Fürstenfeldbruck Hilfe im Behördendschungel

Die Soziallotsen der Brucker Brücke wollen helfen, sich im Umgang mit Ämtern oder Institutionen besser zurecht zu finden

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

In der Stadt gibt es ein neues Beratungsangebot für Menschen mit Beeinträchtigungen, Senioren, Jugendliche, Erwerbslose und sozial Benachteiligte. Unter den Namen "Soziallotsen" will die neue Initiative "Brucker Brücke" helfen, die im Kontakt mit Behörden, Verwaltungen und Institutionen Schwierigkeiten haben. Die Lotsen helfen beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen oder erklären, an wen man sich bei Problemen wenden kann. "Wir vermitteln zu örtlichen Verbänden und Institutionen", erklärt Harald Buwert.

Die Brucker Brücke ist ihm zufolge eine Initiative mit einem "Kernteam" aus drei Leuten: Buwert selbst, Alfred Pichler und Jörn Weichold. Seit einem Monat habe die Initiative nicht nur einen Namen, sondern auch ein Konzept und ein Selbstverständnis. Der Hans-Kiener-Stiftung habe die Idee gefallen, weshalb sie der Brucker Brücke einen Raum zur Verfügung stellt. Die gemeinnützige und mildtätige Stiftung unterstützt lokale soziale Projekte in der Stadt Fürstenfeldbruck und Umgebung.

Soziale Projekte zu koordinieren, vernetzen, was es schon gibt, und selber anbieten, was fehlt - das ist das Konzept der Brücken-Initiative. Neben den Soziallotsen sind das im Moment zwei Dinge, wie Buwert erklärt. Alfred Pichler lädt zu Open Source/Linux-Workshops ein. Dazu gibt es im Juli zwei Termine. Noch im Planungsstadium sind Begegnungen am Runden Tisch unter dem Titel "Demokra-Tisch". Dazu möchte Buwert monatlich Stadträte, soziale Akteure wie Ehrenamtliche einladen und mit ihnen über Stadt- und Landespolitik, soziale und ökologische Fragen, solidarische Gemeinwirtschaft und demokratische Bürgerbeteiligung sprechen. Diese Gespräche sollen einmal pro Monat stattfinden, die Ergebnisse als Videos öffentlich gemacht werden.

Auch einzelne Menschen will die neue Initiative in den Blick nehmen: Mit den Formaten "Menschenleben" und "Menschenwürde konkret". Dabei will Buwert Videos mit und über Menschen aus der Region drehen. Sie sollen in kurzen Interviews zu Wort kommen. Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen sollen über Arbeiten und Leben in Fürstenfeldbruck Auskunft geben. "In diesen Rahmen gehören auch Buchvorstellungen von Autoren aus der Region", erklärt Buwert.

Das Kernteam der Brucker Brücke kennt sich aus anderen Initiativen, namentlich dem Bündnis "Fürstenfeldbruck im Wandel", das sich eigenen Angaben zufolge kreativ für ein gemeinwohlorientiertes Leben einsetzt. Zwar gibt es schon einige Initiativen mit ähnlicher Zielsetzung, doch Buwert sieht Bedarf darin, diese zu vernetzen. Der Rentner hat selbst schon viel organisiert, etwa Proteste gegen das Freihandelsabkommen TTIP und den Kulturraum Fürstenfeldbruck. Pichler ist bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB aktiv, und Weichold ist Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung der Stadt. In dieser Funktion habe Weichold immer wieder erfahren, dass trotz aller Angebote von anderen Organisationen wie dem VdK oder der Caritas Menschen nicht wüssten, an wen sie sich wenden können, wenn sie etwa jemanden brauchen, der ihnen beim Ausfüllen von Anträgen oder Ähnlichem hilft. Hier sollen die Soziallotsen einspringen.

Zunächst bietet der Behindertenbeiratsvorsitzende Weichold seine Dienste als Soziallotse an: Am Montag, 9. Juli, persönlich im Beratungsraum in der Münchner Straße 5, linkes Quergebäude im Hof neben Elektro Schröder, und am Montag, 16. Juli, telefonisch. Im August finden laut Buwert keine Beratungen statt. Im September werde man sehen, wann man neue Termine anbieten könne und wie gut der Service angenommen wird. "Es ist ein Experiment." Wer mitmachen will, kann sich per E-Mail an aktiv@ffbaktiv.de melden.

Soziallotsen - Erstberatung bei Schwierigkeiten mit Behörden, Verwaltungen und Institutionen. Persönlich am Montag, 9. Juli, von 17.30 bis 20 Uhr, Münchner Straße 5. Telefonische Beratung am Montag, 16. Juli, 18.30 bis 20 Uhr unter 01577/108 56 41.