Energieverbrauch im Landkreis Die Wende ist gescheitert

Solaranlagen wie diese auf dem Dach eines Bauernhofes in Moorenweis sollen helfen, die Klimaziele zu erreichen. Doch der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Landkreis geht nur langsam voran.

(Foto: Johannes Simon)

Sowohl der Energieverbrauch als auch der Ausstoß von Kohlendioxid im Landkreis steigen weiter an. Eine Umstellung auf regenerative Quellen ist bis 2030 kaum mehr zu schaffen.

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Energiewende im Landkreis ist gescheitert. Einer Studie zufolge ist der Ausstoß von Kohlendioxid auf knapp 1,5 Millionen Tonnen gestiegen. Schuld ist der wachsende Verbrauch von Benzin, Diesel und Erdgas. Der Anteil erneuerbarer Energien aus dem Landkreis liegt erst bei acht Prozent des Verbrauchs. "Das ist enttäuschend und alarmierend", sagte Landrat Thomas Karmasin (CSU) bei der Präsentation der Studie am Montag im Umweltausschuss des Kreistages.

Der Landkreis und 14 Kommunen hatten die Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH (LBST) beauftragt, eine Energie- und Kohlendioxid-Bilanz vorzulegen. Verglichen wurden Daten aus den Jahren 2010 und 2015. Neuere Zahlen standen nicht zur Verfügung, sagte Diplomingenieur Martin Zerta von LBST. Die Studie zeigt, dass konzentrierte Anstrengungen zwar zu bescheidenen Erfolgen führten, aber von einer Energiewende nicht die Rede sein kann.

So ist der Gesamtverbrauch von Strom etwas gesunken, bei Heizöl sogar um rund 20 Prozent. Der Anteil des Stroms, der aus regenerativen Energien erzeugt wird, hat sich in den fünf Jahren fast verdoppelt und liegt nun bei 26 Prozent. Dafür sind die Werte bei Kraftstoffen und Gas angestiegen. Allein dadurch, dass mehr Autos im Landkreis vorhanden sind und das Pendleraufkommen steigt, wuchsen die Emissionen in fünf Jahren um 200 Kilogramm je Einwohner an, haben die Forscher ausgerechnet. Beim Endverbrauch machen Benzin und Diesel mehr als ein Drittel aus, gefolgt von Gas (25 Prozent) und Heizöl (17 Prozent). Der Stromanteil liegt bei zwölf Prozent.

Die Schuld auf andere abzuschieben sei keine Lösung, sagt Klaus Wollenberg

Was die absoluten Zahlen betrifft, so liegt eine Ursache für den Anstieg darin, dass die Bevölkerung des Landkreises weiter gewachsen ist. Dabei blieb der Pro-Kopf-Verbrauch fast unverändert. Damit ist ein zentrales Element von Ziel 21, die Halbierung des Verbrauchs, völlig gescheitert. Dem Konzept zufolge, das der Kreistag 2000 verabschiedet hatte, sollte sich der Landkreis bis 2030 komplett aus regenerativen Quellen versorgen. Dieses Ziel werde "kaum zu schaffen sein", heißt es in der Studie.

Was die Ursachen betrifft, zeigten sich die Kommunalpolitiker uneinig. Der Landrat sieht vor allem ein Umsetzungsproblem, an Erkenntnis mangele es nicht. Die Leute würden sich zwar einen neuen stromsparenden Kühlschrank kaufen, aber das alte Gerät im Keller weiter nutzen. Auf solche Weise steige der Gesamtverbrauch, sagte Karmasin. Der Energiereferent Max Keil (ÖDP) und der Vorsitzende des Vereins Ziel 21, Gottfried Obermair (FW) machten die Bundes- und Landesregierung verantwortlich. Der Ausbau von Fotovoltaik und Windkraft sei "von oben gebremst" und die Bürger dadurch demotiviert worden, klagte Keil.

Es sei nicht die Lösung, die Schuld abzuschieben, entgegnete Klaus Wollenberg (FDP). Die Probleme seien "hausgemacht". Kommunalpolitiker würden unter dem Schlagwort, bezahlbaren Wohnraum schaffen zu wollen, immer mehr Menschen auf freien Flächen ansiedeln, die aber zur Arbeit woanders hin fahren müssen. Die Kommunen müssten stattdessen Wohnen und Arbeiten in der Region verbinden, um die Zahl der Pendler zu reduzieren, forderte Wollenberg. Weitere Faktoren seien die "Schülerströme", die hin und her befördert werden, sowie das Sterben von kleinen Lebensmittelgeschäften in den Ortschaften.

Die Ansiedlung von Betrieben sei kein Allheilmittel, warnte Jan Halbauer (Grüne). So nehme BMW für sein Sicherheitstraining auf dem früheren Fliegerhorstgelände viel Fläche in Anspruch und locke einigen Verkehr an, biete nur wenige Jobs. Ein großer Fehler sei, immer neue Umgehungsstraßen zu bauen, was noch mehr Autos bedeute. "Mir war vorher klar, dass wir nichts erreicht haben. Wir haben zu wenig getan", bilanzierte Halbauer.

Der Landrat hält einen neuen Aktionsplan für nötig, der Energiereferent widerspricht

Jakob Drexler (UBV) erinnerte daran, dass die Windkraft fast völlig blockiert sei. Der Ausbau der S 4, von der CSU seit Jahrzehnten verschleppt, sei ein Trauerspiel. "Wir nehmen die Ziele des Klimaschutzes auf allen Ebenen nicht ernst", lautete Drexlers selbstkritisches Fazit. Den meisten Kreisräten stand aber nicht der Sinn danach, über die Ursachen dieses Scheiterns zu reflektieren.

Karmasin hält einen neuen Aktionsplan für notwendig. Er werde selber etwas vorlegen, alle anderen mögen ihre Ideen beisteuern. Dagegen erklärte der Energiereferent: "Wir haben einen Aktionsplan, das steht alles im Klimaschutzkonzept. Es muss nur intensiver daran gearbeitet werden." Der CSU-Fraktionssprecher Emanuel Staffler nannte die Bilanz-Studie einen "Wachrüttler". Der Kreistag möge die "einende Betroffenheit" nutzen um einen "Plan mit Hirn und Herz" zu schmieden. Petra Weber (SPD) forderte, den "Blick nach vorne" zu richten, etwa auf das Projekt Geothermie in Puchheim. Es gelte, den Klimaschutz als "Querschnittsthema" anzugehen.

Der Vorsitzende von Ziel 21 möchte alles "nicht ganz so negativ" sehen. Hätte der Landkreis gar nichts gemacht, wäre die Lage heute "katastrophal". Im übrigen erwartet Obermair, dass die Zahlen aus den Jahren 2016 und 2017 besser ausfallen. Notwendig sei ein integriertes Klimaschutzkonzept. Es gelte festzustellen, "wo stehen wir jetzt", meinte der FW-Kreisrat.