Fürstenfeldbrucks Handballer gegen den HSV Pommes und Bier

Vor 800 Zuschauern ist die 27:46-Niederlage gegen den Bundesligisten aus Hamburg zweitrangig, viel mehr geht es um die Begegnung mit prominenten Protagonisten der Sportart und um die Suche nach einem Sponsor

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Irgendwann wurde auch im Sport der Popstar erfunden. Stefan Kretzschmar, der tätowierte Handball-Nationalspieler, war zu seiner aktiven Zeit so einer. Pascal Hens auch. Der 2,03 Meter große Mann, der dem Irokesenhaarschnitt zum Durchbruch verhalf und seiner langen, dünnen Arme wegen den Spitznamen "Pommes" erhielt und diesen bis heute pflegt, ist mittlerweile 35 und spielt die 13. Saison für den HSV Hamburg. Er hat alle Titel gewonnen, die ein Handballer gewinnen kann, einschließlich der europäischen Champions League 2013, nur Olympia-Gold fehlt ihm. Am Sonntag ist er in der Wittelsbacher Halle von Fürstenfeldbruck der Star. Schon bei der Autogrammviertelstunde, während der alle 18 Hamburger Handballer und ihr neuer Trainer Michael Biegler an einem langen Tisch sitzend unten auf dem Parkett der Halle ihre Unterschriften verteilen, wollen alle zu "Pommes". Auch nach dem Spiel, das er anschließend mit seinen Handballern gegen jene vom TuS Fürstenfeldbruck abliefert, sind Selfies mit ihm begehrt. Nach einer harten Woche im Trainingslager in Sölden habe es gut getan, langsam wieder ins Spiel reinzukommen, sagt er hinterher. Mit Freundschaftsspielen wie diesen könne man "viele Leute glücklich machen".

Am Sonntagnachmittag freuen sich 800 Besucher, die sich bei mehr als 30 Grad in die schwüle Wittelsbacher Halle begaben. Eine Dreiviertelstunde vor Spielbeginn sind fast alle Bankreihen besetzt, an der Theke gibt es Wurstsemmeln, Kuchen, Kaffee und kalte Getränke aus dem Kühlschrank. Die Zuschauer beobachten die Protagonisten beider Teams beim Aufwärmen. Zwei-Meter-Männer vom Schlage Hens' sind beim Bundesligisten beinahe die Regel, beim Drittligisten ist alles ein paar Nummern kleiner. Dennoch: Beide Vereine müssen neue Teams bilden, weil es hüben wie drüben viele Abgänge gab und Neuzugänge in die Formationen integriert werden müssen. "Es wartet sehr viel Arbeit auf uns", weiß TuS-Trainer Martin Wild. Sportliche Erkenntnisse zieht er eher aus Auftritten wie vom Tag zuvor, als sein Team ein Vorbereitungsturnier in Söflingen gewann. Die 27:46(12:22)-Niederlage gegen den HSV schmerzt da nicht besonders, denn Gäste wie diese heben den Spaßfaktor in der Mannschaft und "sind schön für mich als Trainer", sagt Wild, "weil sie vorher ein guter Anreiz sind, um die Trainingsmoral hoch zu halten".

Es sollte auch "eine Belohnung für eine tolle Saison" sein, wie Wild noch sagt, die zunächst mit dem Abstieg endete und dann im Nachrückverfahren doch noch zum Klassenerhalt führte. Verletzte wie die beiden Außenspieler Marcus Hoffmann und Andreas Knorr bedauern derweil, dass sie nicht mittun können gegen den HSV. Knorr steht vor Spielbeginn eine Zeitlang oben im Foyer der Halle und beschreibt ein paar Brucker Autogrammkarten. In der Partie selbst wird schnell klar, dass selbst vom Trainingslager ausgepumpte Bundesligisten den zwei Ligen tiefer angesiedelten Gastgebern überlegen sind. Alle bekannten Gesichter beim HSV sind dabei: Neben Hens Adrian Pfahl, Stefan Schröder, Matthias Flohr. Torhüter Johannes Bitter und Linksaußen Hans Lindberg werden nach Operationen noch geschont und beobachten das Spiel von der Bank neben der dicken Weichbodenmatte aus. Fürstenfeldbrucks Handballer bemühen sich derweil, zu Toren zu kommen. Elf der 27 Treffer gelingen dabei ihrem Rückraumspieler Sebastian Meinzer.

Als das Spiel vorbei ist, verspricht ein Vertreter der die Handballer seit vielen Jahren finanziell unterstützenden Schlossbrauerei Kaltenberg noch 100 Liter Freibier nachträglich für den Klassenerhalt und den Hamburgern im Vorgriff auf die neue Saison einen Gutschein über die gleiche Menge Bier, wenn sie die Ligaplätze eins, zwei oder drei erreichen. Ein Weißbierglas gibt's als Präsent für die Hanseaten dazu, währenddessen entert Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Klaus Pleil das Spielfeld und lobt den "Riesenaufwand", den die Brucker Handballabteilung betreibe: "Sie bringen ganz großen Sport in die Halle", ruft Pleil, der früher selber mal Handball gespielt hat, übers Mikrofon ins Publikum. Dann schnappt er sich einen jungen Handballer und deutet auf dessen Trikot, auf dem das Wort Sponsor mit zwei Fragezeichen aufgedruckt ist. "Jeder, der morgen in die Arbeit geht, fragt seinen Chef, ob er nicht Sponsor vom TuS werden will", gibt Pleil den Besuchern mit auf den Weg in die neue Woche.