Fürstenfeldbruck Schnell mal Schach

Eng geht es zu beim Schnellschach-Turnier "Brain Games", das in der Marthabräuhalle in Fürstenfeldbruck stattfindet.

(Foto: Günther Reger)

An den "Brain Games" nehmen 173, teils hochkarätige Spieler teil

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Karsten Schuster war nach sechs von neun Partien beim Schnellschach-Turnier des TuS Fürstenfeldbruck gut gelaunt. Nach fünf Siegen fand sich der Eichenauer, der für den Schachclub Gröbenzell in der Landesliga spielt, in den Top Ten der "Brain Games" in der Marthabräuhalle wieder. Um Schuster herum waren Großmeister und Internationale Meister platziert. Am Ende des langen Schnellschachtages siegte Großmeister Henrik Teske aus Erfurt und kassierte die 600-Euro-Siegprämie aus dem 3300 Euro großen Preisgeldtopf. Großartig hielt sich Alt-Großmeister Hans-Joachim Hecht. Der 78-jährige Lokalmatador belegte unter 173 Teilnehmern den elften Rang.

Hecht verlor keine Partie. Fünf Siege und vier Remispartien standen für den Brucker zu Buche. "Zwei Unentschieden waren sehr glücklich für mich", gestand Hecht ein. Besonders mit den weißen Figuren war er an diesem Tag sehr erfolgreich. "Weiß hat auch im Schnellschach den Anzugsvorteil", resümierte Hecht zufrieden.

Christine Winterholler vom SC Gröbenzell platzierte sich als beste weibliche Teilnehmerin in der Männerphalanx auf einem ausgezeichneten 17. Platz und lag mit 6,5 Punkten von neun möglichen eine halben Punkt vor Karsten Schuster. Besonders in den abschließenden Partien ging diesem etwas die Luft aus. Zweimal 15 Minuten Bedenkzeit hat im Schnellschach jeder Teilnehmer. Schuster kam häufiger in Zeitnot. Die Partie gegen den Großmeister Igor Khenkin verlor er wegen Überschreitung der Bedenkzeit. "Im Endspiel sind die Profis dann doch ausgefuchster", sagte Schuster, der den Titel Fidemeister trägt. Da werde jeder Fehler gnadenlos ausgenutzt. Für den 43-jährigen Lehrer für Mathe und Physik, der am Viscardi-Gymnasium eine Schach-Jugendgruppe leitet, sprang immerhin noch Platz 20 heraus.

Der Münchner Michael Bezold, der für den FC Bayern München spielt, ist zwar seit 1998 Großmeister, aber kein Schachprofi. Er ist im Hauptberuf Softwareentwickler. Sehr viel trainiert er nicht. "Abends spiele ich etwas Blitzschach am Computer", erzählt Bezold. "Man spielt aus der Substanz." Bezold war bei den "Brain Games" schon zweimal Zweiter gewesen. Auch diesmal reichte es nicht zum Sieg. Bezold wurde in der Endabrechnung Sechster. Einen Platz dahinter kam Thies Heinemann ins Ziel. Bezold nahm dafür hundert Euro Prämie mit nach Hause, Heinemann bekam 50 Euro.

Thies Heinemann kommt gebürtig aus Schleswig-Holstein und spielt seit 1989 für den Hamburger SK in der Schach-Bundesliga; auch noch als der Versicherungsmathematiker vor neun Jahren nach München umgezogen ist. Erstaunlich ist, dass Heinemann den Schritt zum Großmeister bisher nicht geschafft hat. Die notwendigen vorderen Plätze bei hochkarätigen Turnieren hat er längst erreicht. Nur der zweiten Norm jagt er seit vielen Jahren hinterher. Das sind die 2500 Elopunkte, also Weltranglistenpunkte, ohne die niemand den Titel Großmeister vom Internationalen Schachverband (FIDE) verliehen bekommt.

Momentan steht Heinemann bei 2435 Punkten. Vor einiger Zeit fehlten ihm nur fünf Punkte an der Schallmauer von 2500. "Vielleicht schaffe ich die noch", sagt Heinemann und klingt dabei nicht ungeduldig. Immerhin ist er mit 45 Jahren noch im besten Schachalter.

Mit der Rekordteilnehmerzahl 173 war Helmut Becker vom Turnierveranstalter natürlich mit den "FFB Open" außerordentlich zufrieden. Der langjährige TuS-Abteilungsleiter Schach hob hervor, dass unter den 73 Schachspielern beim TuS ein Drittel Kinder und Jugendliche sind. "Da liegen wir gut im Trend", so Becker. "Zwei Mädchen sind gerade bei den oberbayerischen Meisterschaften dabei." Über das jährliche Volksfestschachturnier für Kinder animiert er den Nachwuchs zum Schachklub zu kommen. Beim Volksfest locken gesponserte Fahrchips der Schausteller als Prämien.