Erstes Fest für Eingebürgerte Willkommen in Germering

Erstmals richtet die Stadt ein Fest für Menschen aus, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Vierzehn Männer und Frauen folgen der Einladung - und bekennen sich wie OB Haas zur Integration.

Von Petra Fröschl

Jonuz Ismailovski erinnert sich noch genau, wie das war, als er vor 39 Jahren sein altes Leben aufgab und nach Deutschland ging. "Damals war in Mazedonien eine Krise, ich wollte weg von dort", erzählt der 62-jährige Germeringer. In München fand der junge Mann vom Balkan schnell Arbeit, 32 Jahre lang war er bei BMW beschäftigt. Bereut hat er diesen Schritt nie. Die freiheitliche Grundordnung, die ärztliche Versorgung, die Ordnung und die Disziplin - Ismailovski lobt seine jetzige Heimat in den höchsten Tönen. "Super" sei es hier, "einwandfrei" - so ganz anders als in Mazedonien.

Neue Deutsche: Einbürgerungsfest in der Germeringer Stadtbücherei.

(Foto: Johannes Simon)

Ismailovski ist einer von 50 Germeringern, die in diesem Jahr ihre Einbürgerungsurkunde bekamen. Von den 208 gestellten Anträgen genehmigte das Landratsamt laut Sprecherin Pia Schmahl 184. Die meisten Antragsteller kamen aus der Türkei, dem Irak, Kosovo, Rumänien, Polen und Serbien. Weil das Ganze ein recht formeller Akt für diesen doch sehr wichtigen Einschnitt im Leben eines Menschen ist, wie Oberbürgermeister Andreas Haas es ausdrückt, hat die Stadt Germering am Dienstag zum ersten Mal eine kleine Feier für neu eingebürgerte Menschen organisiert.

"Wir wollen, dass Sie sich hier wohlfühlen", sagt der OB. Das Fest ist Teil des Integrationskonzepts, das der Stadtrat beschloss und der Pädagoge Manuel Leupold seither mit Leben füllt. Alle sechs Monate soll so ein Empfang künftig stattfinden.

Von den 50 angeschriebenen Personen sind zehn wieder weggezogen, manche haben nicht geantwortet. Doch 14 Frauen und Männer aus zwölf Nationen haben die Einladung der Stadt angenommen und sind mit ihren Angehörigen ins heimelige Foyer der Stadtbibliothek gekommen, um sich bei orientalischem Fingerfood auszutauschen. Es gibt ein paar Reden, ein Gruppenfoto und für jeden frisch gebackenen Deutschen ein kleines Präsent. Die Vietnamesin Tran Thi ti Van und Subarma Rahim aus Bangladesch führen traditionelle Tänze aus ihren Heimatländern auf.

Auch Martin Neumeyer (CSU), der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, ist gekommen. Er ruft die Zuhörer auf, Integration nicht nur als Wort zu verstehen, sondern mit Leben zu füllen. Haas erzählt davon, wie viel Erfahrung die Stadt mit Zuwanderung hat. "Germering, das waren mal zwei Bauerndörfer", sagt er. Nach dem Krieg seien viele Flüchtlinge aus dem Osten gekommen, die evangelisch waren und so gar kein "gemütliches Bairisch" sprachen. Doch die Integration sei reibungslos verlaufen, die Heimatvertriebenen hätten Germering maßgeblich mitgestaltet. Dann kamen die ersten Gastarbeiter, mittlerweile haben 13 Prozent der Einwohner ausländische Wurzeln. "Germering ist tolerant und bunt - ganz ohne Kampagne", sagt Haas. "Ich bitte Sie, bauen Sie Brücken und bringen Sie sich hier ein."

Die Bereitschaft dazu scheint an diesem Dienstagabend groß zu sein. Dass die geglückte Einbürgerung - allein der Verwaltungsakt dauert Monate - für die Anwesenden in der Tat ein Grund zum Feiern ist, wird schnell deutlich: Die Reden werden beklatscht, die Stimmung ist ausgelassen, einige Gäste filmen die Veranstaltung akribisch mit Handy oder Videokamera. Nach dem offiziellen Akt ergeben sich viele Gespräche, bei denen die neu Eingebürgten gerne bereit sind, aus ihrem Leben zu erzählen.

Sie haben sich zwar alle entschlossen, deutsche Staatsbürger zu werden, doch ihre Beweggründe waren ganz unterschiedlich. Während manche in Deutschland geboren wurden und die Sprache fließend beherrschen, sind andere erst seit einigen Jahren hier. Eines ist den Menschen jedoch gemeinsam: Sie alle fühlen sich als Deutsche. So auch Jonuz Ismailovski. "Ich bin der älteste Germeringer, der heuer eingebürgt wurde", sagt er stolz. Warum erst jetzt? "Früher wurden anderen Staatsbürgern in Mazedonien die Häuser weggenommen, jetzt ist das anders - zum Glück."