Kreistag steht zum ortsansäßigen Betrieb Das Schlachten geht weiter

Der wegen Verstößen gegen den Tierschutz geschlossene Fürstenfeldbrucker Betrieb soll am 2. Oktober wieder eröffnet werden. Die Leitung wird neu mit Metzgern besetzt, die Gesellschaftsform bleibt aber die alte

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Der nach dem Bekanntwerden von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz im Mai geschlossene Schlachthof von Fürstenfeldbruck soll am 2. Oktober unter neuer Leitung, aber in der bisherigen Gesellschaftsform wieder eröffnet werden. Wie am Donnerstag in der Kreistagssitzung berichtet worden ist, hatte die Gesellschafterversammlung vor einigen Tagen eine aus drei Metzgern bestehende neue Geschäftsführung gewählt, die den mittelständischen Betrieb unter einem neuen Namen weiterführen wird. Um welche Metzger es sich handelt, wurde nicht gesagt. Auch eine neue Leitung ist bestimmt worden.

In der Gesellschafterversammlung vertrat Kreisrat Hubert Ficker (CSU) den Landkreis. Dieser ist an der Brucker Schlachthof GmbH und Co.KG als stiller Gesellschafter am Stammkapital mit genau 153387,57 Euro beteiligt. In dieser Funktion kann der Landkreis weder Einfluss auf die Geschäftstätigkeit oder Leitung ausüben, noch in das operative Geschäft eingreifen. Mit der 1996 beschlossenen Einlage von damals 300 000 Mark wollte der Landkreis lediglich einen Beitrag zur Finanzierung des Schlachthofneubaus leisten. Die stille Beteiligung als sogenannter Investitionszuschuss war vor zwei Jahrzehnten vom Kreistag bewusst gewählt worden, um ein Zeichen zum Erhalt eines wichtigen, ortsansässigen Betriebs zu setzen und die Selbstvermarkter unter den Landwirten zu stärken. Zu diesem Ziel steht die große Mehrheit des Kreistags nach wie vor, was alle Redner betonten. Ohne dies näher zu begründen, bezeichnete es Landrat Thomas Karmasin (CSU) als unmöglich, eine neue Gesellschaftsform mit mehr Mitspracherecht für den Landkreis anzustreben. Etwaige kriminelle Handlungen wären zudem nie den Büchern oder Geschäftsberichten zu entnehmen.

Unmittelbar nach der Schließung des Schlachthofes hatte die SPD-Fraktion angeregt, der Landkreis solle seine kommunalen Beteiligungsrechte in Zukunft wirkungsvoller ausüben, um künftig Missstände wie die von der Soko Tierschutz aufgedeckten zu verhindern. Über die Möglichkeit, die Verträge zu ändern und dadurch mehr Einfluss zu gewinnen, wurde am Donnerstag nicht mehr diskutiert. Auch nicht über die Option, die stille Einlage zu erhöhen. Beschlüsse wurden keine gefasst.

Hubert Ficker warb in seinem mündlichen Bericht von der Gesellschafterversammlung dafür, die stille Beteiligung beizubehalten. Der Kreisrat der CSU riet zudem in Hinblick auf die Verstöße gegen Tierschutzauflagen dazu, keine Vergangenheitsbewältigung zu betreiben, sondern der neuen Geschäftsführung Vertrauen entgegenzubringen. Schließlich sei ein erfolgreicher Schlachthof für alle wichtig. Im Punkt Vergangenheitsbewältigung widersprach Kathrin Sonnenholzner (SPD) Ficker. Dies müsse sein, sagte sie, damit "das Vertrauen der Verbraucher wiederhergestellt wird". Und sie wies darauf hin, dass der Schlachthofskandal zu Einbrüchen bei den Direktvermarktern geführt habe. Und zwar nicht nur bei Fleischprodukten, sondern auch im vegetarischen und veganen Bereich. Die aufgedeckten Verfehlungen bezeichnete die SPD-Politikerin als kriminell.

Der frühere Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer (CSU) zeigte sich erfreut darüber, dass nun das professionelle Metzgerhandwerk an der Spitze des Schlachthofes steht. Während Martin Runge (Grüne) daran erinnerte, der Grund für das Engagement des Landkreises und der Bevölkerung sei vor 20 Jahren die Stärkung der Direktvermarkter gewesen, die Metzger seien erst später aufgesprungen. Reinhold Bocklet (CSU) befürwortete, dass künftig professionelle Metzger mit einem Meisterbrief eine "professionelle Aufsicht" gewährleisten. Das sei eine sinnvolle Lösung, ohne die Direktvermarkter auszuschließen. Die Probleme, die die Schließung nach sich zogen, führte der ehemalige Landwirtschaftsminister "laienhaft" auf Probleme mit der Aufsicht zurück. Er erinnerte auch daran, das Metzger-Schlachthofprogramm zum Bau des Brucker Betriebs in seiner Amtszeit als Minister entwickelt zu haben. Alle der damals geförderten und von Metzgern geführten Schlachthöfe arbeiteten erfolgreich. Der in Fürstenfeldbruck sei der einzige gewesen, mit dem es Probleme gab.