Fürstenfeldbruck Protest vor dem Baumarkt

Demonstration in der Unterhose: die Peta-Aktivisten vor dem Baumarkt in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Tierrechtsorganisation Peta will erreichen, dass Geschäfte für Heimwerkerbedarf auf den Verkauf von Lebewesen verzichten

Von Lena von Holt, Fürstenfeldbruck

Sanitär, Dübel, Fliesen: Im Hagebaumarkt gibt es alles, was man für den Heimwerkerbedarf braucht. Und eben auch Hamster, Mäuse, Fische oder Meerschweinchen. Die Vielzitzenmaus kann mit 3,99 Euro pro Stück wohl schon als Schnäppchen bezeichnet werden. Der Baumarkt verleite zu unüberlegtem Kauf von Tieren, sagt Alena Thielert. Sie ist Aktionskoordinatorin bei der Tierrechtsorganisation Peta und steht am Montagnachmittag neben dem Hagebaumarkt in Fürstenfeldbruck. Nur mit Unterhose und Hasenohren bekleidet, friert nicht Thielert selbst, sondern Peta-Aktivistenkollege Marco, der auf einem Einkaufswagen sitzt. Weit entfernt vom Eingangsbereich, verirren sich nur ein bis zwei Passanten in die Nähe der Aktivisten. "Wir wollen, dass der Tierverkauf in Baumärkten gestoppt wird", sagt Thielert. Peta habe im vergangenen Jahr aufgedeckt, dass auch Tiere, die in Filialen der Kette Hagebaumarkt verkauft werden, "katastrophalen Zuchtbedingungen" ausgesetzt seien. Die Kunden würden nicht über die wirkliche Herkunft der Tiere aufgeklärt, beklagt Thielert. Der Kunde Ronald J. stimmt ihr zu: "Ich würde nie Tiere im Baumarkt kaufen." Da könne ihm niemand sicher sagen, woher die Tiere stammen.

Obi und Toom haben laut Thielert ihre Zoohandlungen bereits eingestellt. Mit Protesten an 13 anderen Standorten in Deutschland wollen die Aktivisten auch Hagebaumarkt dazu bringen, Heimtiere aus dem Sortiment zu nehmen.

Florian Kubinski ist Filialleiter des Hagebaumarktes in Fürstenfeldbruck. Seinen Worten nach kann man dort seit der Eröffnung auch Kleintiere kaufen. Kubinski distanziert sich von dem Vorwurf, Tiere aus Züchtungen zu beziehen, in denen sie laut Peta "in winzigen Boxen in ihren eigenen Ausscheidungen vor sich hin vegetieren und dabei oft verdursten oder an ihren Verletzungen sterben". Zu den Vorwürfen will er keine Stellung nehmen und verweist auf die Zentrale in Soltau. Bereits im vergangenen April habe Peta diese Vorwürfe erhoben, sagt Sprecherin Nina Lemmerz-Sickert. Seitdem steht der Baumarkt im Dialog mit Peta. Damals wurde ein Fall festgestellt. Direkt nach dem Bekanntwerden habe die betroffene Filiale die Geschäftsbeziehungen mit dem Zuchtbetrieb beendet, erklärt die Hagebau-Sprecherin. Die anderen Hagebaumärkte, die eine Zoo-Abteilung führen, seien daraufhin überprüft worden, weitere Vorfälle habe es aber nicht gegeben. Von zwei Züchtern würden die Filialen ihre Tiere erhalten. Diese würden regelmäßig kontrolliert werden. Außerdem gebe es in jeder Filiale Tierschutzbeauftragte. Thielert geht es zwar in erster Linie um die Zuchtbedingungen. Am besten, so sagt sie, vermeide man Nachzüchtungen völlig. Warum Haustiere züchten, wenn etwa 300 000 jährlich in Tierheime in Deutschland kommen?