Fürstenfeldbruck Finanzexperte ermahnt Sparkasse

Klaus-Peter Ernst widerspricht Rainer Gottwald: Der Ex-Aufsichtsratschef der Volksbank Raiffeisenbank hat an einer Fusion nichts auszusetzen. Allerdings warnt er die Führungsgremien davor, sich dabei selbst zu bereichern

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Die Sparkasse ist auch ohne Partner für die Zukunft gerüstet. Dem überwiegend politisch besetzten Verwaltungsrat könnte es an Sachkenntnis fehlen, um sich den Wünschen der Bankvorstände zu widersetzen. Deren Bezüge und Pensionsansprüche würden im Fall einer Fusion ebenso in die Höhe schnellen wie jene der Verwaltungsräte. Die Zeche zahlen müssten die Beschäftigten. Zudem verfügt das stadt- und landkreiseigene Institut über genügend Reserven, um Überschüsse in Millionenhöhe auszuschütten. So lassen sich die Thesen von Rainer Gottwald zusammenfassen. Der Sprecher des Bürgerforums Landsberg hat am Montag den möglichen Zusammenschluss der Sparkassen Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg beleuchtet.

Im Zuge der Diskussion werden freilich auch Zweifel an Gottwalds Standpunkten laut. Zudem wird klar, dass Bruck - im Gegensatz zu Dachau - finanziell wohl von einer Fusion profitieren würde. Die Sparkasse selbst ist zwar ausdrücklich eingeladen worden, bei der Veranstaltung im griechischen Restaurant Parthenon offiziell aber nicht vertreten. Unter den etwa 60 Zuhörern, darunter auch nahezu die gesamten Stadtratsfraktionen von BBV und Grünen, sind der Leiter des Vorstandssekretariats der Sparkasse Dachau, der sich nicht zu Wort meldet, sowie offenbar aus persönlichem Interesse einige Brucker Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene. Für Wirbel gesorgt hatte die Stadt Fürstenfeldbruck, die den bereits am 2. März im städtischen Bürgerpavillon geplanten Vortrag auf eine Beschwerde von Sparkassenchef Klaus Knörr hin abgesagt hatte, weil die Sparkasse damals nicht namentlich eingeladen worden war. Gottwald war mit einem ähnlichen Vortrag bereits Mitte Januar in Dachau aufgetreten.

In ganz Deutschland schließen sich zunehmend Sparkassen zu größeren Verbünden zusammen. Als Grund werden meist großer Wettbewerbsdruck, niedrige Zinsen und europaweite Regulierungen genannt.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Auch in Bruck wirkt er zurückhaltend, Belastungseifer ist ihm nicht anzumerken. Der 71 Jahre alte frühere Controller gilt dennoch als einer der sachkundigsten und hartnäckigsten Kritiker der Sparkassen, auch wenn er beteuert: "Ich bin glühender Vertreter des Sparkassensystems, aber ich kämpfe gegen den Wildwuchs." Er räumt zwar ein, mit seinen Berechnungen in der Vergangenheit manchmal daneben gelegen zu sein, fühlt sich aber durch aktuelle Zahlen, die ihm teils zugespielt worden und teils durch neue EU-Vorschriften zugänglich gemacht worden sind, gut gerüstet für eine Debatte. Im früheren CSU-Stadtrat und Finanzreferent von Stadt sowie Kreis, Klaus-Peter Ernst, findet er am Montag einen ebenbürtigen Gegenspieler. Ernst war von 1983 bis 2009 Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck und hat 2001 die Fusion der Genossenschaftsbanken Olching, Germering und Fürstenfeldbruck überwacht. Gerade die wieder im Steigen befindlichen Zinsen bringen Ernst zufolge die Sparkasse sehr wohl in Schwierigkeiten. Durch eine Fusion und die weitere Aufstockung der Rücklagen könnten diese gemeistert und Risiken besser verteilt werden. Gottwald hingegen will sich nicht mit den Spenden für wohltätige Zwecke zufrieden geben und plädiert für eine Ausschüttung an Landkreis und Stadt. Beim Kernkapital, also dem "Sicherheitspolster", liegt die Brucker Sparkasse deutlich über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlimit und im Feld der 71 bayerischen Institute auf Platz 39 (Dachau Platz 21., Landsberg Platz elf). Während aber München, Ingolstadt, Augsburg, Nürnberg und Regensburg Gewinn an ihre Eigentümer ausschütten, habe es der Verwaltungsrat im Landkreis erneut versäumt, die Sparkasse zur Ausschüttung von etwa 7,5 Millionen Euro für 2015 zu verpflichten. Und dies, obwohl Artikel 62 der Gemeindeordnung Kommunen verpflichte, vor dem Drehen an der Steuerschraube andere Finanzquellen auszuschöpfen. Hans-Jürgen Buber vom Sozialforum schlägt vor, in den Kauf von Mietwohnungen zu investieren, die wiederum als Sicherheit dienen könnten.

Eine Fusion lehnt Gottwald ab. Das Beispiel Moosburg, der Nummer eins im Sparkassenranking, zeige, wie erfolgreich eine selbständige kleine Sparkasse bis heute sein könne. Die Fusion bringe vor allem finanzielle Vorteile für Vorstände und Verwaltungsräte, gehe aber auf Kosten der Belegschaft, die reduziert werde oder längere Strecken pendeln müsse. Bekommt Fürstenfeldbruck die neue Zentrale des Dreierbundes, dann rechnet Gottwald dennoch mit einem Gewerbesteuerplus von bis zu fünf Millionen Euro für Bruck - sofern die sehr profitabel arbeitende Dachauer Sparkasse und die Stadt und Landkreis Dachau in Verhandlungen nicht noch eine Umverteilung durchsetzen. Hinter den Kulissen tobt offenbar längst ein Machtkampf um den Standort der künftigen Zentrale und den Posten des Vorstandsvorsitzenden.

Harald Buwert (links) und Hans-Jürgen Buber (rechts) vom Sozialforum Amper mit Referent Rainer Gottwald vom Bürgerforum Landsberg.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Klaus-Peter Ernst macht auf eine Nachfrage von Brucks Dritter Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne) darauf aufmerksam, dass Vorstände und Verwaltungsräte nach einer Fusion nur dann in deutlich höhere Gehalts- und Pensionsklassen aufsteigen, wenn sie nicht selbst ausdrücklich auf diese Zuwächse verzichten - so wie dies bei der Fusion der Genossenschaftsbanken einst festgelegt worden sei.

Gottwald ist sich mit Grünen-Kreisrat Martin Runge und mehreren Zuhörern einig in der Forderung, die Fusionsverhandlungen transparenter zu machen. Stadt- sowie Kreistag sollen ermutigt werden, sich einzuschalten und die Verwaltungsräte kritisch zu begleiten.

Der Vortrag von Rainer Gottwald kann vom neuen Informationsportal des Kulturraums Fürstenfeldbruck und des Sozialforums Amper unter www.ffbaktiv.de heruntergeladen werden.