Fürstenfeldbruck An der Schwelle zum Turbo-Internet

Die Telekom will in Fürstenfeldbruck mehrere Millionen Euro in ein fein verästeltes Glasfaser-Netz investieren. Voraussetzung ist aber, dass genügend Hausbesitzer und Kunden bereit sind, sich vertraglich zu binden

Von Stefan Salger

Fürstenfeldbruck - Teile der Kreisstadt könnten von Anfang Januar 2013 an ein fein verästeltes Glasfasernetz angeschlossen werden, das bis dato nicht erreichbare Geschwindigkeiten bei der Datenübertragung ermöglichen würde. Voraussetzung ist allerdings, dass eine ausreichende Anzahl von Haus- und Grundbesitzern der Telekom erlaubt, entsprechende Leitungen zu verlegen und genügend Kunden vertraglich an den Konzern zu binden.

Glasfaserkabel für ein neues Hochgeschwindigkeits-Breitbandnetz, das die Telekom in Fürstenfeldbruck  anbieten möchte.

(Foto: Robert Haas)

Nur dann, so Peter Heider, der bei der Telekom für den Glasfaserausbau in der Münchner Region zuständig ist, wird das Projekt umgesetzt, das sich der Anbieter mehrere Millionen Euro kosten lassen will. Eine Entscheidung wird frühestens Ende 2012 fallen. Im Fürstenfeldbrucker Rathaus äußerte sich Heider am Montag zuversichtlich, dass es eine ausreichende Nachfrage nach Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 (Heraufladen) bis 200 (Herunterladen) Megabit pro Sekunde gibt, vor allem für Fernseh- und Internetanwendungen. OB Sepp Kellerer (CSU) sieht das ähnlich: "Das ist ein Schritt in die Zukunft, den wir gehen müssen." Kellerer mahnte gleichwohl einen künftigen Anschluss der Gebiete an, die in den Planungen der Telekom aus Kostengründen zumindest vorerst ausgespart werden. Auch dass sich das Angebot ausschließlich an Privatkunden richtet, sei auf Dauer kaum hinnehmbar. Wirtschaftsbetriebe seien dringend auf schnelle Datenleitungen angewiesen und dürfen nach Auffassung des OB nicht abgekoppelt werden. Kellerer quittierte vor allem die unzureichenden Bemühungen von Bund und Land um eine flächendeckende Versorgung mit Hochgeschwindigkeitsinternet mit Unverständnis.

Werden die Voraussetzungen freilich nicht erfüllt, dann wird auch kein Mitarbeiter des mit fast 130 Millionen Mobilfunkkunden sowie 33 Millionen Festnetz- und mehr als 17 Millionen Breitbandanschlüssen größten deutschen Telekommunikationsdienstleisters den Spaten in die Hand nehmen. Ziel ist es, bis November 2013 die Glasfaserkabel nicht nur wie bisher zu den Verteilerstationen am Straßenrand zu führen, sondern auch über die letzten, in die Wohnung führenden Meter bis in die Telefonbuchse. Kupfer- werden dabei durch störungsunempfindlichere Glasfaserkabel ersetzt. Die als "Fibre to the Home" (FTTH) bezeichnete Technik ermöglicht nahezu verlustfreie, optische Datenübertragung in Lichtgeschwindigkeit.

Das Gebiet für die erste Ausbaustufe soll 1500 Gebäude mit 6500 Haushalten umfassen. Damit würden knapp die Hälfte der Haushalte im Stadtgebiet zum Zug kommen. Andere Anbieter könnten nachziehen. So wirbt auch Telekom-Konkurrent Kabel Deutschland, der Daten übers Fernsehkabel überträgt, mit 100-Megabit-Verbindungen - freilich ebenfalls nur in ausgewählten städtischen Bereichen.

Abgesteckt wurde das Anschlussgebiet, das sich wie ein Flickenteppich über mehrere Stadtteile erstreckt, unter Berücksichtigung von Faktoren wie der Baudichte oder bereits vorhandenen Leerrohren. Den Zwang zur Wirtschaftlichkeit begründete der Telekom-Sprecher auch damit, dass es weder von der Stadt noch von anderen öffentlichen Stellen Zuschüsse gibt.

Deshalb pocht die Telekom auch darauf, dass mindestens 80 Prozent der Hauseigentümer in dem geplanten Anschlussgebiet der kostenlosen Verlegung von Leitungen auf dem Grundstück und im Gebäude zustimmen und darüber hinaus auch mindestens zehn Prozent der Kunden ihre Bereitschaft erklären, die entsprechenden Produkte für eine Mindestvertragslaufzeit von üblicherweise 24 Monaten zu buchen. In den kommenden Tagen wird den betreffenden Bewohnern ein Schreiben der Stadt zugehen, in dem über das Projekt informiert wird.

Peter Heider von der Telekom will sich nicht auf den exakten Preis der Angebote für die Endverbraucher festlegen, rechnet aber mit monatlichen Kosten von 50 bis 60 Euro für Telefon- und Internetflatrate und Fernsehen. Damit soll die Tür geöffnet werden fürs ultraschnelle Herunterladen von Videos, das Zusammenschalten von Computern (Cloud Computing) sowie dreidimensionales oder zeitversetztes Fernsehen auf mehreren Geräten gleichzeitig.

In späteren Ausbaustufen ließe sich die Geschwindigkeit der Datenübertragung sogar auf bis zu 1000 Megabit pro Sekunde steigern - zum Vergleich: herkömmliches DSL schafft bestenfalls 16 Megabit. Wer sich jetzt entscheide, so Heider, profitiere in der Einführungsphase von günstigeren Konditionen. Hausbesitzer können sich auch später noch anschließen lassen. Dann aber müssen sie dafür bezahlen.

Fürstenfeldbruck war nach Kriterien wie wirtschaftliches Potenzial sowie Gebäude- und technische Infrastruktur als möglicher Modellstandort ausgewählt worden. Während entsprechende Projekte in Erlangen und Münster wegen unzureichender Kundenanmeldungen wieder fallen gelassen wurden, haben beispielsweise die Bauarbeiten in Freising bereits in diesem Frühjahr begonnen.