Fürstenfeldbruck Bunker mit strahlendem Kern

Nur ein paar Meter von der Kreisklinik entfernt soll im März ein auf Krebsbehandlungen spezialisiertes Ärztehaus eröffnen

Von Stefan Salger

Das Herzstück liegt unter der Erde, hat 1,80 Meter dicke, strahlenundurchlässige Wände und Decken und wird deshalb schon mal flapsig "der Bunker" genannt. Es ist der Bestrahlungsraum des neuen Ärztehauses, der bis zu fünf Meter in die Tiefe reicht. Am Montag wurde das 3,3-Millionen-Euro-Projekt, das sich nach dem Baubeginn im November zurzeit noch im Rohbaustadium befindet, vorgestellt. Den Betrieb aufnehmen werden die beiden in dem Gebäude an der Adolf-Kolping-Straße untergebrachten Praxen für Strahlentherapie sowie Hämatologie-Onkologie voraussichtlich im März, fünf Tage pro Woche soll geöffnet werden.

Noch eine Baustelle: das künftige Ärztehaus neben der Kreisklinik.

(Foto: Johannes Simon)

Dann dürfte für viele Krebspatienten eine neue Zeitrechnung beginnen. Denn bislang fehlte im Landkreis eine solche Einrichtung. Und was das bedeutete, erläuterte Facharzt Martin Thoma: 60 Prozent der Krebspatienten erhalten eine Strahlentherapie. Fünf bis acht Wochen lang müssen sie täglich zur ambulanten Behandlung in die Praxis kommen, 30 bis 40 Sitzungen sind die Regel. Thoma betreibt bereits seit 2007 eine Praxis für Strahlentherapie in Nymphenburg am Klinikum Dritter Orden. Und dorthin kamen auch regelmäßig Patienten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Nach der Eröffnung der neuen Praxis, die Thoma ebenfalls gemeinsam mit Beatrice Schymura leiten wird, bleibt diesen nun der lange Anfahrtsweg erspart. Zudem profitieren sie von der räumlichen Nähe zur hämato-onkologischen Gemeinschaftspraxis mit Hauptsitz Pasing, die von der am Klinikum beschäftigten Oberärztin Petra Seufert gemeinsam mit fünf weiteren Gesellschaftern geführt wird. Und auf der anderen Seite der Polzstraße liegt die Kreisklinik, die Patienten im Bedarfsfall auch stationär aufnehmen kann und zu deren Fachabteilungen - wie Gastroenterologie, Urologie, Frauenklinik und Palliativstation - enge fachliche Verbindungen bestehen. Ziel ist es nach Seuferts Worten, eine möglichst schonende und nahtlose "Behandlung aus einer Hand" anbieten zu können.

Für Krankenhauschef Stefan Bauer ist das von der Klinik in Auftrag gegebene Ärztehaus ein wichtiger Baustein bei der Weiterentwicklung der onkologischen Versorgungsstrukturen im Landkreis und stärkt zudem den Standort Fürstenfeldbruck. Auch deshalb, weil der Bedarf an Behandlungen von Krebserkrankungen zunimmt. Das liegt zum einen schlicht an der Demographie - denn ältere Menschen sind anfälliger für solche Krankheiten. Zum anderen gibt es große Fortschritte bei Früherkennung, Vorbeugung und Therapie und damit gestiegene Chancen, eine solche Krebserkrankung auch erfolgreich und damit lebenserhaltend zu behandeln.

Bereits 2007 hatte es erste Überlegungen gegeben, die Klinik um ein Ärztehaus zu erweitern. Die Planungen verzögerten sich, weil damals noch nicht klar war, ob man der ebenfalls geplanten psychiatrische Klinik in die Quere kommen könnte. Diese wird nun aber im Haeuslerpark gebaut. Das Gebäude ist dreigeschossig, 24 Meter lang, gut zehn Meter breit und verfügt über ein Satteldach.