Fürstenfeldbruck Das Schweigen des Bürgermeisters

Bei einer Diskussion im Eine-Welt-Zentrum gelingt es nicht, Erich Raff eine Stellungnahme zu entlocken. Dafür redet Philipp Heimerl

Von Karl-Wilhelm Götte, Fürstenfeldbruck

Es gibt in Fürstenfeldbruck keine öffentlichen Räume, die für Vereine oder Initiativen kostenlos und ohne Konsumzwang zur Verfügung stehen. Friedrich Meyer-Stach vom Sozialforum Amper und Harald Buwert (Kulturraum Fürstenfeldbruck) würden das gerne ändern. Sie konfrontierten Stadträte und vor allem die Kandidaten für die anstehende Oberbürgermeisterwahl im Eine-Welt-Zentrum mit ihrem Anliegen. Es war die zweite Gesprächsrunde der Organisatoren mit gewählten Vertretern der Stadt und Bürgern zu einer "demokratischen Stadtkultur", bei der der anwesende Oberbürgermeister-Kandidat Erich Raff (CSU) wider Erwarten nicht mitreden wollte.

Erich Raff notierte zwei Stunden lang fleißig, beteiligte sich aber nicht an der Diskussion zu verschiedenen Themen, die Meyer-Stach und Buwert anstießen. "Ich bin gekommen, um zuzuhören, eine Stellungnahme bekommen Sie von mir nicht", antwortete Raff auf eine entsprechende Bitte der SZ. Auch die Kandidatin Elisabeth Staffler schwieg sich aus. "Uns fehlen Räumlichkeiten in dieser Stadt", bekräftigte Meyer-Stach vor den etwa 20 Besuchern. Im Lichtspielhaus habe man die komsumorientierte Variante gewählt, um die Betriebskosten einzuspielen. Er hoffe, dass im Rahmen der Bebauung des Viehmarktplatzes solche "Orte der kulturellen, sozialen und generationenübergreifenden Vielfalt und des nachbarschaftlichen Miteinanders" entstehen. Für Meyer-Stach und Buwert wären dies auch notwendige Orte der "Entfaltung des menschlichen Kreativpotenzials". Dies könnten auch ein "offenes Kulturhaus" oder Stadtteilbüros für die geschätzten 40 Vereine und Gruppierungen in der Kreisstadt sein.

"Mir fällt kein Ort ein, wo das geht", griff Philipp Heimerl, Kandidat der SPD, in die Diskussion ein. Den Bedarf sehe er, aber es sei auch eine Frage des Geldes. "Ins Blaue hinein etwas anzumieten", hielt er für schwierig. Grünen-Fraktionsvorsitzende Karin Geißler erinnerte an das "Café" in der Volkshochschule (VHS) am Niederbronner Weg, das vielleicht Versammlungsmöglichkeiten biete. SPD-Stadträtin Gabriele Fröhlich hielt das für ungeeignet, weil es sich dort lediglich um ein Foyer mit Durchgang zu Büros handele. "Das ist kein Café", bekräftigte Fröhlich. Sie schlug den Bogen zum fernen Paris, wo die ehemaligen Markthallen umgebaut wurden und dort auch Bürgerräume entstanden sind. Diese Perspektive im kleinen Rahmen sah Thomas Brückner vom Bund Naturschutz beim zukünftigen Viehmarktplatz gegeben.

Auch zum Thema Grün- und Blühflächen sowie Erhaltung der Stadtnatur äußerte sich von den OB-Kandidaten nur Heimerl, der dieses Anliegen unterstützte. "Nicht nur die Erhaltung von Bäumen ist wichtig, auch Bienenhaltung vor dem Haus wäre ein Thema", so Heimerl. Geißler bemängelte, dass der Stadtrat, wenn es konkret werde, nicht auf die Einhaltung des Bebauungsplans bestehe. Als Beispiel nannte sie das Bauprojekt der Firma Vilgertshofer hinter der Hauptstraße, "wo wieder mehr Bäume gefällt worden sind, als der Bebauungsplan festgelegt hat". Geißler sicher: "Der Abwägungsprozess endet immer zu Lasten der Bäume." Christian Horger plädierte dafür, den Hauseigentümern den Freiraum zu lassen, Bäume zu fällen: "Viele Menschen fühlen sich psychisch beeinträchtigt, wenn es zu dunkel wird." Thomas Brückner schrieb dagegen den anwesenden Stadträten den Baumschutz nachhaltig ins Stammbuch: "Ihr als Stadträte habt die Möglichkeit zu entscheiden, schützen wir die Baume oder nicht."

Piraten-Stadtrat Andreas Ströhle berichtete der Versammlung über den Stand einer Informationsfreiheitssatzung, also den Zugang der Bürger zu allen Informationen des Stadtrates, die nicht der Geheimhaltung oder triftigen Datenschutzgründen unterliegen. Die entsprechende Mustersatzung werde gerade überarbeitet und gerichtsfest gemacht. Ströhle rechnet mit der Zustimmung aller Fraktionen zu dieser Satzung. Ein sogenannter "Bürgerhaushalt", den die FFB-Aktiv-Organisatoren als Thema einbrachten, scheint in Bruck ein sehr fernes Ziel zu sein. Dafür wird eine Summe aus dem Stadtetat an eine Art Bürgerparlament übergeben, das dann über die Verwendung des Geldes frei entscheiden kann. "Das ist ein interessantes und spannendes Konzept, über die Details müsste man sich noch unterhalten", sagte Heimerl.