Durchs Erreichen der Ruhestandsgrenzen soll sich der neue Vorstand schrittweise von aktuell acht auf möglichst nur noch drei Mitglieder reduzieren, auch die Zahl der Verwaltungsräte wird sinken. Bezüge und Pensionen werden im Gegenzug durch den Aufstieg des Dreierbunds in eine höhere Sparkassen-Größenklasse deutlich steigen.

Sollten Stadtrat oder Kreistag im Frühjahr eine Fusion doch noch ablehnen, dann könnte Enk und Knörr zufolge die Brucker Sparkasse "auch allein am Markt bestehen", allerdings wäre das "ungleich schwerer". Martin Runge, der sich profund in das Thema eingearbeitet hat, ist der Überzeugung, dass der gesellschaftliche Auftrag der Sparkasse sich besser alleine erfüllen lässt und dass sich für die Kunden mehr ändern könnte als nur die Bankleitzahl. "Aber die wollen das partout durchziehen", sagte Runge, der selbst der Verbandsversammlung angehört, am Mittwoch. Er kritisiert zudem, dass die Sparkasse zu wenig betriebswirtschaftliche Zahlen offengelegt habe.