Fahrradwege in Fürstenfeldbruck Roter Teppich für Radler

Gut sichtbar: Rote Fahrradstreifen gibt es bereits in zahlreichen Städten, wie hier in Essen. Die Kreisstadt Fürstenfeldbruck zieht nun nach.

(Foto: Imago/Jochen Tack)

Fahrradwege und auf Fahrbahnen markierte Streifen werden in Fürstenfeldbruck schrittweise eingefärbt. Damit soll der Umstieg auf klimaverträglichere Verkehrsmittel attraktiver werden.

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Kreisstadt will ein weithin sichtbares Zeichen setzen: Radwege und am Rand von Fahrbahnen abgetrennte Schutzstreifen sollen durchgehend rot markiert werden. Das hat der Verkehrsausschuss am Dienstag mit acht gegen sechs Stimmen beschlossen. Die meisten CSU-Stadträte stimmten dagegen, auch aus Kostengründen - und das Ordnungsamt reagierte höchst skeptisch auf die Ankündigung, damit in die Fußstapfen von Städten wie Erlangen, Berlin, Utrecht oder Amsterdam steigen zu wollen. Im Landkreis ist Bruck damit Vorreiter.

Damit die Stadt durch die roten Wege nicht noch tiefer in die roten Zahlen rutscht, sollen öffentliche Fördertöpfe angezapft werden und die Maßnahme ist ein echtes Langzeitprojekt - denn Farbe kommt nur dann ins Spiel, wenn ohnehin eine Fahrbahn im Stadtgebiet erneuert oder saniert werden muss. Auch Nürnberg hatte sich jüngst für diese Verfahrensweise entschieden. Bis alle Radwege und Schutzstreifen farbig ausgestaltet sind, dürfte es mithin mehrere Jahrzehnte dauern.

Die meisten CSU-Stadträte scheuen die Mehrkosten für eine solche "selbsterklärende Straße"

Eine deutliche Mehrheit des Fachausschusses votierte gegen die als Alternative vorgeschlagene Farbe Grün. Die erste Bewährungsprobe wird es nahe der Polizei auf der Ganghoferstraße geben. Ein Teilstück wird dort noch bis Juni umgebaut. Auf Vorschlag des zuständigen Sachgebietsleiters Walter Doll wird dort erstmals also eine rote Epoxidharzschicht aufgetragen. Sollte sich dies bewähren, wird ein erster Bauabschnitt des Sulzbogens im Westen der Stadt folgen, der im Zuge der Fahrbahnsanierung beidseitig mit Schutzstreifen für Radfahrer ausgestattet werden soll. Das Auftragen von Epoxidharz kostet mit etwa 75 Euro pro Quadratmeter deutlich mehr als die Asphalt-Standardausführung (zehn Euro), aber weniger als der Einsatz von gefärbtem Asphalt. Hermine Kusch (BBV) zeigte sich überrascht von der sehr rauen Oberfläche der herumgereichten Probe und warnte vor Abschürfungen im Fall stürzender Radfahrer. Durch regelmäßiges Befahren und Reinigen dürfte sich Doll zufolge der Belag aber recht schnell abschleifen.

Der Schutzstreifen am Sulzbogen könnte im Zuge des geplanten Straßenumbaus erstmals durchgängig rot werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Befürworter, allen voran Alexa Zierl (Die Partei und Frei), Karin Geißler (Grüne) sowie Verkehrsreferent Mirko Pötzsch (SPD) versprechen sich von der Maßnahme ein Plus an Sicherheit. Zierls erklärtes Ziel ist die "selbsterklärende Straße", bei der sowohl für Brucker als auch für Ortsunkundige sofort klar ist, wo die Radfahrer Vorfahrt haben. Die Hälfte der Mehrkosten kann die Stadt nach Worten der Klimaschutzreferentin über Fördermittel aus der Klimaschutzinitiative des Bundes decken. Vor allem wegen der Kosten lehnten mehrere CSU-Stadträte, darunter Franz Höfelsauer und Martin Kellerer, den Beschluss ab, der vorsieht, künftig "grundsätzlich" im Fall von Neu- oder Umbauten die Oberfläche von Radwegen und Schutzstreifen rot einzufärben. Gabriele Fröhlich (SPD) hält rote Schutzstreifen für sinnvoll, aber eine Färbung von höher gesetzten, separaten Radwegen für übertrieben. Formale Einwendungen brachte Birgit Thron, Leiterin des Ordnungsamts, vor. Die Straßenverkehrsordnung empfehle Einfärbungen lediglich "in Konfliktbereichen" wie gefährlichen Kreuzungen oder Einmündungen. Wird zu exzessiv in den Farbtopf gegriffen, dann befürchtet sie den Verlust der Signalwirkung in solchen Bereichen. Zudem werde am Rand von Bundes- und Staatsstraßen wohl alles beim Alten bleiben, weil die Stadt dafür nicht zuständig ist.

Bislang sind in Bruck lediglich einige Gefahrenstellen markiert (hier die Einmündung von der Haupt- in die Kirchstraße auf Höhe der Sparkasse).

(Foto: Günther Reger)

Kommunen wie Erlangen haben gleichwohl seit vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht. Und das Bayerische Verkehrsministerium hatte jüngst auf Anfrage der SZ erklärt, man stelle es den Kommunen anheim, wie sie es damit halten: "Entscheiden darf die zuständig Straßenbaubehörde." Throns Bedenken hat dies nicht zerstreut, sie räumte aber ein, einen entsprechenden Beschluss nicht verhindern zu können. Für diesen machte sich denn auch Zweiter Bürgermeister Christian Götz (BBV) nachdrücklich stark. Der Radverkehr solle und werde innerstädtisch an Bedeutung gewinnen. Es sei Aufgabe Brucks, den Umstieg vom Auto noch attraktiver zu machen. Da schade es nichts, die gewohnten Pfade zu verlassen, "auch mal was zu riskieren" und "eine Vorreiterrolle" zu übernehmen.