Fürstenfeldbruck Ende einer Legende

Die Soko Tierschutz dokumentierte im Brucker Schlachthof den nicht erlaubten Einsatz von Elektroschockgeräten gegen Rinder. Durch einen Insider gelangte die Tierrechtlergruppe in den Besitz von Filmmaterial, das angeblich über Monate entstanden ist.

(Foto: OH)

Der Brucker Schlachthof muss nach Vorwürfen der Tierquälerei und mangelnden Hygiene den Betrieb einstellen. Die neue Geschäftsführung bemüht sich um die Wiederzulassung, erfüllt aber noch nicht die Auflagen

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

"Small is beautiful", lautet eine alte Parole der Umweltbewegung, die sich am Brucker Schlachthof blamiert hat. In dem Betrieb im Brucker Gewerbegebiet Hasenheide wurden überwiegend Tiere aus Ökobetrieben getötet. "Sachkundige Metzger garantieren eine ethische vertretbare und hochwertige Schlachtung", stand auf der Homepage. Zwei Jahrzehnte lang genoss die Schlachthof GmbH & Co KG bei Verbrauchern ein positives Image als erfolgreiches Projekt regionaler Erzeugung und Direktvermarktung. Bis die Soko Tierschutz Anfang Mai Videos veröffentlichte, die den Verdacht der Tierquälerei sowie von Verstößen gegen die Hygiene nahelegen.

Durch einen Insider gelangte die Tierrechtlergruppe in den Besitz von Filmmaterial, das angeblich über Monate entstanden ist. Die Aufnahmen sind klar und deutlich, die Metzger zum Teil deutlich erkennbar, es wurde aus verschiedenen Perspektiven und Einstellungen gefilmt. Zu sehen ist, wie ein Metzger mit Stiefeln über Schweine läuft, ein anderer tritt ein Schaf mit dem Stiefel gegen den Kopf, den das Tier zwischen die Gitterstäbe herausgestreckt hat. Zu sehen ist, wie der Schwanz eines Rindes umgebogen wird.

Die Soko warf den Betreibern vor, Elektroschocker, deren Einsatz von Bioverbänden untersagt wird, exzessiv einzusetzen. Tiere in Panik seien geschlagen und unnötig unter Stress gesetzt worden. Außerdem sei Munition, die für Rinder eingesetzt werden darf, für Kälber verwendet worden, sowie Starkstrom-Betäubungszangen für Schweine, um ein Rind anzutreiben.

Die Geschäftsführung um den Kreis- und Stadtrat Max Keil (ÖDP/UBP) verlegte sich kurzzeitig aufs Leugnen und die Stilisierung zum eigentlichen Opfer, wegen der Videoüberwachung. Nach drei Tagen brach diese Taktik zusammen. "Wir bedauern die Verfehlungen einzelner Mitarbeiter außerordentlich. Diese sind in keinster Weise zu rechtfertigen", hieß es in einer Erklärung. Die Schlachtungen wurden eingestellt, der Betrieb vom Landratsamt geschlossen. Die Soko Tierschutz erstattete Anzeige gegen Keil, den Betriebsführer, den Tierschutzbeauftragten des Unternehmens und zwei weitere Metzger, seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Der Obermeister der Brucker Metzgerinnung, Engelbert Jais, zeigte sich empört über die Vorgänge und kündigte einen Neuanfang an. Jais hat mit zwei Kollegen die Geschäftsführung übernommen, ein neues Metzgerteam rekrutiert und will die Auflagen der Behörden erfüllen, um die Zulassung wieder zu bekommen. Angeblich hat die GmbH & Co KG für Umbauten bereits 100 000 Euro ausgegeben. Die Regierung von Oberbayern war damit aber nicht zufrieden und forderte Nachbesserungen.

Recherchen der SZ ergaben, dass bei Kontrollen zwischen 2007 und 2017 immer wieder Verstöße gegen Hygiene und Schlachtordnung notiert wurden, die aber nicht als gravierend eingestuft wurden. Vorfälle, wie sie die Soko Tierschutz dokumentiert hat, wollen die amtlichen Kontrolleure nicht bemerkt haben. Die GmbH & Co. KG gehört insgesamt 80 Anlegern. Der Landkreis Fürstenfeldbruck hält als stiller Teilhaber mit mehr als 150 000 Euro einen Anteil von 21,4 Prozent.