Fürstenfeldbruck Gangsterlimousine trifft Polizeiauto

Mehr als 10 000 Besucher kommen zu den zehnten Oldtimertagen in Fürstenfeld. Sie sehen aufwendig restaurierte Schmuckstücke und treffen Liebhaber wie Herbert Knöbl. Der chauffiert spaßeshalber Fahrgäste in seinem BMW V8 und hat immer eine Abschleppstange dabei

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Alte Autos haben keinen Kat, kein ABS, oft nicht mal Sicherheitsgurte. Sie sind hemmungslose Säufer und fahrdynamische Katastrophen. Aber alte Autos und Motorräder duften nach Leder und Schmiere, reizen mit Chrom und Speichen und analogen Rundinstrumenten, mit ehrlich zitternden Zeigern, klingen wunderbar, sind einfach schön und erinnern an eine längst vergangene Zeit, in der man in jungen Jahren selbst einen Renault 4, einen BMW 1502 oder einen Mercedes 220 Diesel gefahren hat - damals, als diese Fahrzeuge noch gar nichts Besonderes waren. So oder ähnlich mögen es viele der mehr als 10 000 Besucher gesehen haben, die am Samstag und Sonntag zur zehnten Auflage der Oldtimertage Fürstenfeld gekommen sind.

Die weltweit erste Serienproduktion: Auf der Wiese hinter dem Fürstenfelder Restaurant parkt ein Ford "Tin Lizzy", Modell A, aus dem Baujahr 1929.

(Foto: Günther Reger)

Natürlich gibt es da die Luxuslimousinen, die Raritäten, die fachmännisch restauriert worden sind. Auf der Waaghäuslwiese und in der Tenne stehen die blitzblanken Prachtstücke Haube an Haube, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Manchmal sind es aber auch die alten, authentisch angerosteten Autos, die die größte Magie ausstrahlen. So steht in der Tenne ein makelloser Citroën ID 19 - die Cabriovariante der aus Kriminalfilmen bekannten, avantgardistischen "Gangsterlimousine" aus Frankreich. Einzigartige Linienführung, Auto ohne Ende, dunkelroter Lack, makellos und wie geschaffen für den Showroom: ein Traum, der für 125 000 Euro zu haben ist. Ganz hinten auf der Waaghäuslwiese steht ein ähnliches Modell. In die Jahre gekommen, hier und da ausgebessert. Aber diese Variante der Technik- und Design-Ikone, der DS 23, steht mit seinen Rädern noch fest auf der Straße. Seit 1973 bügelt seine hydropneumatische Federung jedes Schlagloch weg und seine Scheinwerfer blicken dank Seilzugsteuerung tief in jede Kurve. Das Auto macht keinen Hehl daraus, dass es in die Jahre gekommen ist. Und die Besitzer, die in einem kleinen runden Wohnwagen sitzen, machen keinen Hehl aus ihrer innigen Beziehung: Unverkäuflich! Gleiches gilt für viele VW Käfer, Porsche, Landrover, Willy's Jeeps, Corvette Stingrays, Chevrolet Bel Air Convertibles, Ford Tin Lizzys oder auch den von Andy Warhol angemalten BMW M1, der 1979 beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans mit Manfred Winkelhock hinterm Steuer auf Platz sechs landete. Manche sind auch zu haben - weil der Besitzer eine neue Liebe entdeckt hat und für diese den Platz in der Garage braucht.

Blickfang: Eine Harley Davidson ist für viele Motorradbegeisterte nach wie vor der größte Traum.

(Foto: Günther Reger)

Herbert Knöbl hat es da besser. Der früher in Puchheim praktizierende und heute in Penzberg lebende Zahnarzt hat kein Platzproblem. Deshalb muss keiner seiner 25 Oldtimer weichen. Der 73-Jährige frönt seiner großen Leidenschaft. "Wahrscheinlich können junge Menschen so was nicht nachvollziehen", sagt er. Nach Fürstenfeld gekommen ist er mit einem nachtschwarzen BMW V8 502 - bekannt als Polizeiauto aus der Fernsehserie Isar 12. So einer diente Bayerns Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner als Dienstwagen. Wenn's darauf ankäme, würde Hoegner freilich in Knöbls Auspuff blicken. In dessen Auto, Baujahr 1960, wurde nämlich ein 3,2-Liter-Motor aus dem Modell "V-8-Super" eingepflanzt, und deswegen schafft der mit 170 PS glatte 200 Sachen. Vor 26 Jahren kaufte Knöbl dem Automuseum Amerang das gute Stück ab. Er wollte 4000 Mark reininvestieren, daraus wurden dann um die 24 000 Euro. Entschädigt werde man, wenn man einsteige - "dann schlägt mein Herz gleich höher". Denn "wenn er fährt, dann fährt er göttlich, auch wenn's keine Servolenkung gibt", sagt Knöbl. Wenn es sehr heiß ist, dann bleibt er aber auch mal stehen. Für solche Fälle gehört eine Abschleppstange im Kofferraum zum festen Inventar. Am Sonntag hätten notfalls auch die vier Passagiere den V8 anschieben können, die Knöbl am Stand des Deutschen Automobil-Veteranenclubs regelmäßig für 20-minütige Gratis-Ausfahrten an Bord nimmt. Philip Ostendorf reicht es, den knallgelben BMW 3,0 CSL im Stadtsaalhof anzuschauen und zu fotografieren. "Klassisch schöne Form" sagt der Eichenauer, der selbst bei BMW arbeitet und auch einen Oldtimer besitzt - einen Porsche 944.

Während sich sein Sohn Moritz, 4, eher für die ferngesteuerten Autos und eine Minidampflok interessiert, genießt es Ostendorf, zwischen all den Ständen zu flanieren, die alte Vergaser, Emailleschilder, Aufkleber, Werkstattbücher, Holzroller, alte Fahrräder, Zündkerzen oder Spezialwerkzeuge anbieten. "Tolle Veranstaltung", lobt er. Als Krönung donnert etwas später ein anderer Oldtimer über diese tolle Veranstaltung: Eine Antonov AN-2-Doppeldecker: Baujahr 1958, ihr 30-Liter-Neunzylinder-Sternmotor leistet 1000 PS. "Tante Anna" verbraucht an die 200 Liter pro Stunde. Im Vergleich dazu sind Chevrolet und Co. da unten doch ziemlich genügsam.