Erinnerungsort auf dem Fliegerhorst Ein Euro für den Tower

Der Landkreis kann das Gebäude auf dem Fliegerhorst bereits 2013 für einen symbolischen Preis erwerben, um dort eine Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats einzurichten. Aber er braucht rasch ein Nutzungskonzept.

Von Gerhard Eisenkolb

Landrat Thomas Karmasin unternimmt einen ersten konkreten Schritt hin zur Schaffung einer "Erinnerungs- und Begegnungsstätte" im Tower des Fliegerhorstes, an der des Olympia-Attentats von 1972 gedacht werden soll. Mit 30 000 Euro möchte er im nächsten Jahr die Erstellung eines wissenschaftlichen Konzepts finanzieren. Die entsprechenden Mittel soll der Kreistag bei den anstehenden Haushaltsberatungen zur Verfügung stellen. Karmasin hofft, dass das Projekt die Zustimmung der Kreisräte findet. Im Kulturausschusses wird das Vorhaben am 19. November zu ersten Mal beraten.

Die Gedenkfeier am 5. September zum Olympia-Attentat vor dem Tower.

(Foto: Günther Reger)

Eigentlich hätte schon nach der Gedenkfeier anlässlich des 40. Jahrestages des Attentats am 5. September zu einem Arbeitskreis für die Erinnerungsstätte eingeladen werden sollen. Damals hatte Ministerpräsident Hort Seehofer die Idee einer Erinnerungsstätte im Fliegerhorst aufgegriffen und den Landrat dazu aufgefordert, mit ihm einen Gesprächstermin in der Staatskanzlei zu vereinbaren. Das wäre besser, als lange Briefwechsel. Als Ende Oktober Kultusminister Ludwig Spaenle jedoch zu einem Gespräch über einen Gedenkstätten-Standort in München geladen hatte, fand die Unterredung ohne Beteiligung aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck statt.

Laut Karmasin drängt die Zeit, denn Luftwaffe und die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) haben dem Landkreis und der Stadt angeboten, ihnen den unter Denkmalschutz stehenden Tower bereits im Jahr 2013 zum symbolischen Preis von einem Euro zu überlassen. Diese Offerte können die Kommunalpolitiker jedoch nur dann annehmen, wenn es ein Nutzungskonzept gibt und sie Partner finden, mit denen sie Trägerschaft und Kosten teilen können.

Im Fokus der Überlegungen einer Erinnerungsstätte im Fliegerhorst steht bisher der alte Tower als Ort des Geschehens. Zudem hat Generalmajor Robert Löwenstein, Chef der 1. Luftwaffendivision, angeboten, den Landkreis und die Stadt zu unterstützen. Von Löwenstein liegt bereits ein internes Papier vor, in dem er ausführlich zur künftigen Erinnerungsstätte Stellung bezieht. Allerdings wird seine Einheit voraussichtlich im Sommer oder Herbst 2013 Fürstenfeldbruck verlassen. Dann kann die Bima mit dem Verkauf und der Verwertung der ersten, frei werdenden Liegenschaften beginnen.

Karmasin und der Fürstenfeldbrucker Oberbürgermeister Sepp Kellerer betrachten den künftigen Erinnerungsort im Fliegerhorst als Ergänzung zu den Münchner Bestrebungen, im Olympiadorf ebenfalls eine Gedenkstätte zu schaffen. Für beide steht jedoch nicht so sehr der Museumsgedanke im Vordergrund, diesen Teilaspekt überlasse man gerne München, erklären Kellerer und Karmasin. Für Karmasin ist es wichtiger, dass Fürstenfeldbruck mit seiner seit Jahren intensiv gepflegten "Kultur der Begegnung" nicht in Vergessenheit gerät.

Deshalb könnte nach ersten Überlegungen im Tower ein Ort der deutsch-israelischen Begegnung, vor allem im Jugendbereich, und der internationalen Mahnung werden. Aus einem Ort des Schreckens und der Trauer soll auf diese Weise eine Stätte der Hoffnung und der Versöhnung werden, an der nicht nur der Opfer gedacht, sondern auch über die Auswirkungen von Hass und Gewalt gesprochen wird. Diesem Zweck sollen Diskussionsveranstaltungen dienen.

Großen Wert legen Kellerer und Karmasin auch auf die wissenschaftliche Aufarbeitung von Geiselnahme und missglücktem Befreiungsversuch. Der Oberbürgermeister bezeichnet es als erstaunlich, dass viele Akten zu dem Attentat noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung setzen Kellerer und Karmasin auf die Unterstützung des Münchner Instituts für Zeitgeschichte oder einer Universität. "Selber stricken kann man sich so etwas nicht", sagte Karmasin. Dazu bedürfe es hoch qualifizierter Spezialisten.

Laut Karmasin gilt es, die Gunst der Stunde zu nutzen, so lange die Gedenkfeier vom 5. September noch nachwirkt. Der Unterstützung des israelischen Generalkonsulats in München und er Israelitischen Kultusgemeinde ist er sich sicher. Kellerer hofft zudem auf die Hilfe des Freistaats. Dieser könne sich ebenso wenig aus der Verantwortung stehlen wie das Nationale Olympische Komitee. Unterstützung erwarten sich die beiden Brucker Kommunalpolitiker auch von der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten.

Liegt das wissenschaftliche Konzept vor, könnte in einem zweiten Schritt eine Trägerorganisation gegründet werden, die den Tower übernimmt. Die Erinnerungsstätte könnte 2017 zum 45. Jahrestag des Attentats eröffnet werden.