Fürstenfeldbruck Maulkorb für Sparkassenkritiker

Sparkassenchef Klaus Knörr fand einen Flyer, der den Abend des Sparkassenkritikers ankündigte.

(Foto: Günther Reger)

Rainer Gottwald soll in Fürstenfeldbruck auftreten. Das missfällt dem Brucker Bankchef. Er beschwert sich. Daraufhin streicht ein städtischer Mitarbeiter die Veranstaltung

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Sparkasse Fürstenfeldbruck hat einen Auftritt ihres Kritikers Rainer Gottwald in der Stadt verhindert. Aufgrund einer Beschwerde des Vorstandsvorsitzenden der Bank, Klaus Knörr, hat ein Sachgebietsleiter aus dem Rathaus den Veranstalter vom Sozialforum Amper am Mittwoch erklärt, dass die Räume im Bürgerpavillon nicht zur Verfügung stünden. Als Grund dafür wurde genannt, dass das Sozialforum die Sparkasse nicht eingeladen habe. Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) bedauerte den Vorgang. "Der Mitarbeiter hat vorschnell gehandelt", sagte sie der SZ.

Rainer Gottwald vom Bürgerforum in Landsberg hat sich als scharfer Kritiker der Sparkassen schon einen Namen gemacht. Am Donnerstag sollte er im Bürgerpavillon im Brucker Westen über die anvisierte Fusion der Institute von Bruck, Dachau und Landsberg sprechen. Er stellt diesen Zusammenschluss in Frage. Insbesondere rügt Gottwald, dass die Vorstände und Aufsichtsräte der Sparkasse, deren Gesellschafter die Stadt und der Landkreis sind, einen ordentlichen Gehaltssprung machen würden, wie es in einem Flyer des Sozialforums heißt.

Darin wird Gottwald mit den Worten zitiert, hinter der Fusion stecke eine "menschenverachtende Geldgier". In dem Papier wird aber auch darauf hingewiesen, dass Sparkassen und Politiker, darunter Landrat Thomas Karmasin (CSU), der Aufsichtsratsvorsitzende des Geldinstituts, Gottwald vorwerfen, mit seinen Berechnungen falsch zu liegen.

Die Veranstaltung ist seit längerer Zeit im offiziellen Veranstaltungskalender der Stadt angekündigt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Sparkasse griff aber erst zum Telefonhörer, als Flyer des Sozialforums in seinem Haus auftauchten. Knörr bestreitet, dass er von der Stadt verlangt habe, die Veranstaltung abzusagen, die er als tendenziös, einseitig, manipulativ und agitatorisch kritisierte. Er habe sich nur erkundigt, ob für eine solche Veranstaltung in städtischen Räumen inhaltliche Kriterien gelten und darauf hingewiesen, dass das Sozialforum die Sparkasse als Betroffene nicht gefragt habe, ob sie an der Debatte teilnehmen wollte.

Auf die Frage, ob ein Vertreter der Sparkasse sich denn der Diskussion mit Gottwald stellen würde, meinte Knörr: "Das weiß ich nicht." Zu dessen Vorwürfen gebe es zwar einiges zu sagen, es sei aber "die Frage, ob man Gottwald aufwertet, in dem man sich zu ihm auf die Bühne setzt".

Als der Sparkassenchef im Rathaus anrief, war der Chefsessel gerade vakant. Der regierende Zweite Bürgermeister Erich Raff (CSU) ist im Urlaub, Stadtrat Franz Neuhierl (FW), der ihn vertreten sollte, war gerade nicht im Haus. Also wurde Knörr mit Michael Maurer verbunden, Leiter der Abteilung für Bildung, Sport, Jugend und Senioren, dem der Bürgerpavillon zugeordnet ist. Maurer setzte sich anschließend mit Harald Buwert vom Sozialforum in Verbindung. Buwert erzählte der SZ, Maurer habe ihn am Mittwochmorgen angerufen und gesagt, er könne den Raum nicht freigeben, weil das Sozialforum keinen Vertreter der Sparkasse zu der Veranstaltung eingeladen habe.

Maurer wollte sich dazu gegenüber der Presse nicht äußern, die Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) bestätigte aber am Donnerstag den Vorgang. Sie wollte zwar nicht von einem Veranstaltungsverbot sprechen, räumte aber ein, dass Maurer erklärt habe, so könne der Abend nicht stattfinden. "Ich hätte so nicht gehandelt", stellte die Dritte Bürgermeisterin klar, meinte allerdings auch, es wäre angebracht gewesen, wenn das Sozialforum die Sparkasse eingeladen hätte.

Ein weiterer Aspekt ist, dass der Vorgang rechtswidrig scheint. Denn das Sozialforum hat einen Überlassungsvertrag für die Räume im Bürgerpavillon für zwei Abende pro Woche, ist also quasi Mieter. Dem Vertrag zufolge sind nur Veranstaltungen parteipolitischen oder religiösen Charakters untersagt. Sparkassenkritik fällt weder unter die eine noch unter die andere Rubrik, bestätigte Geißler.

Welche Konsequenzen das Vorgehen für Maurer haben wird, ist offen. Das müsse der amtierende Bürgermeister Raff entscheiden, sagte Geißler. Hingegen kündigte Knörr an, dass die Auslage des Flyers in den Räumen der Bank ein Nachspiel haben werde. Buwert sagte dazu, er wisse nicht, wer die Blätter dort ausgelegt habe. Das Sozialforum werde auf jeden Fall die Veranstaltung mit Gottwald demnächst in anderen Räumen nachholen.