Fürstenfeldbruck Musikalische Zukunft

Sehr niveauvolles Konzert der Puchheimer Streicherakademie

Von Klaus Mohr, Fürstenfeldbruck

Das Puchheimer Jugendkammerorchester (PJKO) arbeitet an verschiedenen "Baustellen" gleichzeitig: Erst vor wenigen Wochen musizierte der erste Preisträger des Deutschen Orchesterwettbewerbs 2016 im Puchheimer Kulturzentrum Puc mit der Neuen Kammerphilharmonie Rhein-Neckar, die in einer anderen Kategorie beim gleichen Wettbewerb ebenfalls gewonnen hatte. Jetzt fand das zweite Konzert der Streicherakademie im PJKO im Kleinen Saal des Veranstaltungsforums statt. Alle jungen Musiker, die hier zu hören waren, sind auch Mitglied im PJKO und haben erst kürzlich den Landeswettbewerb "Jugend musiziert" mit ersten Preisen absolviert. Sie warten nun auf die Teilnahme am Bundeswettbewerb, der in der Pfingstwoche in Paderborn durchgeführt wird. Die Musik steht für die jungen Menschen an absolut erster Stelle. Die Begeisterung trägt offensichtlich so weit, dass auch zwei Schülerinnen, die sich unmittelbar im Abitur befinden, auftraten.

Die Streicherakademie im PJKO wurde vor etwa eineinhalb Jahren von Simone Burger-Michielsen und ihrem Mann Peter Michielsen gegründet, um besonders begabte und interessierte Streicher durch weiteren Instrumentalunterricht, aber auch durch Theorieangebote und Ensemblespiel stärker zu fördern. Die Ergebnisse können sich hören lassen, und in keinem Moment kam der Gedanke auf, dass die jungen Musiker hauptsächlich die Projektionsfläche überehrgeiziger Eltern bilden. Auch war es nicht so, dass die objektiv sehr anspruchsvollen Stücke über dem eigentlich leistbaren Niveau lagen. Vielmehr verfügen die Musiker über genügend Souveränität im Spiel, so dass das Ergebnis musikalisch überaus stimmig war. Zu hören waren insgesamt neun Instrumentalisten im Alter zwischen acht und 19 Jahren, zwei davon Buben. Die sieben Geiger und zwei Bratscher wurden äußerst umsichtig von Ayumi Janke am Klavier begleitet.

In vier Präludien von Dmitri Schostakowitsch demonstrierte der erst achtjährige Anton Carus ganz unterschiedliche musikalische Charaktere. Jeremias Pestalozzi (zwölf Jahre) und Martha Mitreuter (14 Jahre) waren mit den ersten beiden Sätzen des berühmten Violinkonzerts in g-Moll von Max Bruch zu hören. Durch den klaren, substanzreichen Ton und die klangvollen Doppelgriffe erhielt der Allegro-Kopfsatz Struktur und Format. Der Adagio-Satz gelang durch die mit differenziertem Vibrato angereicherten Kantilenen und die große Ruhe im Spiel. Die Märchenbilder von Robert Schumann gehören sicher zur schönsten romantischen Bratschenliteratur. Laura Primavesi (14 Jahre) musizierte das zweite Stück und entwickelte wunderbar warm timbrierte Dialoge im Zusammenspiel mit dem Klavier.

Die 17-jährige Abiturientin Sophia Wagner begegnete der fein ziselierten Melodik im Rondo-Finalsatz aus Ludwig van Beethovens Violinsonate in D-Dur mit exzellenter Bogenbeherrschung. Technischen und musikalischen Anspruch brachte Elisabeth Buchner (17 Jahre) im Kopfsatz aus Franz Anton Hoffmeisters Bratschenkonzert in D-Dur zu einer gelungenen Synthese und stärkte dadurch den klassischen Gehalt des Stücks. Spielerisch sehr überzeugend meisterte Hanna Schmidt die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate und fand sich so hervorragend in das spezifische Idiom von Zigeunermusik ein. Die 19-jährige Friederike Kampick spielte den Allegro-Eingangssatz aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert in D-Dur KV 211. Hier entstand durch die Phrasierung auf hohem Niveau und die feine Tongestaltung ein beeindruckend leichter Mozart-Klang.

Den Schluss bildete nicht die älteste Geigerin, sondern die begabteste: Die elfjährige Gröbenzellerin Maya Wichert musizierte bei absoluter Stille im Saal die Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate. Ihre Finger setzten wie kleine Hämmerchen auf den Saiten ihrer Geige auf und ermöglichten in unglaublicher Präzision auch die Kombination aus gestrichenen und gezupften Tönen. Ausgedehnte Flageolett-Passagen unterstrichen den virtuosen Anspruch des Stücks.

Für den Zuschauer ergab sich dadurch eine unauflösliche Diskrepanz zwischen dem Alter der Geigerin und ihrem reifen musikalischen Vortrag. Maya ist Jungstudentin an der Münchner Musikhochschule in der Klasse von Sonja Korkeala. In den Augen ihrer Lehrerin ist sie vergleichbar begabt wie Julia Fischer, die heute auf den großen Bühnen der Welt zu Hause ist und vor einem Vierteljahrhundert ebenfalls bei Korkeala studiert hat. Zu Recht gab es für alle Musiker viel Beifall, der zugleich Ansporn sein dürfte.