Fürstenfeldbruck Alarmiertes Krankenhauspersonal

Um den Fortbestand in öffentlicher Hand zu sichern, will die Kreisklinik mit zwei Partnern kooperieren. Mitarbeiter argwöhnen, das laufe doch nur wieder auf mehr Arbeit für weniger Mediziner und Pflegekräfte heraus

Von Andreas Ostermeier und Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Das Fürstenfeldbrucker Klinikum verfügt über ein breites Spektrum an medizinischen Abteilungen.

(Foto: Günther Reger)

Unter der Belegschaft der Brucker Kreisklinik herrscht Verunsicherung. Grund ist die bereits fortgeschrittene Prüfung eines Klinikverbundes. Die Einrichtungen in Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech und Weilheim-Schongau könnten durch eine verstärkte Kooperation, so die Hoffnung der Vorstandsetagen, künftig Synergieeffekte erschließen. Ziel dürfte es auch sein, ineffiziente Doppelstrukturen möglichst zu vermeiden.

Die Klinikleitungen knüpfen daran die Hoffnung auf eine Bestandssicherung in öffentlicher Hand. Hinter dem Projekt stehe "die Absicht, sich gegen die privaten Mitbewerber in der Region behaupten zu können", bestätigt Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Karmasin. Pflegepersonal und Ärzte hingegen fürchten, dass sich hinter wohlklingenden Konzepten letztlich doch nur wieder eine ansteigende Belastung verbirgt - also mehr Arbeit, die auf weniger Schultern verteilt wird. "Wir beobachten das durchaus mit Sorge", sagt eine Mitarbeiterin, die nicht namentlich genannt werden will.

Im Februar war die Prüfung durch eine Beraterfirma angestoßen worden. Damals hieß es, in etwa sechs Monaten sei mit einem Ergebnis zu rechnen. So weit aber ist es laut Klinikchef Alfons Groitl noch nicht. Er hofft auf eine Vorlage der Expertise "Anfang des nächsten Jahres". Auch Karmasin will da nicht allzu sehr aufs Gas drücken: "Qualität und Akzeptanz in Politik und Bevölkerung" gehe vor Eile. Er hofft, dass "im Jahr 2018 die wesentlichen Entscheidungen getroffen werden können". Dann soll also feststehen, welche Stärken die einzelnen Krankenhäuser mit in einen Verbund einbringen würden und wie sich ihre Schwächen ausgleichen lassen. Die Kliniken in den Landkreisen Landsberg und Weilheim-Schongau sind kleiner als die in Fürstenfeldbruck. Bekannt ist, dass vor allem sie es sind, die Schwierigkeiten haben, kostendeckend zu arbeiten und auch ein breites medizinisches Angebot aufrecht zu erhalten. Aus einem Verbund der drei Krankenhäuser sollten aber alle Mitglieder einen Nutzen ziehen, versichert Groitl. Ebenso wie er knüpfen Karmasin und dessen Amtskollegen an eine stärkere Zusammenarbeit die Hoffnung, Zustände wie in anderen Landkreises verhindern zu können. So wurde beispielsweise in den Nachbarlandkreisen Starnberg und Dachau die früheren Kreiskliniken vor einigen Jahren privatisiert. Vor allem in Dachau rumort es aktuell ganz gewaltig: Pflegekräfte des gewinnorientierten und auch durchaus profitablen Helios-Amper-Klinikums hatten sich Ende November sogar in einer Urabstimmung für Streiks ausgesprochen, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Längst ist klar geworden, dass die Einflussmöglichkeiten eines Landkreises sehr beschränkt sind, wenn er eine solche Einrichtung aus der Hand gegeben hat.

Immerhin eine Sorge zerstreut Karmasin: Ein Personalabbau sei kaum zu befürchten. Die Krankenhauslandschaft leide allgemein "unter einem Personalgewinnungsproblem, nicht unter einem Überhang". Das würde sich seiner Überzeugung nach durch die Zusammenarbeit nicht ändern. Es sei nicht beabsichtigt, Personal freizusetzen. Falls im Bereich der Verwaltung Synergieeffekte erzielt werden könnten und tatsächlich über die natürliche Fluktuation hinaus jemand im Verwaltungsbereich entbehrlich werde, dann stünden die Landratsämter oder die Gemeindeverwaltungen schon Schlange, um diese Mitarbeiter abzuwerben.

Im Februar hatte Karmasin eine stärkere Zusammenarbeit als gangbaren Weg bezeichnet, um auf den in Folge des Krankenhausstrukturgesetzes steigenden Kostendruck und höhere Qualitätsanforderungen reagieren zu können. Ziel ist es, mehr Patienten zu behandeln und die Spezialisierung der einzelnen Häuser voranzutreiben. Auch im Falle einer Kooperation sollen die beteiligten Häuser eigenverantwortlich wirtschaften und ihre Angebote aufrechterhalten. Patienten sollen also nicht zwangsläufig von einem Landkreis in den nächsten verfrachtet werden - auch wenn das beispielsweise zur Ausnutzung von High-Tech-Einrichtungen oder zur Erfüllung von Mindestzahlen etwa bei Knieoperationen kaum ganz auszuschließen sein dürfte. Vor allem sollen die Krankenhäuser von der Expertise in einzelnen Bereichen profitieren. So verfügt Landsberg über eine Kinderstation und Weilheim über eine gut ausgestattete Gerontologie - dortige Fachärzte könnten ihre Dienste den Kooperationspartnern zur Verfügung stellen.

Unter den Mitarbeitern herrscht offenbar Einigkeit, dass eine Kooperation besser ist als eine Privatisierung. Gleichwohl sehen es viele kritisch, dass letztlich einige eigene Spezialgebiete auf der Strecke bleiben könnten. Und vor allem das Pflegepersonal warnt davor, "dass alles noch schneller gehen muss" - trotz des steigenden Anteils gebrechlicher Patienten.